Rheinhessen. Das Laisser-faire großer Weinkultur – Weingut Johanninger

Dort oben… an der oberen, nördlichen Ecke Rheinhessens schwingen sich die Weinberge zum Paarlauf mit der Nahe. Drehen mal im Sonnenaufgang und mal im Mondschein eine sanfte Pirouette und laden Romantiker wie auch Sinneswandler zum gemütlichen Zusammensein bei bestem Wein in herrliche Naturlandschaften zum Genussschaukeln ein. Fast unbemerkt aber umwerfend eindrucksvoll lohnt ein Stopp bei den Johanninger im nahen Biebelsheim. Das Weingut wie auch das grandios-charmante Restaurant Nickl‘ Speisekammer versprechen ganz sicher mehr als nur ein Stelldichein.

Und nun… sitze ich hier… im Hof der Johanninger. Mal hitzig, gern auch mal leidenschaftlich, meist mit einem Glas charmant entspannt, dem fordernden Alltag abgewandt, ohne die Blicke für das Wesentliche zu verlieren, begegnen mir im Weingut Johanninger drei kreativ-leidenschaftliche Weinkreateure mit einem Sammelsurium von Herz und Verstand abseits der ausgetrampelten Pfade in gemütlich-genüsslicher Tischkultur. Sie sind der lebendige Inbegriff von Freiheit und Laisser-faire großer Weinkultur. Sie bilden ein lebensgewaltiges Trio, das es vorzüglich versteht, großartige Weine zu kreieren ohne sich zu verirren. Sie leben seit mehr als zwanzig Jahren eine innig-schulterharte Freundschaft, eine lebendig-familiäre Hof- und Weinschmiede und sind wahrlich auch jene authentisch-ehrlichen Typen mit dem richtigen Blick auf die Zukunft.
Hemdsärmelig und ach so angenehm offenherzig sorgt Weinkreateur, Gründer und Ideengeber Markus Haas für die Gestaltung der Betriebskultur sowie für die pragmatischen Tonlagen, steht wie ein Fels im Weinberg und verliert … fast nie… den Überblick. Die satte Verantwortung haben sie alle, doch Kellermeister Oliver Herzer trägt sie mit allen Sinnen und viel Engagement auf breiten Schultern, gibt wichtige und zielführende Impulse ohne dabei die Haltung und wichtige Tropfen zu verlieren.
Bescheiden und auch mal gern im Hintergrund verliert Gabriel Schmidt nie den Blick über all das Tun im Gut wie auch im Weinberg. Er ist Kommunikator und Dirigent eines gewaltigen Orchesters und sorgt meist für die richtigen Anschläge und Takte.
Die Liebe zur Natur haben sie gewissenhaft in ihre DNA eingepflegt. Sie ist Verpflichtung und Berufung zugleich. Folglich verzichten die drei Weinmacher konsequent auf Kunstdünger und auf Pestizide und betrachten ihr Tun nicht nur aus der materialistischen naturwissenschaftlichen Sicht der Landwirtschaft sondern wollen auch das Wesen dahinter entdecken. Meist begegnen sie dabei der Philosophie und dem Wesen der Dinge. Jene Dinge, die die Welt im Innersten zusammenhält. Mit diesem anthroposophischen Weltbild will man diese naturwissenschaftliche Sicht ergänzen und daraus Handlungsempfehlungen für das eigene Tun und der Wertschätzung gegenüber der Natur entwickeln. Klar! Die Trauben werden größtenteils sorgsam von Hand gelesen und schonend im Weinkeller verarbeitet und in den imposanten Gewölbekellern trocken ausgebaut.

Und allen gemein… sie sind studierte Weinmacher und haben den satten Sound und die innige Liebe zu Wein, Familie und Gesang … und präsentieren, ganz ungeniert, ihre Lebensphilosophie im Glas. Den Vortritt hat der „Johanninger Pinot Rosé Brut. Wie alle Sekte ist er in der eigenen Sektmanufaktur, im tiefen Gewölbekeller mit langem Hefelager entstanden. Der Rosé tanzt geradezu im Glas. Feine Kupferperlen tummeln sich im lachsfarben-dezenten Schäumchen. In der Nase ein finessereicher Duft nach roten Früchten und Brioche. Das weinige Mousseux und die aromatische Textur führen in ein klares und langanhaltendes Finale. Ein gewaltiger Rosé-Sekt. Vollmundig und betörend zugleich.

Und allen gemein… sie sind Grenzgänger. Ihre Weinberge liegen seitenrichtig an der Nahe und in Rheinhessen, ihre Weine klar an der Grenze jedoch keineswegs abseits. Im Glas glänzt der „Johanninger Biebelsheimer Riesling Stein 2019“. Die Nase wird eingenommen von exotisch-gelben Früchten mit einem Touch Limetten und Aprikose. Eine opulente Fruchtigkeit mit feiner Mango im Vordergrund tapeziert den Gaumen. Ein starker Riesling, welcher hart an den Nerven zerrt. Chapeau!

Die Feinheiten großer Töne

In einer der besten Lagen der Nahe und ganz nah am Himmel wächst ein satter Grauburgunder. Der ausdrucksstarke Lagenwein „Grauburgunder Kreuznacher Himmelgarten“ bereitet, dank seiner fast 50 Jahre alten Reben ein prächtiges Gaumenvergnügen. Mächtig, fleischig, würzig, leicht nussig gepaart mit erdigen Noten, welche klar den kalkhaltigen Mergel widerspiegeln. Die Nase wird umgarnt von feinen Barriquetönen gefolgt von zartfruchtigen Noten, welche an reifes Steinobst erinnern. Auch hier fasziniert und begeistert das Trio zugleich. Es wird klar, das Trio beherrscht fast infernal jede Tonart.

Und… klar! Allen gemein ist das Vertrauen in die Zukunft, das Vertrauen in die nächste Generation, welche bereits kräftig in den Fässern rührt. Lara Haas, die feinfühlige Tochter von Markus erobert für die Familie Johanninger den Gaumen der Dänen. Außer Marketing und Vertrieb ist auch das Weinmachen für sie mehr als nur ein Debüt.

Weingut Johanninger / Hauptstraße 4-6, 55546 Biebelsheim / 06701 8321

https://www.johanninger.de

 

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