Das Leininger Land und seine großartigen Sekte

Kurz bevor dieses doch recht unruhige Jahr seine schweren Tore schließt, sollten wir es leicht und unbedingt prickelnd mit besten Sekten aus dem Leininger Land verabschieden.

Die Region Leininger Land im Nordosten der Pfalz tickt anders. Wer die Autobahn bei Grünstadt oder Bad Dürkheim verlässt, um einzutauchen in die prächtigen Weinbergslandschaften, dem bleiben bereits nach wenigen Kilometern die Sorgen am Gartentor der Pfalz hängen und der findet ganz rasch eine unbekannte Ruhe. Als habe die Uhr die Handbremse gezogen. Eine sonnenvergnügte Region ohne Eile und mit ganz viel Genussseele. Weite Reblandschaften, hohe Wälder, beschauliche Ortschaften, die sich ganz viel Liebesmüh geben, weiterhin in zarter Romantik zu glänzen. Die Pfalz ist das Land, das uns immer wieder eine Herzlichkeit einhaucht, die uns hektischen Stadtmenschen häufig abhandenkommt. Hier ist Entschleunigung kein Modebegriff. Nein: Die Pfalz und besonders gern das Leininger Land sind spürbar heimelig und lassen uns wieder unsere Seele gelassen auf die Unruhen dieser Welt blicken.

Beeindruckend und sichtbar sind noch heute die Fundamente der zahlreichen Fürsten Leiningen. Im 12. Jahrhundert entstand die Burg Altleiningen durch Emich II. 1237 folgte durch Friedrich II. die Hardenburg.   1237 gründete Emich IV. Landau in der Pfalz und baute die Burg Neuleiningen. Der dritte Fürst zu Leiningen, Karl Friedrich Wilhelm Emich zu Leiningen (1804–1856), wurde königlich der erste Ministerpräsident der zur Frankfurter Nationalversammlung gehörenden Reichsregierung der Provisorischen Zentralgewalt und erster Vorsitzender des Mainzer Adelsvereins und besonders wichtig … er war ein genialer Botschafter der Weine aus der Region Leininger Land. Ob in Mainz, in Frankfurt oder in Paris … Karl Friedrich hatte immer ein paar Kistchen im Reisegepäck und verschenkte die Weine nicht nur großzügig, sondern ließ Riesling sowie Müller-Thurgau bei einer Vielzahl von Feiern und Empfängen verkosten. Noch heute findet man die Weine der Region Leininger Land bei spezialisierten Weinhandlungen (Cavisten) in Paris. Besonders Riesling, Spätburgunder oder Gewürztraminer sind hier en vogue.

Für mich darf es besonders das kreative Leininger Dreierlei sein. Nicht nur beim Wein … auch in Sachen Sekt überzeugen … ja, begeistern die Weingüter Gaul in Sausenheim, das Gut Obercarlenbach in Kleinkarlbach und der Weinkreateur Thomas Pahlke in Battenberg.

Ohnehin ist Kreativität im Leininger Land angesagt. Was früher das Haus Leiningen mit Bravour gestaltete, gelingt den beiden Architekten Anja und Christian Hennecke faszinierend gut. So wurde mit viel Geschick und Weitblick eine historische Weinstube in der Innenstadt von Grünstadt zur Kreativschmiede für Architektur. Darüber entstand eine Ferienwohnung im schicken Design und angrenzend die Eckbar, eine neue wie auch sehr spannende Wein- und Genussbar mit feinen Weinen der Region und auch darüber hinaus. Im Mittelpunkt natürlich das geniale Leininger Dreierlei.

Anja und Christian Hennecke waren für mich liebenswerte Inspiratoren. Beide sind in der Region sehr angenehm eingewebt und setzen Akzente. Besonders ihre Ferienhäuser im auffallend modernen Design in Altleiningen fallen auf und stehen dem historischen Ort gut zu Gesicht. Auch im dortigen Weinschrank gefallen die Weine und unbedingt auch Sekte von den Schwestern Karoline und Dorothee Gaul, Thomas Hahn sowie Annette und Bernd Meckel vom Gut Obercarlenbach.

Meine prickelnden Begegnungen, welche ich zu den besten der Pfalz zähle, werden vom Grand Carlo Sekt Rosé brut vom Gut Obercarlenbach, dem Riesling-Sekt Pinot brut vom Weingut Gaul sowie dem Sekt Pinot brut von Thomas Hahn-Pahlke reichlich erfüllt. Es sind definitiv die Besten aus dieser Region. Zudem sind alle drei Weingüter herzliche Gastgeber, die es zu entdecken lohnt.

Also …

Grand Carlo Sekt Rosé brut vom Weingut Obercarlenbach.

Im Glas begegnen mir mit Blick auf das herrliche Leiningertal der Grand Carlo Sekt Rosé vom Gut Obercarlenbach. Ein St. Laurent und Pinot als Grundweine und seine Ruhezeit von 24 Monaten auf der Champagnerhefe verleihen diesem herrlichen Tropfen die Eleganz, die Farbe und ein herrliches Mousseux (Schäumen) einen prächtigen Auftritt im Glas. In der Nase begegnen sich Himbeere und Vanille und eine Nuance Holz. Am Gaumen gesellt sich etwas Heidelbeere dazu. Die fruchtige Frische und gleichzeitig auch ein feiner Schmelz überzeugen.

Für Familie Meckel ist das bewusste Wirken in und auch mit der Natur ein achtsames Zusammenspiel, das ihnen viel Lebensfreude in ihr Wirken bringt. Das Arbeiten in der freien Natur, die Vegetation der Reben zu erleben, schließlich die Früchte der Arbeit zu ernten und die Trauben zu Wein werden zu lassen, das erfüllt ungemein.

Gut Obercarlenbach / 67271 Kleinkarlbach / www.obercarlenbach.de

Pinot-Brut-Sekt vom Weingut Karl-Heinz Gaul

Wie bereits vorab erwähnt, empfehle ich unbedingt den Einkauf direkt auf dem Weingut. Besonders bei Karoline und Dorothee Gaul lässt sich eine volle Portion Umdrehungen spüren. Leidenschaft und Passion, angereichert mit herzlicher Gastfreundschaft und Liebe zum Wein, nehmen gefangen und lassen doch so herrlich in einer prächtigen, architektonischen Überraschung verweilen. Auch ihre Sekte sind glanzvoll in Szene gesetzt und machen das Leben so schön lebenswert.

Die Böden ihrer Weinberge sind geprägt von tertiärem Kalkstein, was den Weinen filigrane Frucht, feine Mineralität und kühle Eleganz verleiht und eine schöne Portion Charakter ins Glas zaubert.

