„Sekt-taktisch und perlen-glücklich“ durch die besinnlichen Tage

   Die besten Sekt-Empfehlungen für kluge Genießer

Ob barfuß im Schnee oder mit dicken Stiefeln auf einer blühenden Sommerwiese, ob zu Hause in der Badewanne oder vorm Kamin, gern beim Liebesblick in das zweite Augenpaar und besonders gern nach einer siegreichen Lebensetappe: Wenn es besondere Momente gibt, dann ist mittlerweile Sekt der Charmeur, der unsere Sinne bereichert und dem Ereignis den richtigen Touch gibt. Und ganz sicher lässt sich mit einem erfrischend-perlenden Winzersekt ein ach so anstrengender Alltag verabschieden und unsere Sinne in neue, harmonische Bahnen lenken.

Mal ehrlich: Ich glaube nicht, dass wir bescheiden geworden sind. Wir haben einfach verstanden, dass gute Sekte von deutschen Sektkreateuren den Champagner verdrängt haben, und es ist unseren Sektmachern gelungen, den Franzosen zu zeigen, wie Revolution wirklich funktioniert.

Typisch deutsch ist es sicherlich auch, dass wir so gern und ach so ausschweifend über Dinge und Momente diskutieren und fachsimpeln. Über die Welt im Allgemeinen und über Sekt oder Selters im Besonderen, über Perlen und Dosage, die unterschiedlichen Methoden, Kniffe und Tricks. Ja klar: Wie soll er sein und was ist der große Sekt für ganz viel Genussglücklichkeit? Und natürlich die metaphertheoretische Kardinalfrage: Worauf sollte man beim Sektkauf achten? Grundsätzlich sollte man doch Leib und Leben etwas Gutes tun, damit die Seele Lust hat, darin ihr Bettchen zu bereiten. Und ganz sicher sind hierfür Weichei-Sekten ganz weit weg von „gut“.

Es mag überkandidelt klingen, wenn man noch eines draufsetzt und sagt, dass es kein Sekt von der Billigsorte sein darf, sondern einer mit Pracht und Eleganz.

Bei all den schönen Möglichkeiten und Genusschancen habe ich mich für das gesunde wie auch glückselige Mittelmaß bei besten Qualitäten Pfälzer Weinkreateure entschieden. Es liegt bei 11,00 bis 17,00 Euro. Für diesen Preis bekommt man – wie folgt bewiesen – bereits feinste wie auch aufwändige Handarbeit, welche meist auch nach der Méthode traditionnelle oder Méthode champenoise, der klassischen Gärung in der Flasche, erfolgt. Die Gärung des Sektgrundweines erfolgt im Holzfass oder auch im Tank. Der zweite Gärungsprozess erfolgt dann in der Flasche. Hier wird der Grundwein mit „Liqueur de Tirage“ aus Zucker und Hefe bereichert. Weil nun besondere und hochwertige Sekte einen langen Reifeprozess benötigen, werden die Flaschen für mindestens 12 Monate, mitunter mehrere Jahre, gelagert. Je länger das Hefelager, umso authentischer der Rebsortencharakter. Der Gaumen wird bereichert von edler Würze, zartem Schmelz und einem feinen Prickeln, das durch die Kohlensäure aus der Gärung entsteht.

Bei den Sekten, die nun vor meinem Gaumen stramm wie auch schäumend Parade stehen, sind 24 Monate Hefelager keine Seltenheit. Einige Sektkreateure vertrauen auf die große Kunst ihres Handwerks und lassen den Grundwein 4 bis 6 Jahre auf der Hefe.

Bevor ich einige Top-Sekte empfehle, vorab noch eine kleine Einführung in die große Sektkultur.

Ein intensiver Geschmack wie auch ein opulentes Bukett werden letztlich über den längeren Kontakt mit dem „Liqueur de Tirage“ erreicht. Beim abschließenden Degorgieren – eine alte Bezeichnung für Enthefen – wird der entstandene Hefepfropfen entfernt, ohne dass der Sekt die Flasche verlässt. Man unterscheidet zwischen Kalt- und Warmdegorgieren. Beim Kaltdegorgieren wird die abgerüttelte Hefe im Flaschenhals eingefroren, indem die Flaschen kopfüber in ein Eisbad gesteckt werden. Anschließend kann die Flasche zum Öffnen umgedreht werden, ohne dass das Hefedepot den Sekt wieder eintrübt. Beim Öffnen des Kronkorkens wird der Hefe-Eis-Pfropfen durch den Gasinnendruck herausgeschleudert. Die Technik bietet mittlerweile vollautomatisierte Lösungen mit hohen Stundenleistungen an. Da beim Degorgieren immer auch ein wenig Schaumwein verloren geht, wird die Flasche mit der Dosage (franz.: liqueur d’expédition) wieder aufgefüllt. Mit dieser kann zugleich der Süßegrad des Schaumweines bestimmt werden.

Die Dosage besteht aus einem Gemisch aus Wein und Zuckersirup. Verzichtet wird auf die Dosage bei sogenannten Zero-Dosage, pas dosé und brut nature, die dann einen Restzuckeranteil von weniger als 3 g/l aufweisen.

Beim Warmdegorgieren (frz. dégorgement à la volée) wird das Hefedepot nicht eingefroren, die Flasche muss kopfüber geöffnet werden: Geschick und Schnelligkeit ermöglichen das manuelle Warmdegorgieren.

Bei einigen Weingütern werden die Flaschen auf Rüttelpulte – heute meist mechanisch – gebracht und in einem komplizierten Verfahren über Wochen gedreht und in immer steilere Winkel gebracht, bis letztlich die Flaschen auf dem Kopf stehen. Beim Rütteln setzen sich die Trübstoffe ab und der Sekt bekommt seinen kristallklaren Glanz. Und zum großen Finale bekommt der Sekt seine Dossage: ein Likör aus reifen edelsüßen Rieslingen oder fruchtigem Burgunder.

