Die Aromen der Zufriedenheit – Weinkreateur Andreas Schäffer

Urplötzlich ist es still, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, als hätten das touristische Treiben, das Knattern von Traktoren und die ständigen Bewegungen in den Gassen und auf den Straßen den Verkehr, aus Respekt vor der Erhabenheit dieses Ortes, ihre Tätigkeit eingestellt. Hambach nimmt unsere Seele gefangen und hüllt sie in eine laute Stille. Und mittendrin, umgeben von den wildromantischen, jahrhundertalten Mauern in der Schlossstraße im ehemaligen Ökonomiehof von Schloss Geispitz mit seinem zauberhaften Garten- und der Terrassenlandschaft, öffnet Andreas Schäffer sein Hoftor und gibt Einblick in das facettenreiche Handwerk großer Weinkunst. Herzenslaut, offenherzig und sogleich voll im Thema.

Andreas Schäffer liebt jeden Aspekt des Weinbaus und genießt all die kunterbunten Begegnungen und Momente in der Natur, im Weinberg, auf den herrlichen Weinbergterrassen hinter seinem Weingut und im Keller. Er hat die Fähigkeit, vorauszusehen, wohin sich die Weinwirtschaft entwickelt und sein Weingut für das Wachstum zu positionieren. Aber die Rollen, die er am meisten genießt, sind die Momente mit seiner Lebenspartnerin Bernadette Feiler, mit seinem Sohn Johannes und mit lieben Freunden. Letztlich sind es die glücklichen Momente, die wir gemeinsam leben und macht, besonders inmitten des Glücksortes Hambach mit Blick zum Hambacher Schloss, das Leben so ungemein lebenswert.  Zu all diesem Glück gehören sicherlich auch die Lagen, in welchen die Reben des Familienbetriebs stehen. 

Oberhalb seines Schlossgutes sind es die warmen Buntsandstein-Lagen, die dem Wein fruchtige Aromen wie Pfirsich, Birne oder Apfel geben und den Gaumen mit einer feinen Meersalznote kitzeln. Im Schiefer unterhalb des Alten Schulhauses in Hambach wurzeln die Rieslinge und geben ihnen eine sehr intensive, mineralische Struktur. 

Entlang der sonnigen Lagen, südlich von Hambach, thronen auf  Sand- und sandigem Lehmboden die Spätburgunder- und Syrah-Reben, welche im Tertiär vor ca. 25 Millionen Jahren entstanden. Ausgangsmaterial dieses Bodens sind Meeresablagerungen, welche dem Wein ein opulentes Bukett mit feiner Frucht und deutlicher Würze verleihen und für komplexe wie auch maskuline Weine stehen.

Andreas Schäffer ist kein Freund von halben oder unklaren Sachen. Das Potenzial, das er in seinen Weinbergen sieht, bringt er ohne Kompromisse zu hundert Prozent in die Flasche und lässt es zu, dass jeder Wein seinen eigenen Charakter entfalten kann und somit seine Herkunft spüren lässt. Schließlich ist Wein ganz klar ein Naturprodukt und er sollte niemals verheimlichen, wo er herkommt.

Unterhalb des optimalen Reifegrads will er keine Trauben lesen, weshalb seine Weine auch gern durch Üppigkeit und Kraft aus dem üblichen Rahmen fallen.

Natürlich findet er auch im Keller seine Glücksmomente. Die Schwierigkeit besteht nicht darin, dass es keine schönen Wirklichkeiten beim Wein gibt, sondern darin, dass so wenige von uns sie erkennen, wenn wir ihnen begegnen. Und… mit einem charmanten Augenschlag macht er seinen Mitmenschen klar, dass es ihm sehr am Herzen liegt. ungewöhnliche Weine zu machen, die nonchalant die Seele berühren und haften bleiben. 

Was ihn erfüllt, ihn antreibt? Das Gefühl, was ganz Eigenes und Besonderes zu machen, zutiefst regional verwurzelt zu sein und lauter Aromen und Glücksmomente seiner Heimat zu sammeln. 

Und… gern nimmt er sich die Zeit und setzt sich im Garten unter den Trompetenbaum, genießt einen ehrlich-authentischen Wein,  sinniert über die Facetten des Glücks, beobachtet mit seinen wachen Seelenaugen den lebenswerten Mikrokosmos um sich herum und ist einfach mal… satt zufrieden.

