Rheinhessen! Nico Espenschied – Ursprunglich. Unkonventionell. Lebendig.

Jede Begegnung, sei sie auch noch so flüchtig, hinterlässt auf die eine oder andere Art Spuren in meiner Seele. Jede Begegnung geschieht aus einem bestimmten Grund. Mit jeder Begegnung wird etwas angestoßen und manchmal führt die Begegnung mit Personen, die man nie wieder sieht, zu einer Begegnung mit anderen Menschen, die aus dem eigenen Leben nicht mehr wegzudenken sind.

Meine Begegnungen mit Nico Espenschied und seiner engagiert-liebenvollen Familie haben bei mir ganz viele Inspirationen hinterlassen und neue Seelenkitzler entdecken lassen. Mal in Goldgelb und auch mal in Orange.

Vergessen wir bitte die altklugen Schubladenmeinungen von zahlreichen „angestaubten“ Sommeliers oder Weinpäpsten. Vertrauen wir auf unsere eigenen Sinne und hüllen diese ein wenig in Orange, denn Orange ist en vogue. Orange ist die 4. Weinfarbe! Und „Orange Wine“, ist weder eine Modeerscheinung noch ein Verlegenheitswein oder ein wildes Kreativprodukt unerzogener Winzer, sondern auch ein echter Naturwein, der zunehmend zum Standardrepertoire jener selbstbewussten Winzer geworden ist, welche seit Jahrzehnten die Stilvorgaben von höchster Qualität lieferten.
## „Orange Wine“ ist ein auf der Maische vergorener Weißwein mit ganz viel Geschmackspotential.

Die Kunst des Weinkreateurs liegt darin, dass er die Maische (gepresste Beerenhaut samt Kernen) zunächst nicht vom Saft trennt, sondern ihnen eine längere Zeit zum „Spielen“ lässt, bevor er sein Erwachsensein erreicht. Es werden dadurch mehr Aromen und Gerbstoffe abgegeben und der Orange erhält eine zart-orangene Tönung. Die Naturburschen und -mädels von den wenigen Weinmachern, die sich auch am „Orange Wine“ versuchen, verzichten auf Zusatzstoffe wie Schwefel. Sie verwenden dann für die Gärung ausschließlich die Hefepilze, die auf den Trauben liegen. Im konventionellen Weinbau werden hingegen Reinzuchthefen eingesetzt, mit denen sich der Gärprozess präziser steuern lässt.

Klar! Oder unklar?! Bevor sofort und ohne Halt an der nächsten Kreuzung im Weinberg diese alberne Diskussion um die Qualität von Naturwein und dessen Haltbarkeit aufkommt: Verdammt viele Beispiele von kreativen Weinmachern zeigen, wie blitzsauber und gaaaaanz weit weg von banal und langweilig und trotzdem langlebig ungeschwefelte Weine sein können. Ab und an lese ich in den Tiefen der Weinwelt, dass solche Weine bereits nach wenigen Minuten im Glas oxidieren oder das hätte mit Wein nichts zu tun. Was für ein Blödsinn!!! Wer solche Urteile fällt, sollte unbedingt die Weine von Nico Espenschied seinen Sinnen zuführen. Danach ist das Thema formidabel geklärt, versprochen.

Nico Espenschied aus Flonheim begeistert mit seiner Kühnheit und neuen Kreationen. Gern experimentiert er über das Übliche hinaus ohne die Bodenhaftung und die Realität zu verlieren. Wenn es darum geht, der Premiumlage La Roche mit ihren Terra-Rossa-Böden neues Leben einzuhauchen, steht Espenschied an vorderster Front, krämpelt die Ärmel hoch und setzt auf ertragsschwache Riesling-Klone und nur ein klein wenig Sauvignon Blanc. Daraus entstand der 2016 Hautnah Sauvignon Blanc trocken, welcher fast wie ein Fliegengewicht im Glas liegt. Ein sattes Orangegelb mit fein-goldenen Reflexen öffnen die Tiefen der Sinne. Die Nase lässt sich von fein-kräutrigen Noten umschmeicheln., Brennessel und grünen Teeblättern aber auch fruchtig nach jungen Beeren und Zitrus. An der Luft wird es dann alsbald blumiger und fruchtiger. Stachelbeere, Holunder und Cassis übernehmen nun die Macht in der Nase. Am Gaumen tolle Balance und saftig, sehr strukturiert und lang mit zartem Gerbstoff und feinstem Säurespiel.

Unermüdlich und mit viel Hingabe kreiert Nico bereits im Weinberg große Weine. Mal eigensinnig und unkonventionell, mal ursprünglich und voller Ehrfurcht vor der Natur, mal laut und lebendig. Aber immer voller Kreativität und Selbstbewusstsein.

In seinen Lehr- und Wanderjahren lernte er im Burgund, in Sonoma Valley oder im Burgenland, dass oft genug Dinge im Weinberg und Keller passieren, die absolut konträr zum Lehrbuch stehen und dass das Vertrauen in die Natur das Wichtigste ist. Deshalb vertraut er ganz besonders auf sein Bauchgefühl und überlässt der Natur das letzte Wort.

Schonende Verarbeitung der Trauben, des Mostes und der Weine ist ihm verdammt wichtig. Sein Wein vergärt spontan, meist im großen Holz und bleibt lange auf der Mutterhefe. Keinerlei Schönungsmittel und wenn möglich verzichtet er auf eine Filtration. Am Ende stehen Weine mit viel Hand und noch mehr Herz, von erstaunlichem Charakter und Individualität. Alles andere ist ganz weit weg von gütlicher Handwerkskunst.

Weingut Espenhof / Hauptstraße 81, 55237 Flonheim /  06734 962730

https://nico-espenschied.de

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