Und nun meine ganz besondere Empfehlung bester Sekte aus kreativ-pfälzer Hand:

Chef de Cave – Rosé Brut / Weingut Frank Kayser

Dieser Sekt gefällt bereits im Glas mit seinem fein-rosa Farbton, seinen tanzenden Bläschen und seinen eleganten Aromen von Erdbeeren und Rosenblättern. Frank Kayser versteht die Kunst für beste Sekte, welche sich gern elegant auf den großen Bühnen präsentieren und so manchen Champagner nonchalant verdrängen.  Ein Sekt, hergestellt in traditioneller Flaschengärung (Champagner-Methode) aus den Rebsorten Spätburgunder, Weißburgunder und Grauburgunder. Degorgiert wurde er nach 2 Jahren in der Flasche, um ihn weich werden zu lassen, damit er auch mit geringer Dosage auskommt und zu begeistern weiß. Auch die Aromatik überzeugt. Zarte Erdbeeraromen, eine Nuance Rosenblätter dazu, seine feine Perlage, die den Gaumen sehr weich umschmeichelt.

Sina und Frank Kayser sind liebenswerte Gastgeber mit verdammt viel Herz und Lebensfreude. Sie gestalten nicht nur ihr historisches Hofgut von 1575, sondern auch exzellente Bio-Weine, Schaum- und Perlwein aus traditionellen Rebsorten im Einklang mit der Natur.

Weingut Kayser / Rhodt unter Rietburg / www.kayser-wein.de

Pinot Rose´ brut / Weingut Peter Seelos

Der Peter hat einfach Glück. Beide Töchter wurden vom Weinfieber erfasst und gestalten nun mit viel Leidenschaft besondere Weine wie auch Sekte. Mit viel Geduld und Feingefühl gestaltet Rebecca Seelos hochwertigen Sekt. Ein besonderes Ereignis ist der St. Laurent Rosé, welcher 24 Monate Hefelager genoss und anschließend in kleinen Chargen degorgiert wurde. Somit bekommt der Sekt seine Zeit zur Entwicklung auf der Hefe und gewinnt eine besonders elegante Cremigkeit, ohne an Frische zu verlieren. Chapeau! Ein wahrlich hochfein-reinrassiger Rosé-Sekt mit ganz viel Lust und Laune auf mehr. Und allzu natürlich kommt er vornehm-elegant dank seiner feinen Würze daher und berauscht geradezu mit seiner fruchtigsüßen, herrlich duftenden Aromatik von saftigen Erdbeeren und hellen Beeren. Seine feine Perlage und schöne Säure machen diesen Sekt zu einem Genuss. Rebecca Seelos – jung, lebendig und sehr kreativ – gelingt es, im Zusammenspiel mit ihrem Vater prächtige Weine mit verdichteter Mineralität zu kreieren, ohne die Bodenhaftung zu verlieren.

Weingut Seelos / Rhodt unter Rietburg  / www.weingut Seelos.de

Sekt Pinot Meunier Rosé brut / Weingut Bernhard Koch

Bernhard und sein Sohn Alexander gestalten ihren Sekt in feinster wie auch aufwändiger Handarbeit, welche nach der Methode „traditionelle“ oder „„Méthode champenoise“ der klassischen Gärung in der Flasche erfolgt. Die Gärung des Sektgrundweines erfolgt im Holzfass oder auch im Tank. Der zweite Gärungsprozess erfolgt dann in der Flasche. So soll es eben sein und so lässt sich der fein perlende Rosé genießen. Die intensive Rosé-Farbe, die leicht ins Pinke geht, kitzelt die Nase mit einer feinen Hefenote, welche eine wunderbare rotbeerige Aromatik mit einem zarten Touch an getrockneten Cranberries und Himbeeren erkennen lässt.

Bernhard Koch sammelte auf vielen Auslandsreisen in Weinanbaugebieten wertvolle Erfahrungen. Seit einer Reise in die Champagne 1982 gilt eine seiner Leidenschaften dem Sektmachen – und daraus eben entstand das langfristige, große Engagement für Sekte. Ohnehin sind die Kochs für verdammt verblüffende Qualitäten bekannt. So überzeugen sie insbesondere mit Weinen der Réserve- und Grand-Réserve-Linie.

Spätburgunder Rosé extra brut / Weingut Bergdolt

Wer sich gern den „Großen Sekten“ hingibt sollte unbedingt auch bei Carolin Bergdolt in der ehemaligen Kloster Dependance St. Lamprecht in Duttweiler einen Stopp einlegen. Caro kreiert mit ihrem Vater Rainer eine prächtige Palette von außergewöhnlichen Sekten.

Der Spätburgunder Rosé extra brut durfte sich 34 Monate auf dem Hefelager ausruhen, bevor er degorgiert wurde. Im Glas gefällt sein Schimmern in zart-rosa. Die Nase wird bereichert mit einer kräftigen Note roter Beerenfrüchte, gepaart mit Himbeere. Im Gaumen folgt ein leicht cremiger Touch von Brioche. Eine vorzügliche Ansprache für all meine Sinne. Heiter und transparent im Aroma, trocken aber dennoch fruchtbetont im Geschmack. Gut integriertes Mousseux. Ganz feine, harmonische Säureadern unterstreichen den jugendlich-frischen Charme. 30 Monate Hefelager geben dem Sekt eine feine Perlage. Für Caro Bergdolt, die mit ihren Sekten in jedem Jahr große Preise einfängt, darf es gern noch einige Monate mehr sein. So sind sie eben, die Sektkünstler im Weingut Bergdolt Klostergut St. Lamprecht.

Weingut Bergdolt Klostergut St. Lamprecht / www.weingut-bergdolt.de

Lasst uns das Jahr so beenden, wie wir es verdient haben, und das Neue beginnen, wie wir es uns wünschen. Farbe, Genuss und die Perlen sollen stimmen.

Herbstgefühle brauchen unbedingt einen guten Wein

Es ist kein Ruhmesblatt für die Natur: Mit stürmischem Getöse wirft sie ihre Blätter unartig zu Boden und hüllt ihn in ein braun-gelbes Patchwork. Kleidet sich grau in grau, umgeben mit grau-weißem Tüll. An allen Ecken geht es gegen eine kalte Null, welche sich ganz gern von einem unartigen Nass begleiten lässt.  Oh je … welch eine Tristesse bietet uns der Herbst. Wenn doch mindestens die Sonne die Bühne in Szene setzen würde. Doch diese ist mal wieder auf Auszeit weit südlich.