Im Glas überrascht dieser Sekt mit einem herrlichen Glanz und reichlich Mousseux. Fast einem Champagner gefällt seine bemerkenswerte aromatische Länge und eine außerordentlich feine Perlage. Der Gaumen wird mit einem Schmelz und Nuancen von Erdbeere und Waldbeere tapeziert. Die saftig charmante Frucht und die belebende Kohlensäure, die wunderbar in seinen saftigen Charakter eingebunden ist, bereichern all unsere Sinne.

Mit diesem von verführerischen reifen Fruchtaromen geprägten Spitzensekt von Eleganz, Komplexität und geschmeidiger Textur setzen die Geschwister Gaul ein schönes Zeichen.

Weingut Karl-Heinz Gaul / 67269 Grünstadt-Sausenheim / www.weingut-gaul.de

Pinot-Blanc-Sekt brut Nature vom Weingut Hahn -Pahlke

20 Monate Hefelager taten diesem Sekt sehr gut. Bereits im Glas gefällt er mit einem sehr schönen Mousseux und einem schimmernden Glanz. Die Nase wird erfasst von zarten Anklängen von Beeren & Brioche. Am Gaumen sehr harmonisch, cremig mit weicher Textur und einer feinen Perlage im Champagnerstil. Mit Luft gesellen sich Anklänge von Brioche, getrockneten Blüten und ein zarter Anflug von roten Waldbeeren hinzu. Ein Sekt mit Rückgrat und Tiefgang, so wie sein Macher.

Das Lesegut für seine Sekte wird von Thomas Hahn nach sensibel-ökologischer Methode ausschließlich von Hand gelesen und gelangt, ohne unnötige Umwege, in die von Historie geprägten Keller. Hier im Keller wird die Ernte sehr fürsorglich ohne großen Einsatz moderner Technik behandelt. Schließlich geht es Thomas Pahlke darum, zu erhalten, was ohnehin schon im Wein steckt. Im Weinberg liegen die Wahrheit und der Charakter der Weine. Was aus dem Boden kommt, entwickelt sich mit dem Wein und macht ihn immer besser.

Weingut Hahn Pahlke / 67271 Battenberg / www.weingut-hahnpahlke.de

Die Geschichten über die Fürsten Leiningen und auch die Weine dieser Region haben mich so faszinierend eingenommen, dass ich es Karl Friedrich zu Leiningen gleich tue und aus meinem Reisepäck beste Weine und Sekte nach Düsseldorf und Köln trage. Gern bin ich Genussbotschafter für die sehr schöne Reise- und Weinregion Leininger Land.

 

 

Lasst uns das Jahr so beenden, wie wir es verdient haben, und das Neue beginnen, wie wir es uns wünschen. Farbe, Genuss und die Perlen sollen stimmen.

„Sekt-taktisch und perlen-glücklich“ durch die besinnlichen Tage

   Die besten Sekt-Empfehlungen für kluge Genießer

Ob barfuß im Schnee oder mit dicken Stiefeln auf einer blühenden Sommerwiese, ob zu Hause in der Badewanne oder vorm Kamin, gern beim Liebesblick in das zweite Augenpaar und besonders gern nach einer siegreichen Lebensetappe: Wenn es besondere Momente gibt, dann ist mittlerweile Sekt der Charmeur, der unsere Sinne bereichert und dem Ereignis den richtigen Touch gibt. Und ganz sicher lässt sich mit einem erfrischend-perlenden Winzersekt ein ach so anstrengender Alltag verabschieden und unsere Sinne in neue, harmonische Bahnen lenken.

Mal ehrlich: Ich glaube nicht, dass wir bescheiden geworden sind. Wir haben einfach verstanden, dass gute Sekte von deutschen Sektkreateuren den Champagner verdrängt haben, und es ist unseren Sektmachern gelungen, den Franzosen zu zeigen, wie Revolution wirklich funktioniert.

Typisch deutsch ist es sicherlich auch, dass wir so gern und ach so ausschweifend über Dinge und Momente diskutieren und fachsimpeln. Über die Welt im Allgemeinen und über Sekt oder Selters im Besonderen, über Perlen und Dosage, die unterschiedlichen Methoden, Kniffe und Tricks. Ja klar: Wie soll er sein und was ist der große Sekt für ganz viel Genussglücklichkeit? Und natürlich die metaphertheoretische Kardinalfrage: Worauf sollte man beim Sektkauf achten? Grundsätzlich sollte man doch Leib und Leben etwas Gutes tun, damit die Seele Lust hat, darin ihr Bettchen zu bereiten. Und ganz sicher sind hierfür Weichei-Sekten ganz weit weg von „gut“.

Es mag überkandidelt klingen, wenn man noch eines draufsetzt und sagt, dass es kein Sekt von der Billigsorte sein darf, sondern einer mit Pracht und Eleganz.

Bei all den schönen Möglichkeiten und Genusschancen habe ich mich für das gesunde wie auch glückselige Mittelmaß bei besten Qualitäten Pfälzer Weinkreateure entschieden. Es liegt bei 11,00 bis 17,00 Euro. Für diesen Preis bekommt man – wie folgt bewiesen – bereits feinste wie auch aufwändige Handarbeit, welche meist auch nach der Méthode traditionnelle oder Méthode champenoise, der klassischen Gärung in der Flasche, erfolgt. Die Gärung des Sektgrundweines erfolgt im Holzfass oder auch im Tank. Der zweite Gärungsprozess erfolgt dann in der Flasche. Hier wird der Grundwein mit „Liqueur de Tirage“ aus Zucker und Hefe bereichert. Weil nun besondere und hochwertige Sekte einen langen Reifeprozess benötigen, werden die Flaschen für mindestens 12 Monate, mitunter mehrere Jahre, gelagert. Je länger das Hefelager, umso authentischer der Rebsortencharakter. Der Gaumen wird bereichert von edler Würze, zartem Schmelz und einem feinen Prickeln, das durch die Kohlensäure aus der Gärung entsteht.

Bei den Sekten, die nun vor meinem Gaumen stramm wie auch schäumend Parade stehen, sind 24 Monate Hefelager keine Seltenheit. Einige Sektkreateure vertrauen auf die große Kunst ihres Handwerks und lassen den Grundwein 4 bis 6 Jahre auf der Hefe.

Bevor ich einige Top-Sekte empfehle, vorab noch eine kleine Einführung in die große Sektkultur.

