Was macht ein gutes Restaurant aus – Stern oder Herz?

Häufig werde ich gefragt, was ein gutes Restaurant ausmacht. Es kann auch ein ganz einfaches Lokal sein – wenn nicht nur die Qualität von Fleisch und Wein gut sind, sondern auch die Atmosphäre insgesamt angenehm ist und die Gäste zuvorkommend sowie mit einer authentischen Servicefreundlichkeit bedient werden. Diese, ganz besonderen Werte lassen sich in jedem Restaurant in jeglicher Güte und Sternenvielfalt umsetzen.

Was habe ich von einem vorzüglichen Wein und einem exquisiten Essen, wenn das sterile Ambiente meine Sehnerven zum Absturz bringt.

Die Addition vieler Komponenten wie die Art der Servicefreundlichkeit des Personals, die Güte der Speisen und Getränke sowie die Einrichtung und die Atmosphäre des Restaurants lassen erkennen, auf welche Philosophie der Inhaber setzt, um seine Gäste zu verwöhnen. Eine authentische Servicefreundlichkeit bereits bei der Begrüßung lässt erahnen, dass sich der Gast hier willkommen und im Mittelpunkt fühlen darf. Eine glaubwürdige Philosophie des Inhabers wird uns immer gefangen nehmen.
Sind wir doch mal ehrlich! Ein selbst ernanntes First Class-Restaurant mit uninspirierten Gerichten oder überteuerten Weinen ist alles andere als glaubwürdig. Dann gehe ich lieber in ein gutbürgerliches Gasthaus meines Vertrauens.

Die größte Aufgabe der Gastronomie aber auch der Hotellerie ist es, einen Betrieb über viele Jahre erfolgreich zu führen. In der Hotellerie setzt sich leider der Trend zum schlichten Design ohne jeglichen Anspruch an Vielfalt durch. In der Gastronomie löst die „neue deutsche Küche“ die Übermacht der italienischen, französischen oder der Thai inspirierten Küche ab.

Immer häufiger erfreue ich mich an der Renaissance der „neuen deutschen Küche“, die über Jahrzehnte – zu Unrecht – mit Nichtachtung gestraft wurde. Aber all das heißt noch lange nicht, dass Gäste den Lokalen die Türen einrennen. Daher gilt es oft, „anders“ oder „besonders“ oder „außergewöhnlich“ zu sein. Das ist im Regelfall eine Herausforderung an die Küche und den Weinkeller. Denn sie müssen zum einen die aktuellen kulinarischen Moden bedienen, andererseits aber auch mit individuellem Einfallsreichtum überzeugen. Die ganz besondere Individualität setzt vor allem eins voraus: Können! Können in jeglicher Form. Können an Service- und Kundenorientierung. Können bei Güte von Speise und Können bei der perfekten Empfehlung von Wein.

Gerade hier, liegt für mich persönlich die Faszination im Zusammenspiel von Küche und Weinkeller. Die Auswahl und Kreation sollte mit allen Genussnerven flirten und diese stetig umschmeicheln. Dies gelingt besonders in Restaurants, in denen der Kellner meist auch Weinliebhaber oder gar Sommelier ist und gut darauf achtet, welche Speisen ich bevorzuge. Und herzlich gern lasse ich mich dann vom Wein ins Menue führen…

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