Um all dieses grausige Schauspiel zu ertragen, benötigt es einen guten, ja besonderen Wein, welcher unsere Seele wieder wärmend aufpoliert und in Zuversicht dreht.

Also habe ich meine dicken Schuhe angezogen und habe solche Weine entdeckt.

  

Ideal für solche trübsinnige Herbsttage sind vor allem reife, aromatisch komplexe Weine, die überzeugen und mehr Körper, Wärme und Textur bieten. 

Dann darf es auch mal ein Rotwein sein, welcher ein Holzfass geküsst hat. Er soll würzig, kräftig und vollmundig daher kommen und mit viel Tiefe und Fruchtaromen von roten und schwarzen Beeren, Rosinen, Feige oder Pflaumen überzeugen. Sie schenken unserer Seele Wärme und Harmonie. Auch elegante Rotweine mit feiner Gerbstoffstruktur bereichern den Genuss und sind ein passender Partner für genussvolle Momente weit abseits der herbstlichen Tristesse.

Gerade im Holzfass ausgebaute Rotweine zeigen Tertiäraromen, d. h. durch die Reifung im Holz entstandene Aromen wie Vanille, Tabak, Nüsse oder Karamell, besonders dann, wenn sie im Barrique ausgebaut wurden. Röstaromen passen wunderbar zu dieser besonderen Jahreszeit.

Aber auch Weißweine mit Struktur und Körper passen sehr gut. Sie sollten eine cremige Textur haben und leichtes Tannin durch Holzfassreifung oder langes Hefelager. Solche Weißweine haben Aromen von Gewürzen, Nüssen, Brioche, Honig oder getrockneten Früchten.

Vom Bio-Weingut Rummel aus Landau überzeugt der 2020 Cabertin Reserve. Das wochenlange Maischelager und die 22-monatige Barriquereife taten diesem Rotwein nur Gutes. Er kommt in einem dichten Purpurrot ins Glas & im Bouquet spiegelt er ein charaktervolles Fruchtspiel von schwarzen Johannisbeeren, Pflaumenmus sowie feine Nuancen von Brombeeren, gepaart mit zarten Kaffeenancen, Röstaromen und Süßholz. Am Gaumen seidig und ausgewogen mit feiner Eleganz und einem langanhaltenden Finale.

Der Pinot Noir Mußbacher Edition Papillon vom Bio-Winzer Gerhard Schwarztauber aus Mußbach ist ein prächtiges Meisterstück. Überzeugend mit Anklängen von dunklen Waldfrüchten wie Brombeeren sowie mineralischen Noten geben sie ihm eine verspielte Finesse. Die Tannine sind wunderbar geschmeidig und gekonnt eingebunden. Die Reifezeit im neuen und gebrauchten Holzfass hat diesem festlichen Wein jede Menge Tiefe gegeben und sorgt für perfekt eingebundene, rauchige Aromen und Gewürzanklänge nach Nelken, Piment und einem Hauch Vanille.

Der in Eleganz überzeugende 2022-St.-Laurent-Réserve-Rotwein trocken vom Weingut Stern in Hochstadt wurde zu Recht mit dem Deutschen Rotweinpreis ausgezeichnet. Bereits im Glas gefällt das opulente dunkle Rubinrot. In der Nase tanzen feinsüßliche Noten von reifer Frucht. Saftig dunkle Kirschen, etwas Pflaume, bereichert mit einem Hauch von Zartbitterschokolade, was ihm eine besondere Tiefe und Finesse verleiht. Am Gaumen kompakt und noch fast jugendlich, feine Frucht, schöne und hochwertige Gerbstoffstruktur.

Diva in Paprika: Cabernet Sauvignon

Weltbürgerin nennen: Weit gereist, fast überall zu Hause, behält die Cabernet-Sauvignon-Traube ihren eigenen Charakter, egal wo sie wächst und ebenso egal mit welchen anderen Rebsorten sie verschnitten wird. Besonders gern wird sie auch als Edelrebe bezeichnet und entsprechend mit viel Aufmerksamkeit gepflegt.

Warm und sonnig mag sie es, weil sie erst spät blüht und langsam reift. Die Weine, die aus ihr hervorgehen, sind meist sehr farbintensiv: dunkles Purpur mit violetten Reflexen. Bevor sie von Merlot abgelöst wurde, war sie die meistangebaute Rebsorte der Welt. Sie stammt aus Frankreich, genauer gesagt aus dem Bordelais, wo sie auch heute noch, zumal links der Gironde, etwa in den Anbaugebieten Médoc und Graves als die wichtigste Rebsorte der berühmten Bordeaux-Weine gilt. Und weil sie sich ungern alleine auf die große Bühne trauen, sind die meisten Bordeaux-Weine Cuvées, also Verschnitte, aus den drei Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc.

Die Cabernet-Sauvignon-Trauben sind klein, mit einer dicken dunklen Schale sowie einem hohen Kernanteil. Ihre Dickhäutigkeit ist verantwortlich für die Farbtiefe, während die Kerne für das kräftige Tanningerüst des Weins sorgen. Die Tannine stecken in der Schale und in den Kernen und werden auch Gerbstoffe genannt. Sie erzeugen die typisch pelzige Empfindung auf der Zunge. Im Fachjargon heißt das »Adstringenz«. Weine mit viel Tannin werden also häufig als »adstringierend« empfunden, sind aber haltbarer und haben ein natürliches Alterungspotenzial – wie etwa die großen Bordeaux-Weine. Je älter der Rotwein wird, desto weicher werden die Tannine und desto geringer wird die Säure. Zudem altert die Diva hervorragend und kommt im reiferen Stadium bei Rotweintrinkern häufig sogar besser an.