Ein intensiver Geschmack wie auch ein opulentes Bukett werden letztlich über den längeren Kontakt mit dem „Liqueur de Tirage“ erreicht. Beim abschließenden Degorgieren – eine alte Bezeichnung für Enthefen – wird der entstandene Hefepfropfen entfernt, ohne dass der Sekt die Flasche verlässt. Man unterscheidet zwischen Kalt- und Warmdegorgieren. Beim Kaltdegorgieren wird die abgerüttelte Hefe im Flaschenhals eingefroren, indem die Flaschen kopfüber in ein Eisbad gesteckt werden. Anschließend kann die Flasche zum Öffnen umgedreht werden, ohne dass das Hefedepot den Sekt wieder eintrübt. Beim Öffnen des Kronkorkens wird der Hefe-Eis-Pfropfen durch den Gasinnendruck herausgeschleudert. Die Technik bietet mittlerweile vollautomatisierte Lösungen mit hohen Stundenleistungen an. Da beim Degorgieren immer auch ein wenig Schaumwein verloren geht, wird die Flasche mit der Dosage (franz.: liqueur d’expédition) wieder aufgefüllt. Mit dieser kann zugleich der Süßegrad des Schaumweines bestimmt werden.

Die Dosage besteht aus einem Gemisch aus Wein und Zuckersirup. Verzichtet wird auf die Dosage bei sogenannten Zero-Dosage, pas dosé und brut nature, die dann einen Restzuckeranteil von weniger als 3 g/l aufweisen.

Beim Warmdegorgieren (frz. dégorgement à la volée) wird das Hefedepot nicht eingefroren, die Flasche muss kopfüber geöffnet werden: Geschick und Schnelligkeit ermöglichen das manuelle Warmdegorgieren.

Bei einigen Weingütern werden die Flaschen auf Rüttelpulte – heute meist mechanisch – gebracht und in einem komplizierten Verfahren über Wochen gedreht und in immer steilere Winkel gebracht, bis letztlich die Flaschen auf dem Kopf stehen. Beim Rütteln setzen sich die Trübstoffe ab und der Sekt bekommt seinen kristallklaren Glanz. Und zum großen Finale bekommt der Sekt seine Dossage: ein Likör aus reifen edelsüßen Rieslingen oder fruchtigem Burgunder.

Und nun meine ganz besondere Empfehlung bester Sekte aus kreativ-pfälzer Hand:

Chef de Cave – Rosé Brut / Weingut Frank Kayser

Dieser Sekt gefällt bereits im Glas mit seinem fein-rosa Farbton, seinen tanzenden Bläschen und seinen eleganten Aromen von Erdbeeren und Rosenblättern. Frank Kayser versteht die Kunst für beste Sekte, welche sich gern elegant auf den großen Bühnen präsentieren und so manchen Champagner nonchalant verdrängen.  Ein Sekt, hergestellt in traditioneller Flaschengärung (Champagner-Methode) aus den Rebsorten Spätburgunder, Weißburgunder und Grauburgunder. Degorgiert wurde er nach 2 Jahren in der Flasche, um ihn weich werden zu lassen, damit er auch mit geringer Dosage auskommt und zu begeistern weiß. Auch die Aromatik überzeugt. Zarte Erdbeeraromen, eine Nuance Rosenblätter dazu, seine feine Perlage, die den Gaumen sehr weich umschmeichelt.

Sina und Frank Kayser sind liebenswerte Gastgeber mit verdammt viel Herz und Lebensfreude. Sie gestalten nicht nur ihr historisches Hofgut von 1575, sondern auch exzellente Bio-Weine, Schaum- und Perlwein aus traditionellen Rebsorten im Einklang mit der Natur.

Weingut Kayser / Rhodt unter Rietburg / www.kayser-wein.de

Pinot Rose´ brut / Weingut Peter Seelos

Der Peter hat einfach Glück. Beide Töchter wurden vom Weinfieber erfasst und gestalten nun mit viel Leidenschaft besondere Weine wie auch Sekte. Mit viel Geduld und Feingefühl gestaltet Rebecca Seelos hochwertigen Sekt. Ein besonderes Ereignis ist der St. Laurent Rosé, welcher 24 Monate Hefelager genoss und anschließend in kleinen Chargen degorgiert wurde. Somit bekommt der Sekt seine Zeit zur Entwicklung auf der Hefe und gewinnt eine besonders elegante Cremigkeit, ohne an Frische zu verlieren. Chapeau! Ein wahrlich hochfein-reinrassiger Rosé-Sekt mit ganz viel Lust und Laune auf mehr. Und allzu natürlich kommt er vornehm-elegant dank seiner feinen Würze daher und berauscht geradezu mit seiner fruchtigsüßen, herrlich duftenden Aromatik von saftigen Erdbeeren und hellen Beeren. Seine feine Perlage und schöne Säure machen diesen Sekt zu einem Genuss. Rebecca Seelos – jung, lebendig und sehr kreativ – gelingt es, im Zusammenspiel mit ihrem Vater prächtige Weine mit verdichteter Mineralität zu kreieren, ohne die Bodenhaftung zu verlieren.

Weingut Seelos / Rhodt unter Rietburg  / www.weingut Seelos.de

Sekt Pinot Meunier Rosé brut / Weingut Bernhard Koch

Bernhard und sein Sohn Alexander gestalten ihren Sekt in feinster wie auch aufwändiger Handarbeit, welche nach der Methode „traditionelle“ oder „„Méthode champenoise“ der klassischen Gärung in der Flasche erfolgt. Die Gärung des Sektgrundweines erfolgt im Holzfass oder auch im Tank. Der zweite Gärungsprozess erfolgt dann in der Flasche. So soll es eben sein und so lässt sich der fein perlende Rosé genießen. Die intensive Rosé-Farbe, die leicht ins Pinke geht, kitzelt die Nase mit einer feinen Hefenote, welche eine wunderbare rotbeerige Aromatik mit einem zarten Touch an getrockneten Cranberries und Himbeeren erkennen lässt.

Bernhard Koch sammelte auf vielen Auslandsreisen in Weinanbaugebieten wertvolle Erfahrungen. Seit einer Reise in die Champagne 1982 gilt eine seiner Leidenschaften dem Sektmachen – und daraus eben entstand das langfristige, große Engagement für Sekte. Ohnehin sind die Kochs für verdammt verblüffende Qualitäten bekannt. So überzeugen sie insbesondere mit Weinen der Réserve- und Grand-Réserve-Linie.

Spätburgunder Rosé extra brut / Weingut Bergdolt

Wer sich gern den „Großen Sekten“ hingibt sollte unbedingt auch bei Carolin Bergdolt in der ehemaligen Kloster Dependance St. Lamprecht in Duttweiler einen Stopp einlegen. Caro kreiert mit ihrem Vater Rainer eine prächtige Palette von außergewöhnlichen Sekten.