Weingut Andreas Schäffer / Schlossstraße 100, 67434 Neustadt an der Weinstraße / 06321 2859  / http://www.schaefferwein.de

Vielen Dank an Anne Schütz für die Fotos in diesem Beitrag

In der Pfalz kommt die Tradition auf dem Tisch

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Für einen echten Pfälzer ist der Umgang mit Messer und Gabel, also das „Schnabulieren“, wie man früher sagte, mehr als schnöde Nahrungsaufnahme. In der Pfalz lebt man leibhaftig gern gesellig bei Wein, Worscht und Brot, denn Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Ohnehin bekennt man in der Pfalz ungeniert: „Wie man isst, so schafft man“. Deftig-ungehemmt zugreifen ist Ehrensache, auch wenn der ideale Body-Mass-Index dabei ein wenig aus den Fugen gerät.  

In der Pfalz sind Deftig-würziges, aber auch mal süße Mehlspeisen kulinarisches Programm. Auch wenn ein Teil der Landeskinder fahnenflüchtig geworden ist und aus Bequemlichkeit auch gern zur Tiefkühlpizza greift, schwört der große Rest noch immer auf deftige Hausmannskost. Auch beweist der kulinarisch-gebildete Pfälzer, dass er Zunge, Gaumen und Geschmacksknospen weitergebildet hat. Das Pilgern in die Gourmetparadiese Elsass, Baden und Württemberg ist verflacht, denn in der Pfalz wird mittlerweile großes Kulinariktheater geboten. Mittlerweile sind die kulinarischen Welten in der Pfalz so vielfältig wie auch bunt, und den Künsten am Herd sind keine Grenzen mehr gesetzt. Gern entführt man auch Rezepte aus dem nahen Elsass und peppt es pfälzisch auf. Flammkuchen, Grobe Bratwürste, Pfälzer Leberwurst und Grieweworscht sowie Lewwerknepp oder Flääschknepp werden mit Finesse und typischen Kräutern verfeinert.

Das bekannteste Pfälzer Gericht ist der Saumagen oder „Saumache“. Ein gereinigter Schweinemagen dient einer Mischung aus magerem Schweinefleisch, Bratwurstbrät, Kartoffeln und evtl. Zwiebeln oder Kastanien als Hülle. Ja… typisch Pfalz gibt es auch hier zahlreiche Variationen, ein richtig oder falsch gibt es nicht, solange die Verhältnisse stimmen. Sauerkraut ist die typische Beilage, passt immer und nahezu zu allem. In den Hütten und Weinstuben steht oft der Schiefe Sack oder Pfälzer Teller auf der Karte, beides sind Kombinationen aus einer Bratwurst, einem Leberknödel mit Kraut und Brot. Beim Pfälzer Teller wird zudem noch eine Scheibe angebratener Saumagen serviert.

Und…ein vollmundiger Klassiker ist und bleibt bis Gott aus dem Himmel fällt die Pälzer Hawwedampfnudle, Hawwedambnudel oder auch Dampfknepp.  Zu dieser deftigen und leckeren Hausmannskost nach „Oma’s Art„ passen eingemachtes Obst, Obstsuppe, Kartoffelsuppe, Wein- und Vanillesoße gleichermaßen gut. Die beliebteste Beilage zur Dampfnudel ist aber eindeutig die Weinsoße (Woisoß’). Als Hauptgericht wird zuvor eine Kartoffelsuppe (Grumbeersupp‘) oder Gemüsesuppe gereicht.

 

dekoratives Element
Foto: Ralf Ziegler Deutschen Weinstraße e.V. ´

In meinen „Kulinarischen Notizen“ und auf in „Lust auf Weingut“ beschreibe ich gern jene kulinarischen Stätten, die ein wirkliches Einkehrvergnügen bereiten. Hier steht nicht nur der Wein im Vordergrund, sondern auch die leidenschaftliche Kochkunst. Meist stelle ich bei meinen kulinarischen Begegnungen in der Pfalz fest, dass die Vertrauenswürdigkeit steigt, wenn Einheimische (und nicht nur der Wirt) solche Einrichtungen mit einem breit-stolzen Lächeln adeln.

Gebrüder Schenk-Siebert – Ein echtes Stück Familienhandwerk

Sie sind wahrlich nicht laut, weder gekünstelt oder gar überspannt. Sie gestalten Neues ohne die 450-jährige Tradition aus dem Blick zu verlieren, bleiben auf dem Boden und haben dennoch den Himmel im Blick.  Sie sind sich auch nicht immer einig… jedoch finden sie in all ihrem Tun die gemeinsame Schnittmenge und gestalten einzig“einig“ die Zukunft.  Zwei Typen, eine Linie, klarer Stil, viele Ideen und reichlich Faszination. All dies bietet Storytelling und Trinkfreude pur! 