In der Pfalz gibt es einige Weinmacher, deren Cabernet Sauvignon hervorragend überzeugt. Das Deidesheimer Weingut Bassermann-Jordan fasziniert mit der Cuvée – aus Cabernet Sauvignon und Merlot – Deux Nez (zwei Nasen) ebenso wie der Weinmacher Oliver Zeter mit seiner Cuvée Zahir. Beides sehr dichte wie auch starke Typen. Der Herzschlag Rotwein trocken vom Weingut Bergdolt, Reif & Nett ist ein wahres Meisterwerk, das die Leidenschaft und Handwerkskunst von Christian Nett widerspiegelt. Die Cuvée X trocken vom Weingut Knipser ist ein prächtiges Beispiel für einen klassischen Bordeaux-Blend und zugleich ein stolzer Vertreter hoher Weinkunst. Glänzend und sehr überzeugend mit dunkler Frucht mit Cassisnoten begeistert auch der Cabernet Sauvignon trocken Rhodter Schlossberg vom Weingut Christian Heußler. Ebenfalls aus bester Lage in Rhodt unter Riedburg ein Cabernet Franc ist der Cabernet Franc Reserve trocken vom Weingut Klaus Meyer.

Ein guter Cabernet Sauvignon zeichnet sich durch dichte, dunkle Fruchtaromen (wie schwarze Johannisbeere, Brombeere und Pflaume) und komplexe würzige Noten (wie Zedernholz, schwarzen Pfeffer, manchmal auch grüne Paprika, falls die Trauben unreif geerntet wurden) aus. Typisch sind eine kräftige Struktur und ausgereifte Tannine, die den Wein sehr gut lagerfähig machen. Im Ausbau verfeinert sich die Struktur, und es können Aromen von Vanille und Röstaromen hinzukommen, die aus dem Fass stammen.  Da sie als aromatische Rebsorte, nicht aber als sehr fruchtbetont gilt, eignet sie sich für den Aus­bau im kleinen Eichenfass, genannt Barrique, das wiederum Aromen von Vanille oder Kokos in den Wein bringen kann.

Joël Briguet kreiert den Wein und das Weingut des Jahres

Beim Grand Prix du Vin Suisse wird Cave La Romaine aus dem Wallis  «Schweizer Weingut des Jahres 2025»

Welche prestigeträchtige Auszeichnung! Der Weinkreateur Joël Briguet gewinnt beim Grand Prix du Vin Suisse mit seinem „Chardonnay Réserve 2022, AOC Valais“ den vielbeachteten Preis „Bester Chardonnay des Jahres 205“ und gleichzeitig auch den Preis „Bestes Weingut des Jahres“. Diese Leistung verdient große Wertschätzung und auch Respekt, denn solche Preise benötigen viele, teils anstrengende Berganstiege und den richtigen Blickwinkel in Kombination mit sensibler Achtsamkeit. Wer diesen Chardonnay im Glas hat, wird mir zustimmen: Joël Briguet ist ein wahrer Meister seines Metiers und er kann jede Steigung nonchalant bewältigen.

Der 22er Chardonnay Réserve ist ein komplexer und unverwechselbarer Wein, der durch das sonnige Klima des Kantons Wallis viel Stärke mitgebracht hat. Die gelesenen Beeren durften es sich in alten französischen Eichenfässern und auch in 30 % neuen Fässern 18 Monate lang gemütlich machen.

Im Glas offenbart der Chardonnay seinen sensiblen Charakter: strohgelbe Farbe mit schöner Dichte, unterstützt von einer wunderbaren Fülle. In der Nase gefallen sofort die Nuancen nach hellem Honig und Propolis, vermischt mit kandierter Zitrone und Trockenfrüchten.

Elegant und ausdrucksstark am Gaumen, mit einer bemerkenswerten Balance zwischen Mineralität, Frische und Struktur. Gute Länge mit fruchtigen und mineralischen Noten, leicht geröstet. Intensiver, gehaltvoller und eleganter Abgang.

Ein genialer Wein zu hellem Fleisch, Meeresfrüchtegratins, fettem Fisch, Käse und unbedingt auch zu Sahnesaucen sowie Beurre blanc.

Der Macher und Feingeist Joël Briguet bleibt trotz seiner vielen Auszeichnungen bescheiden. 35 Jahre Erfahrung, ergänzt mit ganz viel Neugierde und Fachwissen, prägen sein ruhiges Tun und sein Gespür für große Meisterleistungen.

Für den Vollblutwinzer Joël sind Kontinuität über Jahrzehnte hinweg und die kreativ-familiäre Teamarbeit das stabile Fundament für den Erfolg der Cave La ­Ro­maine.

Seine engagierte und umsichtige Frau Edith Germanier Briguet kümmert sich um die Organisation des Weingutes. Seine Tochter Adeline um die Finanzen und das wichtige Marketing. Im Weinberg steht Joël seit nunmehr 30 Jahren der Portugiese Antonio De Almeida Rodrigues zur Seite. Beide verbindet die unbändige Leidenschaft zum Weinbau, die Nähe zur Natur und auch die spannenden Auswirkungen vom biologischen und biodynamischen Anbau. Doch auch die sich immer wieder neudefinierende Weinbereitung lässt sie nicht los. So gehört zur prestigeträchtigen Réserve-Linie mit dem Agrippina inzwischen auch ein auf der Maische vergorener Orange-Wein aus der Sorte Marsanne.

1989, im Alter von 21 Jahren, gründete Joël Briguet die Cave La Romaine in Flanthey, in prächtiger Lage an der Rhône zwischen Sierre und Sion. Begonnen hatte er mit einer Jahresleistung von 15 000 Flaschen. Heute füllt er jährlich 120 000 Flaschen bester Weine ab.

Nebst der Cave La Romaine geben Joël Briguet und sein Kellermeister Vincent Tenud auch beim 2011 lancierten Sekt-Prestige-Projekt Clos de Tsampéhro den Ton an. Um den 2,5 Hektar großen, geschlossenen Clos wieder in seiner ursprünglichen Form zum Leben zu erwecken, mussten Mini-Parzellen von über 30 Eignern aufgekauft werden. Heute bringt der Clos hervorragende Assemblagen, einen Prestige-Schaumwein und einen reinsortigen Completer in die Flaschen.