Der Spätburgunder Rosé extra brut durfte sich 34 Monate auf dem Hefelager ausruhen, bevor er degorgiert wurde. Im Glas gefällt sein Schimmern in zart-rosa. Die Nase wird bereichert mit einer kräftigen Note roter Beerenfrüchte, gepaart mit Himbeere. Im Gaumen folgt ein leicht cremiger Touch von Brioche. Eine vorzügliche Ansprache für all meine Sinne. Heiter und transparent im Aroma, trocken aber dennoch fruchtbetont im Geschmack. Gut integriertes Mousseux. Ganz feine, harmonische Säureadern unterstreichen den jugendlich-frischen Charme. 30 Monate Hefelager geben dem Sekt eine feine Perlage. Für Caro Bergdolt, die mit ihren Sekten in jedem Jahr große Preise einfängt, darf es gern noch einige Monate mehr sein. So sind sie eben, die Sektkünstler im Weingut Bergdolt Klostergut St. Lamprecht.

Weingut Bergdolt Klostergut St. Lamprecht / www.weingut-bergdolt.de

Lasst uns das Jahr so beenden, wie wir es verdient haben, und das Neue beginnen, wie wir es uns wünschen. Farbe, Genuss und die Perlen sollen stimmen.

Herbstgefühle brauchen unbedingt einen guten Wein

Es ist kein Ruhmesblatt für die Natur: Mit stürmischem Getöse wirft sie ihre Blätter unartig zu Boden und hüllt ihn in ein braun-gelbes Patchwork. Kleidet sich grau in grau, umgeben mit grau-weißem Tüll. An allen Ecken geht es gegen eine kalte Null, welche sich ganz gern von einem unartigen Nass begleiten lässt.  Oh je … welch eine Tristesse bietet uns der Herbst. Wenn doch mindestens die Sonne die Bühne in Szene setzen würde. Doch diese ist mal wieder auf Auszeit weit südlich.

Um all dieses grausige Schauspiel zu ertragen, benötigt es einen guten, ja besonderen Wein, welcher unsere Seele wieder wärmend aufpoliert und in Zuversicht dreht.

Also habe ich meine dicken Schuhe angezogen und habe solche Weine entdeckt.

  

Ideal für solche trübsinnige Herbsttage sind vor allem reife, aromatisch komplexe Weine, die überzeugen und mehr Körper, Wärme und Textur bieten. 

Dann darf es auch mal ein Rotwein sein, welcher ein Holzfass geküsst hat. Er soll würzig, kräftig und vollmundig daher kommen und mit viel Tiefe und Fruchtaromen von roten und schwarzen Beeren, Rosinen, Feige oder Pflaumen überzeugen. Sie schenken unserer Seele Wärme und Harmonie. Auch elegante Rotweine mit feiner Gerbstoffstruktur bereichern den Genuss und sind ein passender Partner für genussvolle Momente weit abseits der herbstlichen Tristesse.

Gerade im Holzfass ausgebaute Rotweine zeigen Tertiäraromen, d. h. durch die Reifung im Holz entstandene Aromen wie Vanille, Tabak, Nüsse oder Karamell, besonders dann, wenn sie im Barrique ausgebaut wurden. Röstaromen passen wunderbar zu dieser besonderen Jahreszeit.

Aber auch Weißweine mit Struktur und Körper passen sehr gut. Sie sollten eine cremige Textur haben und leichtes Tannin durch Holzfassreifung oder langes Hefelager. Solche Weißweine haben Aromen von Gewürzen, Nüssen, Brioche, Honig oder getrockneten Früchten.

Vom Bio-Weingut Rummel aus Landau überzeugt der 2020 Cabertin Reserve. Das wochenlange Maischelager und die 22-monatige Barriquereife taten diesem Rotwein nur Gutes. Er kommt in einem dichten Purpurrot ins Glas & im Bouquet spiegelt er ein charaktervolles Fruchtspiel von schwarzen Johannisbeeren, Pflaumenmus sowie feine Nuancen von Brombeeren, gepaart mit zarten Kaffeenancen, Röstaromen und Süßholz. Am Gaumen seidig und ausgewogen mit feiner Eleganz und einem langanhaltenden Finale.

Der Pinot Noir Mußbacher Edition Papillon vom Bio-Winzer Gerhard Schwarztauber aus Mußbach ist ein prächtiges Meisterstück. Überzeugend mit Anklängen von dunklen Waldfrüchten wie Brombeeren sowie mineralischen Noten geben sie ihm eine verspielte Finesse. Die Tannine sind wunderbar geschmeidig und gekonnt eingebunden. Die Reifezeit im neuen und gebrauchten Holzfass hat diesem festlichen Wein jede Menge Tiefe gegeben und sorgt für perfekt eingebundene, rauchige Aromen und Gewürzanklänge nach Nelken, Piment und einem Hauch Vanille.

Der in Eleganz überzeugende 2022-St.-Laurent-Réserve-Rotwein trocken vom Weingut Stern in Hochstadt wurde zu Recht mit dem Deutschen Rotweinpreis ausgezeichnet. Bereits im Glas gefällt das opulente dunkle Rubinrot. In der Nase tanzen feinsüßliche Noten von reifer Frucht. Saftig dunkle Kirschen, etwas Pflaume, bereichert mit einem Hauch von Zartbitterschokolade, was ihm eine besondere Tiefe und Finesse verleiht. Am Gaumen kompakt und noch fast jugendlich, feine Frucht, schöne und hochwertige Gerbstoffstruktur.

Der Herbst schreit nach kulinarischer Eleganz mit besonderen Weinen

Wenn ich so die Fachpresse lese, entdecke ich die allgemeine Meinung, dass Bordeaux-Weine die idealen Essensbegleiter sind, denn ihre ausgewogene Balance aus Frucht, Säure und Tannin macht sie zu vielseitigen Partnern, sowohl in der Alltagsküche als auch in der gehobenen Gastronomie. Hier gehe ich unbedingt mal in Widerspruch, denn mittlerweile gibt es ausgezeichnete Weine von deutschen Weinmachern, welche Weine aus dem Bordeaux zeigen, wo die Rebschere hängt. 