Christoph und Johannes Siebert sind nicht anders. Aber verschieden. Und das mit Stil und Charakter. Christoph managt den Außenbetrieb, Johannes den Keller. Und beide bringen sie höchstes Kulturgut gemeinsam in die Flasche.

Schon sehr früh nach seinem Abschluss an der Hochschule in Geisenheim war Johannes Siebert klar, dass er gemeinsam mit seinem Bruder nicht nur Wein produzieren möchte, sondern auch ein Teil einer Bewegung sein möchte, die neue Pfade beschreitet. Klar ist es bei der Größe ihres Betriebes schwer möglich 100% Biodynamik umzusetzen, doch schwer heißt nicht unmöglich und schwergefallen sind den beiden Jungs Herausforderungen nie. Es spornt sie eher an. 

Christoph setzt sich täglich mit dem Draußen, mit den harten Tatsachen des Terroir auseinander, denn bereits hier entstehen die sensorischen Ausprägungen der Weine. Das einzigartige Nordpfälzer Kalkstein-Terroir steht für fruchtbetonte und gehaltvolle Rieslinge mit harmonischer Säure. Hier entstehen die fruchtig-süße Noten von Mango, Maracuja, Pfirsich und Aprikose gepaart mit salzigen oder rauchigen Noten. Nur eine nachhaltig-naturnahe Bewirtschaftung ohne Einsatz von Herbiziden schafft eine gesunde Grundlage für vielschichtige Weine mit großem Entwicklungspotenzial und für die nächsten Generationen. 

Christoph und Johannes wollen die besten Weine aus ihren Weinbergen machen, aber auch die gesündesten. Sie wollen ihrer nächsten Generation, welche gerade noch laut im Hof rumtollt, einen gesunden Boden und eine lebenswerte Zukunft überlassen.

Im Keller…..Weit weg von der Mainstream-Technik konzentriert sich Johannes auf schonende Verarbeitung, ein längeres Hefelager sowie auf kleine Holzfässer. Heraus kommen sehr individuelle Weine, komplex, dicht, kräuter-würzig und mineralisch, leicht salzig. Neben den Paradeweinen will Johannes sich in Zukunft vor allem auch auf die  internationalen Rebsorten Cabernet-franc, Cabernet Sauvignon und Syrah konzentrieren. 

Bei den Sieberts wird klar, dass Weinmachen kein Nine-to-Five-Job sondern sensible Handarbeit ohne Kompromisse und ohne Zeitplan ist. Weinmacher bedeutet für ihn, offen und kreativ zu sein ohne dabei abzuheben. Neue Akzente setzen, ein Stück mehr an der Stilistik feilen, sich nie der Zukunft widersetzen und  immer Schwächen erkennen und hieraus neue Stärken kreieren.

Bereits die Einstiegsweine zeigen, dass ein guter und ehrlicher Wein nicht teuer sein muss. Sie bieten viel Frucht, sortentypische Aromen und satte Trinkfreude und bei der facettenreichen Spannbreite der Schenk-Siebert Weine wird klar, dass Wein ein großartiges, vielseitiges und faszinierendes Naturprodukt mit einem ganz eigenen Universum ist.

Die kraftvolle, reiche und fruchtige Stilistik ihrer Weine überzeugt ebenso wie ein kunterbuntes Universum weit weg von Üblich und Klassisch. Und… die Jungs überzeugen täglich aufs Neue auch Vater Gerhard, welcher mit Stolz und Zuversicht schon früh das Potenzial seiner beiden Söhne erkannte und einfach losgelassen hat… ohne jedoch den Blick und das Familienherz zu verlieren, denn auch künftig sind alle Entscheidungen ein echtes Stück Familienhandwerk.

Weingut Schenk-Siebert, Leiningerstraße 16, 67269 Grünstadt

Ja… ist denn schon Wein „achten“? Die neuen 20er Weine

Da liegt er nun im Glas… der erste Tropfen des neuen Jahrgangs 2020!