Handlese in Kisten, sanfte Pressung (maximal 1,2 bar) ganzer Trauben zeichnen den Clos de Tsampéhro aus. Die Fraktionierung des Presssafts erfolgt äußerst sensibel, denn es gilt, die delikateste Aromatik und die eleganteste Säure zu erhalten. Die alkoholische Gärung des klaren Weins erfolgt in kegelstumpfförmigen Eichenholzbehältern. Der Abstich und die Schaumbildung in der Flasche erfolgen nach der traditionellen Methode. Mindestens 44-monatige Reifung auf Latte ist die Pflicht und das Degorgieren erfolgt nicht dosiert, um so eine Schaumweinschorle „brut nature“ zu erhalten. Die Kür ist spürbar in all unseren Sinnen. Und ganz allmählich wird klar: Das Team vom Cave La Romaine aus dem Wallis ist auf den hohen Gipfel der Weinkunst angekommen. Chapeau!

Was kostet bester Weingenuss?

Die letzten Trauben sind längst gelesen und bereits im wohligen Hefebett angekommen. Leichter Oktobernebel macht sich in den Gassen breit und trübt ein wenig so manche Stimmung ein. Es ist auch eine gute Zeit, um innezuhalten, Gedanken zu fangen, Ideen zu gestalten und über das Vergangene wie auch über die Zukunft nachzudenken.

Nachdenken auch über die auffällige Bandbreite bei den Weinpreisen, denn erst kürzlich lag beim Discounter in meiner Hand ein 2023er Sauvignon Blanc aus Edesheim. 2,99 Euro für 0,75 Liter. Die Lage ist mir gut bekannt. Folglich wurden die Augen groß, die Nase gierig und die ersten Sinnesfalten auf meiner Stirn traten deutlich zum Vorschein. Warum ist dieser Wein für 2,99 Euro zu haben, während ein anderer aus demselben Anbaugebiet und derselben Traubensorte ein Vielfaches kostet?

Um dies zu verstehen, möchte ich ein paar Fakten auf den „Tisch“ packen: Um einen sehr günstigen Wein zu erzeugen, müssen die Produktionskosten pro Liter so niedrig wie nur möglich liegen.

Das bedeutet günstige Zukäufe von Fassweinproduzenten im In- wie auch im Ausland oder flache Weinberge, in denen die Bewirtschaftung, wie der Rebschnitt und die Weinbergspflege wie auch die Lese, vollständig mechanisiert werden. In diesem Fall kommt man mit etwa 200 Arbeitsstunden pro Hektar und Jahr aus. Ein Ertrag von rund 10 000 Litern pro Hektar und Jahr erlaubt gerade noch einen trinkbaren Wein. Bei Fassweinpreisen von etwa 80 Cent pro Liter ist es durchaus möglich, Geld zu verdienen. Jedoch, um seinen gesamten Lebensunterhalt damit zu bestreiten, braucht man eine beachtliche Rebfläche und muss alles gut im Griff haben. So entstehen die billigen Weine im Supermarkt- und Discounterregal.

Hingegen müssen Weinmacher von sehr charaktervollen, hochwertigen Weinen nicht nur über entsprechendes Wissen verfügen und reichlich Erfahrung und eine sensible Nase mitbringen, sondern auch sehr viel Handarbeit investieren, um ihr Ziel zu erreichen.

Bereits die selektive und ertragsreduzierte Weinlese per Hand kann hier über 200 Arbeitsstunden pro Hektar beanspruchen und die gesamte Bewirtschaftung kann auch über 1000 Arbeitsstunden pro Hektar und Jahr hinausgehen. Bei Bioweinen setzen Weinmacher auf meist teurere natürliche Hilfsmittel und verzichten gänzlich auf Chemie. Auch im Keller ist sensible Handarbeit gefordert. Hier verbannen Winzer Stabilisierungs- und Schönungsmittelchen und verbringen den Tag gern im Keller, denn hochwertige wie auch natürliche Weine benötigen wesentlich mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung, damit ihre Eleganz auch auf großen Bühnen gewinnt.

All dieser Aufwand ist ganz sicher nicht zum Mindestlohn verfügbar. Und somit wird ganz schnell klar, dass Weine mit ganz viel Lebenskultur entsprechend teurer sind als das im Discounter Angebotene.

Ja klar werden nun die Fragen aufkommen, wie günstig ein gut schmeckender Wein mit echtem Charakter sein darf. Bei vielen Weingütern in der Pfalz und insbesondere in der Südpfalz lassen sich solch gehobene Qualitäten häufig bereits ab 7,90 Euro finden. Für mich ist dies ein günstiger Einstieg in ein Stück mehr Lebensgenuss.

Eine vinologische Rettung vor dem Alltag – Occhio Doro

Es geht heute mal wieder sehr quirlig im Herzen von Frankfurt zu. Konzentriert und geschickt umlaufe ich im Slalomschritt allerlei Gewimmel. Machtergreifende Radfahrer, leicht aggressive Mütter mit Kinderwagen und Handy fordern Vorfahrt ein. Banker und Manager mit einer Handvoll Imbiss hetzen zum nächsten Run auf Gewinn und hier wie auch da versucht der Rest der neuen Generation, die Welt zu retten. Die rauschende Welt der Coffee-to-go-Hektiker wird Stress zum Lebensinhalt.

Meine Rettung vor diesem Alltag der Überlebensindianer ist das Occhio Doro. Also auf in den 7. und rein in eine wahrlich genüssliche Wohlfühlwelt. Hier im toskanischen Restaurant mit Roof-Bar wird der Gast in einen Cocoon gepackt und dazu mit herrlichen Blicken in die Skyline Frankfurts und darüber hinaus bereichert und verwöhnt, zugleich. Kaum angekommen kann ich ausatmen und lasse mich gern von Ivo Buljan und seinem Team mit Aufmerksamkeit und sensibler wie auch wundervoller Servicefreude verwöhnen.

Meine schiere Lust auf einen guten Wein, der meine Sinne in den Genuss justiert und mich in eine innere Ruhe fallen lässt. Stjepan Kubula, einem Sommelier der alten Garde, gelingt es mal wieder, meine Navigation auf Gaumenfreude zu drehen.

Etwas Oliven, feine Artischocken, fluffig, leicht würziges italienisches Baguette sind die Begleiter für einen 23er Aurora Etna Bianco, der sogleich die Farben meiner Welt verändert. Strohgelb mit zart grünlichen Effekten liegt er im Glas. Trocken, frisch-säurebetont, mit salziger Mineralität und Zitrusnoten am Gaumen. Schön! Elegant, präzise, mit vulkanischer Mineralität und mediterraner Frische fasziniert dieser Wein, welcher auf dem Vulkangestein des Ätna wurzelt.