Besonders in der Pfalz fallen einige Spätburgunder mit ihrer geschmeidigen Struktur, ihrer Tiefe und reifen Früchten wie auch mit fein-erdigen Noten auf, welche jene Eleganz verkörpern, die große Bordeaux auszeichnet. Solche Weine fügen sich behutsam und harmonisch in fein komponierte Gerichte ein, ohne sie zu überlagern, und verleihen gleichzeitig dem kulinarischen Erlebnis eine neue, teils faszinierende Dimension. Besonders zu zartem Fleisch wie einem kräftigen Braten oder Kalb und Geflügel, herbstlichem Gemüse wie aromatischen Pilzgerichten oder saisonalen Spezialitäten – solche Weine bereichern unsere Sinne wie auch das Geschmackserlebnis ungemein und setzen dem Gericht eine prächtige Krone auf.

Der 2022ER SPÄTBURGUNDER TROCKEN BIO vom Weingut Rings in Freinsheim gleitet sehr geschmeidig ins Glas und gefällt in einem hellen Rubinrot. In der Nase tummeln sich reife Beeren und dunkle Kirschen, gefolgt von zarten Nuancen, welche an getrocknete Kräuter, Tabak und Haselnuss erinnern. Am Gaumen wird er fruchtig und bisweilen würzig. Ein sehr eleganter wie auch frischer Weintyp, der ausgezeichnet zu dunklem Fleisch und Lammkoteletts mit Kräutern passt.

Oliver Gabel aus Herxheim am Berg begeistert geradezu mit seinem 2022 SPÄTBURGUNDER STEINACKER TROCKEN – BIO. Weich fließend und doch mit spürbarer Tiefe zeigt sich der Charakter dieses Spätburgunders. Erkennbar auch die wunderbare Fruchtsäure für maximale Eleganz im Wein. Der Spätburgunder Steinacker wurde in mehreren Durchgängen selektiv von Hand gelesen. Nach der Gärung durfte der Wein 18 Monate im Barrique reifen, bevor er ungeschönt und unfiltriert auf die Flasche gefüllt wurde. Der Steinacker-Spätburgunder besitzt ein komplexes Bouquet mit Noten von Sauerkirsche, Krokant und Waldboden. Am Gaumen noch sehr jung, besitzt Grip und eine frische Säure.

Der PINOT NOIR HÜTTERLE WOLLMESHEIM 2024 von Jacob Duijn lässt trotz seines jungen Jahrgangs eine faszinierende Eleganz erkennen. Die Trauben wurden sorgsam von Hand selektioniert, entrappt und auf der Maische vergoren. Nach dreiwöchiger Gärung in offenen Eichenholzbottichen wurde schonend entsaftet. Die weitere Reifung erfolgte für 12 Monate in kleinen Fässern aus bester deutscher und französischer Eiche. Bei der Füllung wurde auf Filtration und sonstige Behandlung des Weines verzichtet. Im Glas durchscheinendes Kirschrot. In der Nase Duft von Erdbeere, Kirsche, etwas Himbeere und feinem Tabak. Feine Kräuter und Sandelholz. Am Gaumen kraftvoll, zupackend mit warmer, schmeichelnder Art. Dieser Wein hat Lagerpotential für viele Jahre.

Und dann gibt es noch 2018 PINOT NOIR ‚SANKT PAUL‘ GG TROCKEN. Ein prächtiger Wow-Wein mit einer bemerkenswerten Dichte und einer opulenten Eleganz. Das Lesegut wurde sorgsam von Hand selektioniert, entrappt und auf der Maische vergoren. Nach zwei- bis dreiwöchiger Gärung in offenen Eichenholzbottichen und Bütten wurden sie schonend gepresst. Die weitere Reifung erfolgte für 18 Monate in kleinen Holzfässern aus französischer Eiche. Bereits im Glas fasziniert dieser Wein mit einem feinen, mittelkräftigen Rubinrot. In der Nase platzieren sich Duftnoten von Wacholderbeere, Waldbeeren und Tabak sowie eine feine Nuance von Pfeffer. Am Gaumen dicht mit kräftiger Substanz und jugendlichem Tannin. Saftig mit sehr guter Länge und bester Struktur. Großes Lagerpotential. Ein vollmundiger, eleganter Wein mit einer prächtigen Noblesse.

Diva in Paprika: Cabernet Sauvignon

Weltbürgerin nennen: Weit gereist, fast überall zu Hause, behält die Cabernet-Sauvignon-Traube ihren eigenen Charakter, egal wo sie wächst und ebenso egal mit welchen anderen Rebsorten sie verschnitten wird. Besonders gern wird sie auch als Edelrebe bezeichnet und entsprechend mit viel Aufmerksamkeit gepflegt.

Warm und sonnig mag sie es, weil sie erst spät blüht und langsam reift. Die Weine, die aus ihr hervorgehen, sind meist sehr farbintensiv: dunkles Purpur mit violetten Reflexen. Bevor sie von Merlot abgelöst wurde, war sie die meistangebaute Rebsorte der Welt. Sie stammt aus Frankreich, genauer gesagt aus dem Bordelais, wo sie auch heute noch, zumal links der Gironde, etwa in den Anbaugebieten Médoc und Graves als die wichtigste Rebsorte der berühmten Bordeaux-Weine gilt. Und weil sie sich ungern alleine auf die große Bühne trauen, sind die meisten Bordeaux-Weine Cuvées, also Verschnitte, aus den drei Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc.

Die Cabernet-Sauvignon-Trauben sind klein, mit einer dicken dunklen Schale sowie einem hohen Kernanteil. Ihre Dickhäutigkeit ist verantwortlich für die Farbtiefe, während die Kerne für das kräftige Tanningerüst des Weins sorgen. Die Tannine stecken in der Schale und in den Kernen und werden auch Gerbstoffe genannt. Sie erzeugen die typisch pelzige Empfindung auf der Zunge. Im Fachjargon heißt das »Adstringenz«. Weine mit viel Tannin werden also häufig als »adstringierend« empfunden, sind aber haltbarer und haben ein natürliches Alterungspotenzial – wie etwa die großen Bordeaux-Weine. Je älter der Rotwein wird, desto weicher werden die Tannine und desto geringer wird die Säure. Zudem altert die Diva hervorragend und kommt im reiferen Stadium bei Rotweintrinkern häufig sogar besser an.

