Der Preis für ein Stück mehr Lebensgenuss. Was kostet Wein?

Die letzten Trauben sind längst gelesen und bereits im wohligen Hefebett angekommen. Leichter Oktobernebel macht sich in den Gassen breit und trübt ein wenig so manche Stimmung ein. Es ist auch eine gute Zeit zum Innehalten, Gedanken fangen, Ideen gestalten und über das Vergangene wie auch über die Zukunft nachzudenken.

Nachdenken auch über die auffällige Bandbreite bei den Weinpreisen, denn erst kürzlich lag beim Discounter in meiner Hand ein 2017er Sauvignon Blanc aus Freinsheim. 2,99 Euro für 0,75 Liter. Die Lage ist mir gut bekannt. Folglich wurden die Augen groß, die Nase gierig und die ersten Sinnesfalten auf meiner Stirn traten deutlich zum Vorschein. Warum ist dieser Wein für 2,99 Euro zu haben, während ein anderer aus demselben Anbaugebiet und derselben Traubensorte ein Vielfaches kostet?

Um dies zu verstehen möchte ich ein paar Fakten auf den „Tisch“ packen: Um einen sehr günstigen Wein zu erzeugen, müssen die Produktionskosten pro Liter so niedrig wie nur möglich liegen. Das bedeutet günstige Zukäufe von Fassweinproduzenten im In- wie auch im Ausland oder flache Weinberge, in denen die Bewirtschaftung, wie der Rebschnitt, Weinbergspflege wie auch die Lese vollständig mechanisiert werden. In diesem Fall kommt man mit etwa 200 Arbeitsstunden pro Hektar und Jahr aus. Ein Ertrag von rund 10 000 Litern pro Hektar und Jahr erlaubt gerade noch einen trinkbaren Wein. Bei Fassweinpreisen von etwa 80 Cent pro Liter ist es durchaus möglich, Geld zu verdienen. Jedoch um seinen gesamten Lebensunterhalt damit zu bestreiten, braucht man eine beachtliche Rebfläche und muss alles gut im Griff haben. So entstehen die billigen Weine im Supermarkt-und Discounter-Regal.

Hingegen müssen Weinmacher von sehr charaktervoll-hochwertigen Weinen nicht nur über entsprechendes Wissen verfügen, reichlich Erfahrung und eine sensible Nase mitbringen, sondern auch sehr viel Handarbeit investieren, um ihr Ziel zu erreichen.
Bereits die selektive und ertragsreduzierte Weinlese per Hand kann hier über 200 Arbeitsstunden pro Hektar beanspruchen und die gesamte Bewirtschaftung auch über 1000 Arbeitsstunden pro Hektar und Jahr hinausgehen. Bei Bioweinen setzen Weinmacher auf meist teurere natürliche Hilfsmittel und verzichten gänzlich auf Chemie. Auch im Keller ist sensible Handarbeit gefordert. Hier verbannen Winzer Stabilisierungs- und Schönungsmittelchen und verbringen den Tag gern im Keller, denn hochwertige wie auch natürliche Weine benötigen wesentlich mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung, damit ihre Eleganz auch auf großen Bühnen gewinnt.

All dieser Aufwand ist ganz sicher nicht zum Mindestlohn verfügbar. Und somit wird ganz schnell klar, dass Weine mit ganz viel Lebenskultur entsprechend teurer sind als das im Discounter Angebotene.

Ja klar werden nun die Fragen aufkommen, wie günstig darf ein gut schmeckender Wein mit echtem Charakter sein. Bei vielen Weingütern in der Pfalz und insbesondere in der Region Freinsheim lassen sich solch gehobene Qualitäten häufig bereits ab 7,90 Euro finden. Für mich ist dies ein günstiger Einstieg in ein Stück mehr Lebensgenuss.

Meine Empfehlungen: Der 2019 Sauvignon Blanc der Gebrüder Rings aus Freinsheim für 12,00 Euro ist definitiv ein großer Wein. In der Nase begeistert eine schöne Kombination aus frischen grünen Aromen und leichter Exotik. Stachelbeeren, Cassis faszinierend gepaart mit etwas Pfeffer, ein Hauch Paprika, Hibiskus und Holunder. Am Gaumen rassig, mineralisch, zupackende Art, viel Frucht, zarte Würze.

Der 2019 Sauvignon Blanc vom Weingut Metzger aus Grünstadt für 8,90 Euro überzeugt die Nase mit zarten Aromen von Holunderblüte und reifen Stachelbeeren gepaart mit schwarzer Johannisbeere und Pfirsich. Am Gaumen setzt sich dieses erfrischende Ereignis fort. Eine klare Struktur und die opulente Fruchtigkeit überzeugen im Nachhall.

Der Sauvignon Blanc Tradition trocken 2019 von Philipp Kuhn aus Laumersheim duftet herrlich verführerisch nach Stachelbeere, frischer Minze, Zitronengras und weiteren tropischen Früchten. Auch am Gaumen gefällt er. Saftig, würzig, ein Spiegel der Nase mit mineralischem Tiefgang, Feuerstein und würzig-feurigem Nachhall. Der Preis liegt bei 10,50 Euro.

Und auch der Sauvignon Blanc  trocken 2019 vom Biowinzer Gerhard Schwarztrauber offenbart eine schöne Duftnote nach reifen, grünen Früchten wie auch exotische Früchte, darunter Stachelbeere und Kiwi und Zitronengras. Die rebsortentypische, anregende Fruchtsäure und der straffe Körper machen diesen Ortswein zum echten Hochgenuss, zu einem lebenswerten Preis von 8,90 Euro.

Grundsätzlich sollte beim Lebensgenuss Wein nicht gespart werden, denn hier sorgt Geiz ganz schnell für lebensfremde Kopfschmerzen. Zum Wohl!

https://www.weinversand-fehser.de

https://www.schwarztrauber.com

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