Zweifelsohne… der neue Jahrgang 2020 wird ein Großer werden. Es war ein Jahrgang, welcher fast das gesamte Wetterorchester auf die Bühnen der Natur ertönen ließ. Die frühe Traubenreife, die frühe Ernte und die zickigen Kapriolen von Madame Corona zerrten an allerlei Nerven. Da wackelten selbst die Rüttelpulte mancher Kellerei unrhythmisch durcheinander. Folglich war 2020 auch von starker Ungewissheit geprägt. Doch im Finale wurden die Weinmacher der Pfalz mit sonnigem Herbstwetter und kerngesunden, aromatischen Trauben entschädigt und brachten sodann doch noch wunderbar-prächtige Qualitäten und ordentliche Mengen hervor. Spätestens, wenn der erste Tropfen ins Glas fließt und unsere Sinne einnimmt, werden wir erschmecken, dass uns dieses Jahr große Genussfreude in die Seele spült.

Seit Beginn November füllen einige Winzer den neuen Jahrgang auf die Flasche und stellen diese auch völlig ungeniert und voller Zuversicht in den Verkauf. Was Winzer aus Neuseeland oder Südafrika uns bereits im Oktober auftischen, schaffen Pfälzer Weinmacher in höheren Qualitäten ebenfalls. Wetten!

Bereits bei den ersten Proben konnte ich feststellen, dass das Zusammenspiel von sensibler Handwerkskunst im Weinberg wie auch im Keller gepaart mit einer satten Portion Fachwissen, der nötigen Intuition und viel Achtsamkeit ausgezeichnete Qualitäten hervorbrachte.
Es ist gerade in der Pfalz zu erwarten, dass der Jahrgang 2020 Weine mit einer ganz klaren, sehr ausgeprägten Sorten- und Lagencharakteristik sowie angenehmer Säure erzeugt.

Meine Empfehlungen der „ersten Wilden 20er“:

Rivera 2020 trocken von Gerhard Schwarztrauber, Mußbach

Ein frisch-fruchtiger Cuvee aus Riesling und Sauvignon blanc, erinnert an gelbe Früchte wie Mirabelle und Mango sowie einen Touch Orange. Seine leichte Mineralität weckt Träume von Sonne, Strand und einem mehr von Meer.

2020 Sauvignon blanc trocken von Marius Meyer, Rhodt

Die Nase wird sofort eingefangen mit Aromen von Stachelbeere, grüner Paprika und Ananas. Im Mund zeigt er eine frisch-wilde Säure und einen guten Zug am Gaumen. Im Abgang werden die Sinne sanft von frischer Banane gestreichelt.

Sauvignon Blanc trocken 2020 von Lucas Kesselring

Auch bei diesem Wein wird die Nase von wild-fruchtigen Aromen wie Stachelbeeren, Paprika und einem Touch Kiwi bereichert. Ein frischer, bodenständiger Wein mit ganz viel Potential.

Pfalz. Jürgen Krebs! Wie der Mensch so sein Wein. Ganz viel Charakter eben!

Yeap! Das ist ein wahrer Charakter, welcher in unmittelbarer Nähe zum historischen Stadttor des idyllischen Winzerortes Freinsheim sein Unwesen treibt. Verdammt bodenständig, brutal ehrlich und jederzeit strahlt seine Lebensfreude auf sein Umfeld ab.

Jürgen Krebs passt in keine der üblichen Schubladen. Eine solche müsste ohnehin dem Einmeterneunzig-Mann angepasst werden und könnte nie verschlossen sein. So wie der Typ so seine Weine. Reich an Ausdruck, Lebendigkeit und großem Charakter. Nicht Brachialgewalt sondern Sanftmut und Geduld sind in seinem Weine spürbar. Seine Prägung und seine unverkennbare Leidenschaft wurden ihm sicherlich in die Wiege gelegt. Seine Inspiration und die Sensibilität zum Handwerk im Weinbau stählte er bei den VDP-Größen Knipser und Kuhn. Er nennt es allzu gerne „Laumersheimer Gehirnwäsche“, die ihm dort widerfahren ist. Seit 2008 führt er kontinuierlich und mit ganz viel Liebe zum Wein seine Produkte auf die Weltbühne ohne sich selbst ins Rampenlicht zu bringen. Schließlich trägt der Wein das feine Kleid. All seine Weine überzeugen durch inhaltliche Kraft, Dichte und Aussage. Sie erzählen von Hitze, Kälte, Sturm und Regen, von Natur und von den Menschen, die an seiner Entstehung beteiligt sind. Der Großteil seiner 22 Hektar Rebfläche liegen in den weltbekannten Lagen: Freinsheimer Musikantenbuckel und Oschelskopf sowie Herxheimer Honigsack. Die Böden sind geprägt von Löss, Lehm, Sand und Kalk. Er hegt und pflegt seine Reben sorgsam. Schließlich sind ein kurzer Rebschnitt, intensive Laubarbeit, strenge Ertragskontrolle, intensive Selektion und ein erfahrenes Auge für die eigenen Weinstöcke sind unerlässlich für seinen hohen Qualitätsanspruch.