In der Pfalz gibt es einige Weinmacher, deren Cabernet Sauvignon hervorragend überzeugt. Das Deidesheimer Weingut Bassermann-Jordan fasziniert mit der Cuvée – aus Cabernet Sauvignon und Merlot – Deux Nez (zwei Nasen) ebenso wie der Weinmacher Oliver Zeter mit seiner Cuvée Zahir. Beides sehr dichte wie auch starke Typen. Der Herzschlag Rotwein trocken vom Weingut Bergdolt, Reif & Nett ist ein wahres Meisterwerk, das die Leidenschaft und Handwerkskunst von Christian Nett widerspiegelt. Die Cuvée X trocken vom Weingut Knipser ist ein prächtiges Beispiel für einen klassischen Bordeaux-Blend und zugleich ein stolzer Vertreter hoher Weinkunst. Glänzend und sehr überzeugend mit dunkler Frucht mit Cassisnoten begeistert auch der Cabernet Sauvignon trocken Rhodter Schlossberg vom Weingut Christian Heußler. Ebenfalls aus bester Lage in Rhodt unter Riedburg ein Cabernet Franc ist der Cabernet Franc Reserve trocken vom Weingut Klaus Meyer.

Ein guter Cabernet Sauvignon zeichnet sich durch dichte, dunkle Fruchtaromen (wie schwarze Johannisbeere, Brombeere und Pflaume) und komplexe würzige Noten (wie Zedernholz, schwarzen Pfeffer, manchmal auch grüne Paprika, falls die Trauben unreif geerntet wurden) aus. Typisch sind eine kräftige Struktur und ausgereifte Tannine, die den Wein sehr gut lagerfähig machen. Im Ausbau verfeinert sich die Struktur, und es können Aromen von Vanille und Röstaromen hinzukommen, die aus dem Fass stammen.  Da sie als aromatische Rebsorte, nicht aber als sehr fruchtbetont gilt, eignet sie sich für den Aus­bau im kleinen Eichenfass, genannt Barrique, das wiederum Aromen von Vanille oder Kokos in den Wein bringen kann.

Joël Briguet kreiert den Wein und das Weingut des Jahres

Beim Grand Prix du Vin Suisse wird Cave La Romaine aus dem Wallis  «Schweizer Weingut des Jahres 2025»

Welche prestigeträchtige Auszeichnung! Der Weinkreateur Joël Briguet gewinnt beim Grand Prix du Vin Suisse mit seinem „Chardonnay Réserve 2022, AOC Valais“ den vielbeachteten Preis „Bester Chardonnay des Jahres 205“ und gleichzeitig auch den Preis „Bestes Weingut des Jahres“. Diese Leistung verdient große Wertschätzung und auch Respekt, denn solche Preise benötigen viele, teils anstrengende Berganstiege und den richtigen Blickwinkel in Kombination mit sensibler Achtsamkeit. Wer diesen Chardonnay im Glas hat, wird mir zustimmen: Joël Briguet ist ein wahrer Meister seines Metiers und er kann jede Steigung nonchalant bewältigen.

Der 22er Chardonnay Réserve ist ein komplexer und unverwechselbarer Wein, der durch das sonnige Klima des Kantons Wallis viel Stärke mitgebracht hat. Die gelesenen Beeren durften es sich in alten französischen Eichenfässern und auch in 30 % neuen Fässern 18 Monate lang gemütlich machen.

Im Glas offenbart der Chardonnay seinen sensiblen Charakter: strohgelbe Farbe mit schöner Dichte, unterstützt von einer wunderbaren Fülle. In der Nase gefallen sofort die Nuancen nach hellem Honig und Propolis, vermischt mit kandierter Zitrone und Trockenfrüchten.

Elegant und ausdrucksstark am Gaumen, mit einer bemerkenswerten Balance zwischen Mineralität, Frische und Struktur. Gute Länge mit fruchtigen und mineralischen Noten, leicht geröstet. Intensiver, gehaltvoller und eleganter Abgang.

Ein genialer Wein zu hellem Fleisch, Meeresfrüchtegratins, fettem Fisch, Käse und unbedingt auch zu Sahnesaucen sowie Beurre blanc.

Der Macher und Feingeist Joël Briguet bleibt trotz seiner vielen Auszeichnungen bescheiden. 35 Jahre Erfahrung, ergänzt mit ganz viel Neugierde und Fachwissen, prägen sein ruhiges Tun und sein Gespür für große Meisterleistungen.

Für den Vollblutwinzer Joël sind Kontinuität über Jahrzehnte hinweg und die kreativ-familiäre Teamarbeit das stabile Fundament für den Erfolg der Cave La ­Ro­maine.

Seine engagierte und umsichtige Frau Edith Germanier Briguet kümmert sich um die Organisation des Weingutes. Seine Tochter Adeline um die Finanzen und das wichtige Marketing. Im Weinberg steht Joël seit nunmehr 30 Jahren der Portugiese Antonio De Almeida Rodrigues zur Seite. Beide verbindet die unbändige Leidenschaft zum Weinbau, die Nähe zur Natur und auch die spannenden Auswirkungen vom biologischen und biodynamischen Anbau. Doch auch die sich immer wieder neudefinierende Weinbereitung lässt sie nicht los. So gehört zur prestigeträchtigen Réserve-Linie mit dem Agrippina inzwischen auch ein auf der Maische vergorener Orange-Wein aus der Sorte Marsanne.

1989, im Alter von 21 Jahren, gründete Joël Briguet die Cave La Romaine in Flanthey, in prächtiger Lage an der Rhône zwischen Sierre und Sion. Begonnen hatte er mit einer Jahresleistung von 15 000 Flaschen. Heute füllt er jährlich 120 000 Flaschen bester Weine ab.

Nebst der Cave La Romaine geben Joël Briguet und sein Kellermeister Vincent Tenud auch beim 2011 lancierten Sekt-Prestige-Projekt Clos de Tsampéhro den Ton an. Um den 2,5 Hektar großen, geschlossenen Clos wieder in seiner ursprünglichen Form zum Leben zu erwecken, mussten Mini-Parzellen von über 30 Eignern aufgekauft werden. Heute bringt der Clos hervorragende Assemblagen, einen Prestige-Schaumwein und einen reinsortigen Completer in die Flaschen.

Handlese in Kisten, sanfte Pressung (maximal 1,2 bar) ganzer Trauben zeichnen den Clos de Tsampéhro aus. Die Fraktionierung des Presssafts erfolgt äußerst sensibel, denn es gilt, die delikateste Aromatik und die eleganteste Säure zu erhalten. Die alkoholische Gärung des klaren Weins erfolgt in kegelstumpfförmigen Eichenholzbehältern. Der Abstich und die Schaumbildung in der Flasche erfolgen nach der traditionellen Methode. Mindestens 44-monatige Reifung auf Latte ist die Pflicht und das Degorgieren erfolgt nicht dosiert, um so eine Schaumweinschorle „brut nature“ zu erhalten. Die Kür ist spürbar in all unseren Sinnen. Und ganz allmählich wird klar: Das Team vom Cave La Romaine aus dem Wallis ist auf den hohen Gipfel der Weinkunst angekommen. Chapeau!