Zur grandiosen Burrata folgt ein leichter & frischer und fruchtbetonter Marangona Lugana 2024 vom Gardasee. In der Nase tummeln sich Noten von Pfirsich, Blutorange, Limone, Wiesenblumen und Mandeln.
Seine feine Säure und der leicht rauchige Unterton von Feuerstein runden den Trinkgenuss ab. Ja … auch hier überzeugt die fachliche Kompetenz von Stjepan.

Wir plaudern und sinnieren über die Welt der Weine, das Leben allgemein, das Dolce Vita und die herrliche Poesie von Weinen in Flaschen, während die Küche feines Gemüse aus der Toskana und einen perfekt auf den Punkt gegrillten Wolfsbarsch geradezu zelebriert. Stjepan dreht mit seiner Weinempfehlung mein vinologisches Fachwissen auf Tiefmast und aufkommenden Sturm. Ein kräftiger 2024er Le Volte dell’Ornellaia, in leuchtendes Rubinrot und einem Hauch Violett gewandet, fließt in mein Glas. Mutig! Das toskanische Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Petit Verdot kommt am Gaumen leicht puristisch, saftig und dennoch mit knackig frischer Beerenfrucht und frischer Säure daher. Saftiger Cassis und Schwarzkirsche – die Frucht spielt mit Nase und Gaumen. Die Tannine sind ultra-fein geschliffen und beinahe schwerelos integriert. Feine Kräuterwürze, gepaart mit feiner Mineralität und dunkler Schokolade, erzählen noch lange nach. Ja! Ich stimme nun unbedingt zu. Dieser Wein ist ein perfekter Partner zu Fisch. Auch wenn z. B. der Chablis von Jean-Paul & Benoit Droin meine Wahl gewesen wäre. Stjepan Kubula ist ganz und gar ein Sommelier mit einer satten Portion Leidenschaft und Gespür für besondere Weine.

Zum Dessert kann es auch mal ein Rosé von Valtènesi sein. Der 24er CàMaiol Roseri aus der Lombardei nimmt sehr rasch meine Nase gefangen. Ein spannendes Aromenbild nach Rosenknospen, daneben Pfirsichblüten, rote Johannisbeeren und Litschi. Sanft und gleichermaßen trocken am Gaumen überzeugt er durch seine schöne Struktur und sein aromatisches Finish. Oder doch lieber eine Auslese … Hier wird der Sommelier nun ganz und gar auch Verführer. Und klar … Mit dem Blick in die nächtlich glitzernde Skyline lässt die Auslese einen wundervollen vinologischen Abend sehr harmonisch ausklingen.

Für das leidenschaftliche Team im Occhio Doro bin ich Gast und Mensch zugleich. Für Könige fehlt ihnen hier der Palast. Gern geht man mit seinen Gästen eine stimmige wie auch harmonische Verbindung ein und geht fürsorglich als auch mit Freude auf deren Wünsche ein. Ja! Ich bin sehr gerne Gast und Mensch hier im 7’ten.

 

Occhio d’Oro / „Flemings Selection Hotel Frankfurt-City / Eschenheimer Tor 2, 60318 Frankfurt / http://+49 (0) 69 989 72 85 00

Das Leben mal in Kirschrosa – Lambrusco secco

 

Der Italiener an sich zeichnet sich durch seine besondere Gastfreundschaft und Herzlichkeit aus – und das vor allem leidenschaftlich in allen Ebenen und Farben. Italiener lieben Geräusche und lieben ihren Secco, der ihnen so liebenswert das Leben neu aufmischt.

Auch mich hat er erfasst und mein Leben einfach mal in feines Kirschrosa getaucht. Das Leben ist eben auch so herrlich bunt und möchte all seine Vielfalt auf seinem Lebensbuffet in allen Lebenslagen ausbreiten. Definitiv finden wir ganz vorne am Buffet die Italiener, denn sie sind es, die das Leben, laut garniert, mit mannigfachen Geräuschen genießen. Mittendrin ein kräftig-brillantes Kirschrosa in Begleitung eines tiefgründigen Duftes mit mineralischen und blumigen Tönen, einem Hauch von roten Beeren und Pink Grapefruit. Der „Premium Lambrusco di Sorbara Vecchia Modena DOC 2024 secco“ verkörpert ganz viel Charakter, ist weiblich und dennoch scharf emanzipiert. So wie eine Italienerin, die ihre grenzenlosen Ausdrucksmöglichkeiten von Weiblichkeit zelebriert. Eine Italienerin sieht keinen Widerspruch darin, emanzipiert und so tief dekolletiert zu sein, dass man praktisch von Modena aus noch die Küste von Portofino sehen kann.

Prickelnd, frisch und feinperlend mit betont knackiger Säure … ein großer Secco, dem auch die Großen Italiens so gern und ganz viel Aufmerksamkeit schenken. Luciano Pavarotti und Lucio Dalla nach großen Konzerten und kleinen Seelenblicken. Luca di Montezemolo und seine Ferraristi nach großen Siegen und kleinen Fehlfahrten. Dieser Sekt ist, was er ist … eine feinperlige Lebenskultur und passt zu Drama, Epos und Lyrik. Ja!

Es soll auch Männer in Italien geben, die keine Gedichte schreiben, mies zeichnen, nicht singen können und nicht wissen, wie man nach Modena kommt. Und traditionell gibt es ganz häufig die Nonna im Hintergrund, die versucht, alle mit Essen zu versorgen, und der Padrone hält seine Reden zum aktuellen Tagesgeschehen. Ein wunderbares Schauspiel wahrer Lebensfreude, an dem man gerne teilhat. Und so gerne „Lambrusco di Sorbara secco“ genießt, fast ehrwürdig.
Ehrwürdig auch das Weingut Cleto Chiarli, südlich von Modena, eingefasst von großen Weingartenlandschaften. Hier wirkt und kreiert Anselmo Chiarli eine faszinierende Vielfalt von Spitzensekten aus den verschiedenen Klonen des Lambrusco. Definitiv, der Vecchia Modena ist ein Statement im Gegensatz zum meist zurückhaltenden Prosecco.
Beim Spaziergang durch den Weinkeller und durch die Reihen von Stahltanks streift immer wieder der intensive Duft nach roten Früchten meine Nase.