Besonders imponiert haben mir der 2017 Freinsheimer Oschelskopf Riesling auf dem mittleren Gross trocken, welcher mit fein-fruchtiger Note meine Nase verzückt. Eine Spur Honigmelone gepaart mit Ananas und Orangenblüte nimmt den Gaumen vollmundig ein und lässt ein wenig die 7,5 % Säure bei einem Restzucker von nur 1,0 g spüren bevor weiße Johannisbeere die Harmonie ins Spiel bringt.
Unbedingt auch ein Genuss: Der 2015 Viognier. Dieser Wein begeistert durch seine ausgeprägte florale Note, erinnernd an Veilchen und Maiglöckchen. Am Gaumen präsentiert er sich sehr komplex mit Anklängen von gelben Steinfrüchten und einem Hauch Lavendel. Hinzu kommt eine schmeichelnde Säure, die dem Wein eine gewisse Crémigkeit verleiht, ihn jedoch keinesfalls langweilig erscheinen lässt. 

Und dann…. der 2019 Herxheimer Honigsack Riesling trocken, welcher die Sinne sogleich mit einem würzig-mineralischen Duft mit saftiger Frucht aus Mirabelle und gelben Äpfeln bereichert. Im Gaumen kommt er zunächst zart mit saftig-reifem Fruchtkörper daher und bringt dann sogleich seine 8 g/l Säure und einem Restzucker von 1,0 g ins Spiel.

Die Leidenschaft der Familie Krebs, Reben zu pflegen, reicht über Generationen zurück. Ihre fast 100-jährige Geschichte führen sie mit dem Ziel, eine Balance zwischen Tradition und Moderne zu schaffen, fort. Nicht Effekthascherei und Marketingtrends, sondern handwerkliches Können und behutsamer Umgang mit der Natur stehen im Zentrum ihres Handelns. Für Jürgen Krebs ist die Welt hektisch genug. Seinen Weinen möchte er die notwendige Zeit zum Reifen geben. Der Weinkeller ist der Ort der Weinentstehung und der Reifephase, in der die Weine die nötige Zeit bekommen um ihrer Persönlichkeit vollen Ausdruck zu verleihen. Das Zusammenspiel von Erfahrung und Innovation lässt Weine entstehen, die mit ihrer unverwechselbaren Komplexität und Eleganz das Kleinklima und den Boden der Weinregion Freinsheim widerspiegeln. Damit schafft Jürgen Krebs jenseits technischer Produkte ein unverwechselbares und lebendiges Kulturgut.

 

Weingut Jürgen Krebs / Großkarlbacher Straße 10, 67251 Freinsheim / 06353 3149

https://www.weingut-krebs.eu

Pfalz. Die Genusszauberer der Natur – Felix Mayer-Themel & Ralph Gelbert

Wenn der Mayer mit dem Gelbert in den Farbtopf der Natur greift, dann könnte …?! Es wurde verdammt viel daraus. Das sind wahre Lebensschätze, die der leicht-verrückte aber unbedingt charmant-kreative Jungwinzer Felix Mayer-Themel meinen Sinnen präsentiert und sogleich beginnen wir über das Leben und gute Weine zu sinnieren. Was ist denn das Leben im Wein? Kann man es auf ein Glas fokussieren? Ach und überhaupt… wie ist das mit der hohen Kunst der Weinkultur? Hier an der nördlichen Kante der Pfalz hat sich der junge Weinmacher aufgemacht, die wahre Weinkultur gepaart mit ganz tiefer Tradition neu zu definieren ohne der alten Tradition des Weinbaus zu widersprechen. Die neuen Weinkreationen vom Mayerhof in Asselheim sind ganz weit weg vom Weichei- und Chichi-Wein. Ganz nah dran am Ehrlich-bodenständigen und markant. Ganz eng verzahnt mit der brachial aber auch liebevoll anmutenden Natur. Letztlich soll der Geist im Gaumen wieder erkennen, was einen Wein mit Charakter und das regionale Terroir auszeichnet.