Die schöne Mitte – Weingut & Gästehaus Giwer

Ich mag diese Fotos vom Weingut und seiner Gastfreundschaft. Mag mich ihnen gerne annehmen. Im Mittelpunkt der Moment … das Produkt … und auch der Mensch. Es benötigt nicht viel, um in positiver wie auch inniger Verbindung mit Menschen zu kommen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie angenommen und auch angekommen sind. Dass sie innehalten und einfach mal ihren Sinnen lauschen. Im Mittelpunkt die Kerze. Im Mittelpunkt die Tischkultur. Im Mittelpunkt der Gast.

Peter Giwer bezeichnet sein Wirken als Weinmacher. Doch wer seine Weine erlebt, wird mir zustimmen: Er ist ein Weinkreateur, denn er macht keine Weine, sondern gestaltet sie mit brachial schöner Lebensfreude und all seinen Sinnen. Er mischt ganz geschickt Leidenschaft, Innovation, Erfahrung und auch Tradition ins Glas. Seine Weine sind fernab vom Mainstream, jedoch tief in stilistisch feiner Weinkultur. Sein Tun ist eine Kunstfertigkeit, in welcher er den ganz eigenständigen Charakter seiner Weine abbildet.

Peter denkt nicht groß, sondern bleibt sehr bodenständig, ehrlich und sehr seiner Heimat Wasserliesch in der Region Trier verbunden. Knapp sechs Hektar werden fein und fürsorglich kultiviert. Seine Leidenschaft gehört weitgehend dem Grauburgunder wie auch dem Weißburgunder und unbedingt auch dem Ebling, einer der ältesten kultivierten Weinreben Europas.

Auch als Gastgeber verstehen die Giwers die sensible Kunst im Austausch mit Menschen. Sie verstehen und leben Gastfreundschaft mit ganz viel Herzlichkeit. Hier kann man sich völlig auf das Du und Du mit Mensch und Wein einlassen.

Mit einem frischen, leicht spritzigen Ebling und einem verträumten Blick in die wunderschöne Hoflandschaft der Giwers lasse ich am Abend den Alltag hinter mir. Die Nase nimmt ganz zart Nuancen von reifer Zitrone und grünen Äpfeln wahr. Die Säure, sehr angenehm, nagt überhaupt nicht in meinem Körper. So schmeckt ein Wein mit Charakter und lädt zudem zur Brotzeit ein.

Es ist wahrlich Zeit, sich auf die Kunst des Genusses einzulassen. Hier bei Familie Giwer tat ich es gerne.

Neudorfstraße 24, 54332 Wasserliesch / 06501 180522

Nachhaltigkeit ist Pflicht – Patricia & Julian Schreieck

Noch bevor die Sonne den Tag vollends einnimmt, lohnt die Begegnung mit Maikammer und seiner sonnig-schönen Weinlage Heiligenberg. Ganz egal, ob oben in 650 m Höhe auf der Kalmit oder direkt im Heiligenberg … man fühlt sich angenehm umarmt von einer herrlichen Naturlandschaft und mag gern lange verweilen. Es ist sicherlich ein Privileg, hier Weinberge zu besitzen und ebenso auch eine innige Partnerschaft mit der Natur zu leben.  Die Lagen Kapellenberg und Heiligenberg gibt es zwar mehrfach in den deutschen Weinregionen, doch hier sind sie eben besonders und ganz sicher anders. So wie der Familienclan Schreick, welcher ganz gern und mit viel Freude Gastgeber und Weinkreateure sind. Die Weinlage Heiligenberg ist bekannt für ihre besonderen Bodenverhältnisse, die unterschiedliche Rebsorten hervorbringen, darunter Riesling, Weißburgunder und Malbec. Die Weine sind oft mineralisch, fruchtig und charaktervoll. Dies gepaart mit den Charakteren von Patricia und Julian Schreieck ergibt eine geradezu geniale Kombination, welche mit jedem Schluck deutlicher wird.

Gemeinsam mit ihrer Schwester Jana sind sie sehr neugierig unterwegs, bringen internationales Gedankengut mit, mischen es mit viel Pfalz und gewinnen so eine völlig neue Interpretation von qualitativ hochwertigen und sehr authentischen Weinen. Natürlich ist Tradition ein wichtiger Faktor in ihrem Tun, doch ein kräftiger Touch neuer Erkenntnisse hilft ungemein beim Thema Nachhaltigkeit. So füllen sie mittlerweile verstärkt Burgunder- und auch internationale Rotweinsorten in ihre Fässer und schenken ihnen ganz viel Aufmerksamkeit und Geduld. Ihre Handschrift ist unverkennbar und sehr deutlich: Sie gestalten eben mit viel Achtsamkeit die Welt von morgen mit und achten auf hohe Weinqualitäten im Einklang mit der Natur. 

Aus den Lagen Heiligenberg und Kapellenberg wird das Lesegut nach langer Reifezeit mit viel Sensibilität und Blick auf die Traubenqualität geerntet. Im Keller genießen die Beeren eine schonende Verarbeitung und reichlich Ruhezeit im Fass. Bei Schreiecks entstehen so dichte, konzentrierte und auch komplexe Weine, die lange nach jedem Schluck noch viel zu erzählen haben. Besonders bei ihren Burgunderweinen wird dies bewusst. Der Lagenwein „Weißer Burgunder Heiligenberg“ ist überzeugend elegant, sanft und herrlich frisch. In einem hellen, sonnigen Gelb erstrahlt er im Glas. Zur Hälfte durfte er im Tonneau verweilen und sich zur Hälfte im Edelstahltank auf seinen grandiosen Auftritt vorbereiten. Kaum im Glas angekommen, präsentiert er mit viel Freude seine Vielfalt an Aromen: Dank bestem Holz bereichern Vanille mit dezenter Würze sowie frische Blütennoten, gepaart mit Apfel- und Birnenfrucht, die Nase. Und am Gaumen fasziniert er mit seinem schlanken Körper sehr frisch und lebendig. Ein Geschmack nach Banane bleibt lange, lange im Mund und macht begierig Lust auf den nächsten Schluck!

Wein- und Sekthaus Volker und Bernd Schreieck

http://www.schreieck-maikammer.de

 

Winzer, Gestalter, Läufer, Bergziege – Erich Stachel

Auch mit 70 lässt er seine Seele strahlen und uns daran teilhaben. Noch immer und wahnsinnig engagiert unterstützt er die Natur und unterstützt sie in ihrem ungenierten wie auch ungeordneten Wachstum. Manchmal trifft man ihn oben am Waldrand von Maikammer auf seinem ganz besonderen Rastplatz inmitten seiner Rebterrassen, welche er mit viel Handarbeit und sensiblen Augen hegt und pflegt.