Längst im Nirwana der Vergangenheit sind meine Erinnerungen an die legendären Korbflaschen des Lambruscos. Heute geht es viel moderner und eleganter zu, denn heute sorgen moderne Stahltanks und gekühlte Gärung für ein facettenreicheres Produkt als noch vor etlichen Jahrzehnten. Klar … auch in Italien wird die Tradition zurechtgestutzt.

Die Südpfalz bietet beste Lagen für hochwertige Weine

Schlaue wie auch kultivierte Weintrinker haben es längst erkannt: kein Wein ist wie der andere. Bereits die Farben der Weine sind unterschiedlich. Die offensichtlichen Unterscheidungen in Weiß-, Rot- und Roséweine wurden mit Zwischentönen bereichert. Und dann kommt die kunterbunte Vielfalt der Aromen dazu. Kein Wunder, dass Laien schnell den Überblick verlieren.

Gute Weinqualität entsteht definitiv im Weinberg und nicht im Labor oder in Industrietanks. Letztlich ist es die feine, aufmerksame und sensible Handarbeit,, die bereits im Weinberg für die Qualität von Wein verantwortlich ist. Verarbeiten die Winzer unreife oder erkrankte Trauben und füllen diese noch in ungereinigte Behälter, wird mit großer Wahrscheinlichkeit der Wein nicht seinen vollen Geschmack entfalten bzw. leicht oxidativ schmecken.

Daher bildet die Arbeit im Weinberg die wichtige Basis für beste Weine. Aber auch das Anbaugebiet trägt Verantwortung. So benötigen beispielsweise Trauben für den Reifungsprozess viel Sonne. In der Regel sind es mindestens 1200 Sonnenstunden pro Jahr. Genauso wichtig wie die Sonneneinstrahlung ist der Regen. Der Jahresdurchschnitt für die Niederschlagsmenge sollte sich in einer potenziellen Anbauregion auf mindestens 600 Millimeter belaufen. Erst unter diesen klimatischen Bedingungen erhalten die Trauben die erforderliche Menge an Flüssigkeit.

Weinstöcke sind zwar relativ frostresistent. Doch bei Temperaturen unter 20 Grad Celsius drohen die sensiblen Rebstöcke zu erfrieren. Auch dürfen die Temperaturen nicht zu warm sein, da sich der Zuckergehalt der Trauben zu sehr steigert. Diese Tatsache könnte zu einem übermäßig hohen Alkoholanteil im Wein führen. 

Obwohl es einige geografische Besonderheiten gibt, welche die Auswahl der Rebsorten eindämmen, entscheidet jeder Winzer selbst für den Anbau und Ort bestimmter Weinsorten. Da einige Rebsorten nicht gut auf flachen Ebenen gedeihen, müssen spezielle Weinsorten an Hängen angebaut werden. Für Hanglagen sind viele Weinsorten gut geeignet, aber einige bevorzugen diese spezifische Umgebung. Riesling, besonders in Steillagen, ist bekannt für seine filigrane Mineralität und feine Säure. Auch andere weiße Sorten wie Silvaner und Burgunder (Grauburgunder, Weißburgunder) sowie Rotweinsorten können in Hanglagen sehr gute Ergebnisse erzielen. 

Stimmen die geografische Position und Wahl der Rebsorte überein, ist eine wichtige Basis für den Anbau guter Weine geschaffen. Ergänzend wird die Weinqualität jedoch auch durch die Weinlese beeinflusst. Die beste Erntezeit für Weintrauben ist entweder der Spätsommer oder Spätherbst.

Generell gilt: je reifer eine Traube ist, umso mehr Zucker enthält sie.

Damit geht bei Weintrauben ein höherer Alkoholgehalt einher. Während der Weinlese müssen die Winzer akribisch darauf achten, dass ausschließlich die Weintrauben geerntet werden, die besonders gut für die Weinqualität geeignet sind. Bei einigen Weinsorten ist es unerlässlich, dass die Trauben etwas länger nachreifen. Durch eine maschinelle Weinlese sparen sich Winzer zwar viel Zeit. Allerdings ist es bei dieser Vorgehensweise nicht möglich, zwischen reifen und unreifen Trauben zu unterscheiden. In diesem Fall ist eine Nachlese per Hand notwendig, um qualitativ hochwertige von anderen Trauben zu trennen. Schließlich gibt es bislang noch keine andere Methode, um beschädigte bzw. schlechte Trauben auszusortieren.

„Der Wein ist die edelste Verkörperung des Naturgeistes“

so Friedrich Hebbel, 1813-1863

Das große Dings mit dem Rebschnitt

Kaum hat der Januar mit seiner grauen Tristesse losgelassen, schickt der Februar mit all seiner Kraft die Sonne in die herrlichen Weinbergs- und Waldlandschaften der Südpfalz.

Die Reben gieren nach Sonne und strecken sich ihr nun entgegen. Der Winterschlaf ist vorbei und hier und da fallen sie auf … die Winzer mit ihren Scheren. Etwas später, aber unbedingt auch gesünder als üblich. Der Rebschnitt erfolgt dann, wenn die Rebstöcke in der winterlichen Ruhephase zwischen November und März sind. Je später er durchgeführt wird, desto besser ist es für die Pflanzen. Mittlerweile haben viele Winzer begriffen, dass eine Rebe eine besondere Pflanze ist und viel Aufmerksamkeit wie auch Achtsamkeit benötigt. Um die Folgen radikaler Eingriffe zu vermeiden, schneiden die Winzer seit einigen Jahren nach der Methode des sogenannten sanften Rebschnitts.
Früher etwas stiefmütterlich behandelt, kommt dem Rebschnitt heute zunehmende Bedeutung zu. Das erfordert jedoch auch ein Drittel mehr Zeit und viel Konzentration. Beim sanften Rebschnitt darf die Säge pausieren, denn nun ist die Handschere das Maß der Vernunft und das Werkzeug der Achtsamkeit.