Irgendwann stand er dann mal im Mayerhof… der vom Erfolg verwöhnte Künstler Ralph Gelbert, welcher mit verdammt viel Liebe zu dem Farbenspiel herrlicher Naturlandschaften der Pfalz auch die Nähe zur harten Handwerkskunst des Weinbaus suchte. So haben sie sich gefunden… die beiden Naturwandler.

Ralph Gelbert ist ein neugieriger Sucher und Genusssammler zugleich. Mit ganz viel Leidenschaft geht er hinein in Naturlandschaften und füllt seine Sinne mit facettenreich-bunten Eindrücken.

In seinem Atelier, unweit vom Mayerhof, in einer prächtigen Mühle am dramatisch-romantischen Bachlauf der Eis. Hier forscht, addiert, zerstört und interpretiert er seine Liebe zur Natur. Er liebt das Spiel mit Nuancen und setzt Farben verdammt gern ins Konträre. Inszeniert sie auf eine große Seelenbühne und lässt sie auch mal ganz gern lebensbejahend glänzen.

In all seiner Gier nach mehr an Weinkultur, seiner nimmermüden Arbeit im Weinberg sucht Felix Mayer-Themel immer wieder eine neue Herausforderung, eine neue Interpretation seiner Weine. Ganz gern wandelt er dann auch mal entlang am Extremen und probiert sich aus. Und ganz gern tauscht er sich hierüber aus. Mit Kollegen und mit dem Maler Ralph Gelbert.

Und sie haben Großes geschaffen. Felix und Ralph haben ihre Kunst miteinander vereint. Felix interpretierte ausgezeichnete Weine in nicht alltäglichem Flaschengewand. Ralph packt Farbwelten darauf, die ganz weit weg sind von einer abstrakten Malerei, sondern völlig ungegenständlich, nicht-abbildhaft sind und damit ihren eigenen künstlerischen Gesetzen gehorchen. Wie auf der Flasche… eine großartiger Geist der Natur und dessen Kunst.

Drei Weine bilden nun das Sortiment des Duos: Der 2017 CABERNET SAUVIGNON – ROSÉ kommt herrlich frisch, fruchtig-süffiger daher und präsentiert sich als rassiger Sommerwein, der Maßstäbe setzt. Die Nase wird umflirtet von Aromen mit Erdbeeren und Cassis, flankiert von grüner Paprika und Stachelbeere. Im Mund die volle Ladung Erdbeer-Johannisbeer-Sorbet mit unheimlich dichter und langanhaltender Struktur. Wie der schlanke und unkomplizierte Bruder eines Cabernet Sauvignon. Ein brachial-wunderbarer Rosé!

Der 2017 CHARDONNAY 500 Lagenwein gefällt sich ganz gut und stolziert etwas überreif aber nicht zu aufdringlich auf der großen Bühne der Sinne. Banane, Papaya Honigmelone, dazu eine feine Note Joghurt, frisches Brot, und dezente Holz – und Ledernoten vom Fassausbau. Extrem niedrige Erträge, Handlese, im 500 l Tonneau vergoren, mit wöchentlicher Bâtonnage versehen und unfiltriert gefüllt. Ja! Es ist ein ungewöhnlicher, eigenständiger Chardonnay, den man gut und gerne auch an langen Winterabenden vor dem Kamin genießen sollte.

Recht flott kommt der MÜLLER-Thurgau Gutswein daher und bringt gleich einen vollen Korb an exotischen Früchten mit. Die Nase erspürt auch eine frisch gemähte Wiese unter einem blühenden weißen Fliederbusch. Hell, mit grünen Reflexen schimmert er im Glas…. Und dann, der erste Schluck. Stachelbeere und grüne Paprika garniert mit einem Spritzer Grapefruit, tummeln sich auf der Zunge. Entspannung, gute Laune. Der Felix kann eben mehr als nur Müller – Thurgau. Hier wie bei all seinen, zuvor beschriebenen Weine, gibt er dem Wein ganz viel Charakter.

Ganz ehrlich!! Ich finde die zwei Naturkünstler genial-liebenswert. Es sind starke Charaktere die Kunst, jeder auf seine Art und dennoch so vergnüglich miteinander, dem Weintrinker in die Sinne schreiben.
Letztlich entscheidet der Weintrinker, welchen Wein er liebt und mit welchem er einen Teil seines Lebens teilt. Ich teile diese Weine nicht, aber herzlich gern meine Erinnerungen.

Ralph Gelbert / Deidesheimer Str. 16, 67435 Neustadt-Königsbach

http://www.gelbert.com