Irgendwann ist er ausgebrochen und wollte die Welt entdecken. Wollte sie als Marathonläufer erlaufen und als Bergsteiger besteigen. 1988 startete er zum ersten Marathon in Frankfurt und 2018 bestieg er den Mount Everest. Allerdings fand er in 5300 m Höhe seine Freundschaft mit dem Berg und beließ es dabei. Einmal nur den Berg sehen und ihn atmen. So wie er die Naturwelten im Mikrokosmos Südpfalz und das große Kosmos draußen in der Welt für sich einnimmt. In Mexiko ist er den schneebedeckten 5636 m hohen Orizaba bestiegen, in China den 7546 m hohen Ata. Für ihn waren der Zusammenhalt, die Kameradschaftlichkeit und die entstandenen Freundschaften sehr prägend wie auch faszinierend. Diesen Geist brachte er auch in seine Familie ein. „GEMEINSAM schaffen wir alles“ lautet fortan das Motto. Auf dem Weingut werden alle Entscheidungen im Team getroffen. Jeder hat seine Stärken und konzentriert sich darauf, diese einzubringen.

Klar ist für Erich, dass Bergsteigen ebenso eine Teamsache ist wie in der Familie. Wenn man das richtige Team um sich hat, kann weniger schiefgehen und außerdem wird man unheimlich beflügelt. Wie am Berg haben auch in seiner Familie Hilfsbereitschaft und füreinander einstehen eine besondere Bedeutung.

Zuhause ist der nimmermüde Erich auch Partner der Natur. So ist er Initiator von alten Streuobstwiesen oberhalb von Maikammer, welche dank Erichs Engagement und auch dank seiner Freunde reaktiviert wurden. Wilde, dichte und sperrige Hecken wurden beseitigt. Alte, bereits vergessene Weinbergsterrassen sind wieder präsent und herrliche Wiesen mit Blick auf die kleine, bisweilen große Welt laden wieder ein zum Verweilen und dazu, eine prächtige Natur einzuatmen.

Hier oben können Obstbäume wie Mandel, Elsbeere und Speiling ihre Arme ausbreiten und der Welt zeigen, dass Natur auch ganz viel Schönheit hat.

„In der Natur ist nichts perfekt und alles ist perfekt. Bäume können verkrümmt sein, auf seltsame Weise gebogen, und sie sind trotzdem schön.“

Für mich ist Erich auch ein pfälzischer Hemingway. Er kann Geschichten erzählen, aufmerksam zuhören und sich stundenlang über Naturbanausen ärgern. Obwohl … bei einem guten Glas Wein aus der kreativen Hand seines Sohnes lässt sich auch Erichs Seele ganz gut beruhigen. Und er ist auch ein prägender Charakter, der nicht nur der Südpfalz gut tut.

Glück und Charakterstärke bei den Heußlers

Die Sonne löst gerade die letzten morgendlichen Nebelschwaden in den Hängen unterhalb der Rietburg auf. Die sommerlich-bunte Weinbergs- und Wiesenlandschaft breitet kunstvoll ihr buntes Gefieder aus und ein leichter Mostduft zieht durch die Landschaft … Glück hat …, wer hier lebt und sein Tagwerk leisten darf. Glück hat auch, wer Jürgen Heußler und seinen Töchtern Nina und Maike begegnet. Einer herrlich leidenschaftlichen Winzerfamilie aus Leidenschaft und Berufung. Ganz schnell wird man eingenommen vom lebensfrohen Temperament der Heußlers. Der warmherzige Händedruck vermittelt herzliches Vertrauen, und ganz schnell begreift man: Jürgen Heußler ist eine verdammt ehrliche Haut.

Ebenso ehrlich wie auch demütig führt er gemeinsam mit seinen Töchtern das Weingut inmitten von Rhodt unter der Riedburg. Und wenn dann die Sonne wieder einmal ihre quecksilbernen Schlieren in den Morgentau malt, lässt es sich vorzüglich bei den Heußlers weilen und über Glück reden.

Reines Glück? „Nein, vielmehr das Glück des Tüchtigen.“ „Denn sein Glück muss man sich auch in Rhodt hart erarbeiten.“ Sicherlich ist der Einstieg seiner Töchter in das Weingut Jürgens größtes Glück. Nina hat Weinbau studiert und ist mit viel Freude zunächst in einem erfolgreichen Weinhandel in Berlin gelandet. Maike hat eine kaufmännische Ausbildung absolviert und dann eine profunde Winzerausbildung genossen. Und nun steuern beide seit einigen Jahren gemeinsam mit ihrem Vater das Weingut. Hier lebt ein echtes wie auch sehr inniges Gemeinschaftswerk, einhergehend mit einer feinen Symbiose aus jahrelangen Erfahrungen und neuen Visionen. Hier auf dem Weingut wie auch in der Familie hat jeder für sich seine Aufgaben wie auch eine ganz besondere Art Familiensinn. Während sich Jürgen immer mehr um die feinen Destillate des Weingutes kümmert, leben Maike und Nina ihre Kreativität aus und gestalten besondere Weine. Es darf dann mal ein PetNat oder unbedingt die Töchterweine sein.

Die Heußlers lieben die Besonderheiten und Abwechslung der Böden um Rhodt. Ob „Schlossberg“, „Rosengarten“ oder „Klosterpfad“ … jede Lage hat ihre Besonderheiten wie auch ihre ganz eigene Herausforderung. Letztlich soll die Magie eines Ortes den Gaumen bereichern. Bei den Heußlers beginnt Weinqualität im Weinberg. Deshalb liegt der Schwerpunkt ihrer Arbeit in der intensiven, sorgsamen Pflege der Weinberge bis hin zur selektiven Lese. Ein schonender Ausbau im Keller bringt Weine mit großem Reifungspotential hervor. Mit viel Achtsamkeit hegen und pflegen sie auch die alten Reben – die meisten sind älter als Maike und Nina! Mit dem Alter solcher Weine steigt die Komplexität im Wein, der Ertrag passt sich an und die Wurzelstruktur ist perfekt ausgebildet. Es sind Weine mit Charakter und Ursprünglichkeit, welche Lust aufs nächste Glas machen. Es ist eben die gelebte, glückselige Leidenschaft der Heußlers.

Weyherer Str. 35, 76835 Rhodt  ·  +49 (0) 6323 5506  ·  www.weingut-heußler.de