Anders als beispielsweise Obstbäume ist die Rebe nicht in der Lage, großflächige Schnittwunden zu verschließen. Daher gilt es, solche rabiaten Verletzungen zu vermeiden. Zudem kommt es, beginnend von der Schnittstelle, zum Vertrocknen der Leitungsbahnen und wichtige Mineralstoffe finden nicht mehr den Weg in die Beeren. Schadsymptome sind oft erst nach mehreren Jahren sichtbar. Da die Reben aufgrund des Klimawandels zunehmend Stresssituationen ausgesetzt sind, ist es den intelligenten Winzern wichtig, die Leitungsbahnen in den Rebstämmen möglichst intakt zu halten. Nur so bleiben die Rebstöcke langfristig gesund.

Bei der neuen Schnitttechnik achtet man darauf, dass möglichst wenige Wunden entstehen. Holzzerstörende Pilze bekommen dadurch weniger Angriffsfläche. Wichtige Gründe für den Schnitt von Weinreben sind gute Belüftung und Belichtung im Stock. Dadurch wird die Krankheitsanfälligkeit des Stocks verringert und die Qualität der Früchte erhöht. Je weniger der Rebstock verletzt wird, desto ungehinderter ist zudem die Versorgung der Triebe und Trauben. Der Rückfluss von Nährstoffen in Richtung Stamm als Energiespeicher für das kommende Jahr wird ebenfalls gefördert.

Manchmal bin ich auch sehr verwundert über jene Wanderer, welche zum Hirsche mutieren, gern durch Rebflächen toben und dabei wertvolle Reben schädigen.

Eine gesunde Weinrebe, die viele schmackhafte Trauben trägt, benötigt Ruhe und auch einen regelmäßigen Schnitt.

Das Dings mit dem alkoholfreien Wein

Manchmal steht sich die Politik in Sachen Wein ganz schön schmerzhaft auf den Füßen.

Ein alkoholfreier Wein darf nicht mit den typischen Verkaufsargumenten „Region“ (z. B. Pfalz) noch mit der Berufsbezeichnung Winzer vermarktet werden. Auch wenn die Trauben zu 100 Prozent aus einer Region stammen, darf die Region nicht auf das Etikett. Nach meiner Meinung ist hier eine dringende Änderung vonnöten. Die sollte unbedingt nachvollziehbar sein.

Da der entscheidende Prozess der Entalkoholisierung in der Regel nicht im Weingut stattfindet, darf das Weingut nur unter der Bezeichnung „Vertrieb“ auf der Flasche genannt werden. Bedingt der hohen Anschaffungskosten solcher Entalkoholisierungsgeräte liefert der Winzer den Wein an größere Kellereien, in welchen der Wein entalkoholisiert wird.

Definitiv wäre es sinnig, dass die Bezeichnung „Winzer“ auch für alkoholfreie Weine genutzt werden darf, deren Grundweine in einem Weingut gekeltert wurden, denn letztlich liegen in dem Wein die Leidenschaft und auch der Sinn des Winzers. Nur mit einem guten Grundwein kann auch ein geschmackvoller, alkoholfreier Wein entstehen.

Weiter verschärft werden diese Vorgaben durch das Verbot des Anreicherns von Weinen für die Herstellung von alkoholfreien Produkten. Das macht technisch Sinn, da sich durch die Anreicherung der Alkoholgehalt erhöht, der im zweiten Schritt wieder entfernt wird. Auch wurde in den letzten Jahren deutlich, dass die wirtschaftliche Auswirkung dieser Regelung dramatisch sein kann, denn viele Winzer wissen kurz nach der Lese noch nicht, ob sie ihren Wein (mit Alkohol) auch vollständig verkauft bekommen. Falls nicht, ist es leider unmöglich, den Wein zu entalkoholisierten Produkten weiterzuverarbeiten und zu einem angemessenen Preis zu verkaufen. Dieser Wein wird dann entweder unter Marktwert verkauft oder schlimmstenfalls sogar vernichtet.

Nicht zuletzt ist bei alkoholfreien Weinen die Produktbezeichnung BIO derzeit nicht möglich, obgleich die Grundweine aus biologisch angebauten Trauben hergestellt wurden. Das Verfahren der Entalkoholisierung – Vakuumdestillation – ist zurzeit nicht im Bereich Bio zugelassen bzw. in der Verordnung verankert. Dieses Versäumnis lässt eine große Zielgruppe außer Acht, die Wert auf Bio-Produkte legt und durchaus bereit ist, dafür mehr Geld auszugeben. Die Kombination aus alkoholfreien, veganen und biologischen Erzeugnissen spricht Konsumenten, die Wert auf Achtsamkeit, Gesundheitsbewusstsein und Nachhaltigkeit legen, besonders an. Zumindest für die Vermarktung von entalkoholisierten Weinen und dem „BIO“-Label gibt es aktuell von Seiten des Gesetzgebers Bemühungen, dies in den entsprechenden Verordnungen zu verankern und somit die Bezeichnung zu ermöglichen. 

Übrigens! Alkoholfreie Weine können auf verschiedenste Art und Weise hergestellt werden. Ein bewährtes Verfahren setzt auf die schonende Entalkoholisierung durch Vakuumdestillation. Hier wird den selektierten Ausgangsweinen so bis auf einen maximalen Restalkoholgehalt von 0,3% der Alkohol entzogen. Das Vakuum hat den Vorteil, dass der Alkohol bereits bei einer Temperatur von 30°C entweicht. 

Direkt im Anschluss folgt die Aromarückgewinnung, um die natürlichen Weinaromen aufzufangen. So bleiben der sortentypische Charakter und die Stilistik der Weine erhalten. Ideal ist es, dass dabei vollständig auf künstliche Aromen oder Farbstoffe verzichtet wird. Letztlich werden die Weine lediglich mit einer kleinen Zugabe von natürlichem Zucker. Dies ist notwendig, um den durch den Alkoholentzug verlorenen Körper sowie die Süße wieder auszugleichen und eine ideale Balance herzustellen.

Da dieser Aufwand viel Zeit und Ressourcen beansprucht, ist alkoholfreier Wein meist teurer.