Das große Dings mit dem gesunden Brot

Kennen Sie das: Sie laufen in einen Bahnhof und ruckzuck verfängt sich ein Brezelduft in Ihrer Nase und bringt Sie fast magisch aus dem Tritt? Wichtig ist, dass wir die Wahnungen in unserem Geist erkennen und tatsächlich wieder in die Spur kommen. Nein! Nicht gesund! Oder mal schnell ein Griff in den Super-Schnell-Brotautomat im Supermarkt?

Konkret: Es gibt Brote und Backwaren, die man unbedingt umsurfen muss. Ich würde sogar sagen, dass rein quantitativ die meisten Brotprodukte nicht allzu gesund sind, selbst wenn man Gluten verträgt. Das gilt vor allem für Weißbrot, mit Pseudokäse oder tiefgefrorener Wurst überkleisterte Brötchen, Baguettes und Brezeln. Tatsächlich sind solche Brote bzw. Produkte eigentlich kein Nahrungsmittel, sondern das, was übrig bleibt, wenn man aus Brot alle Mineralien, Ballast- und Nährstoffe herausholt bzw. ignoriert. Und ja … Weißbrot ist eine unfeine Art Süßigkeit und eher ein Unlebensmittel. Und… eine Brezel bereichert  den Körper mit ca., 330 Kalorien.

Ein übliches Getreidekorn besteht im Kern aus einem stark glukosehaltigen Mehlkörper. Die meisten gesunden Stoffe des Korns befinden sich nicht im Kern, sondern in der mehrschichtigen Schale, die den Mehlkörper und den Keimling umhüllt. Beim Weißbrot werden Schale und Keimling entfernt, das Mehl wird, wie man sagt, „ausgemahlen“. Mehl von der Type 405 etwa ist weiß wie Kokain und ungefähr ebenso nährstoffreich: Es enthält nur 405 Milligramm Mineralstoffe pro 100 Gramm Mehl. Gesünder ist das spezielle französische Weizenmehl – Baguettemehl T65 „Label Rouge“ mit 630 Milligramm Mineralstoffen.

Bei einem Weizenkorn führt das Ausmahlen dazu, dass unter anderem 58 Prozent der Ballaststoffe, 83 Prozent des Magnesiums, 79 Prozent des Zinks, 92 Prozent des Selens, 61 Prozent der Folsäure sowie 79 Prozent des Vitamin E verloren gehen. Übrig bleibt eine „Zuckerbombe“. Weißbrot liefert uns somit reichlich Energie in Form von Glukose, die uns geradezu genial mästet. Außerdem sättigt es uns nicht mit Nährstoffen, die der Körper unbedingt braucht, sondern hinterlässt unseren Körper und Geist „nährstoffhungrig“.

Ein Vollkornbrot ist aufgrund der Nährstoffe von einem ganz anderen Kaliber und bereichert unseren Körper ungemein. Die ballaststoffreiche Schale, die den Zuckerkern umgibt, stellt zugleich eine heilsame physikalische Barriere dar: Die Hülle macht es unseren Verdauungsenzymen nicht leicht, an die „Zuckerbombe“ im Innern des Korns heranzukommen. Das führt dazu, dass der Zucker langsam ans Blut abgegeben wird. Ein grobes Vollkornbrot lässt den Blutzuckerspiegel nicht ganz so schnell steigen.

Handwerklich fein gearbeitete grobe Vollkornbrote und Vollkornprodukte gehören zu den gesunden Lebensmitteln, die man essen kann. Wer täglich Vollkorn isst, senkt sein Risiko für fast alle Altersleiden und Krankheiten. Vollkornweizenbrot oder ein urdeutsches Sauerteigbrot mit hohem Roggenanteil sind geradezu eine geniale Wahl zum Wohl unserer Gesundheit und des körperlichen Wohlfühlzustands. Natürlich kosten solche Brote einige Euros mehr. Doch dafür halten sie länger und man lebt noch viel länger gesund.

Eine Einschränkung habe ich dennoch. Leider gibt es immer weniger Bäcker, die noch ein „pures“ Brot backen, dessen Zutatenliste sich an einer Hand ablesen lässt und nicht an ein kryptisches Chemielexikon erinnert. Die heutigen Bäckerbrote stammen häufig aus irgendwelchen entlegenen Fabriken oder Großbäckereien, die täglich ihre hunderten von Filialen mit Mainstream-Massenprodukten versorgen. Der Bäcker selbst weiß nicht mehr, was drin ist. So können in einem einfachen Brot mittlerweile gut und gerne bis zu 200 Zusatzstoffe stecken, die in einem Brot eigentlich nichts verloren haben.

Ich mag und schätze gern die feine Nährstoffkunst der Handwerksbäcker oder der Bäcker mit der höchsten Auszeichnung „Brotsommelier“. Hier wird ehrlich und tatsächlich körpergenial gesund gebacken.

Schlussstrich: Die Fotos und das gesunde Brot habe ich mir vom Weltmeister der Brotsommeliers Michael Kress in Weinheim ausgeliehen.

Ein außergewöhnliches Idyll – Der Biergarten der Fuchs’chen Mühle

Im 17. Jahrhundert war Bier ein seliges Nahrungsmittel während der Fastenzeit.  Bayerische Paulaner-Mönche genossen 40 Tage lang ein extra starkes Bier (Doppelbock) als „flüssiges Brot“. Weil das Bier so lecker war, schickten sie eine Probe nach Rom – doch der Papst fand den inzwischen verdorbenen Trunk derart scheußlich, dass er den Konsum aus Frömmigkeitsgründen erlaubte, denn wenn es so schlimm schmeckt, zählt es definitiv als Buße. Hingegen sollte der Besuch eines Biergartens keine Buße, sondern ein Genuss für alle Sinne sein.

Im Sommer gehören Biergärten – à la “deutsche vita” – zum Lebensgefühl, denn in keiner anderen Jahreszeit ist die Vorfreude auf einen gemütlichen Abend im Freien so groß wie jetzt. Ein kühles Bier in der Hand, leckeres Essen auf dem Tisch und gute Gesellschaft – was könnte es Schöneres geben? Einfach rausgehen, die Sonne genießen und das Leben in vollen Zügen erleben. Ob zum Feierabend mit Kollegen, am Wochenende mit Freunden oder auf einen Sundowner alleine – ein Besuch im Biergarten verspricht stets beste Laune und kulinarische Erlebnisse.

Für mich ist der Biergarten hinter dem Hotel und Restaurant „Fuchs’sche Mühle“ in Weinheim der schönste Biergarten der Region. Er ist eine Wohlfühloase, bereichert vom Plätschern eines idyllischen Wasserlaufs und mitten in prächtig-grüner Natur. Hier ist ganz weit abseits vom Alltagsgewimmel und vom großen Getöse dieser Welt.

Der Service ist aufmerksam und herzlich, die Atmosphäre individuell und gemütlich. Hier sitzt man wie im Garten von Freunden.

Der Biergarten Fuchs’schen Mühle ist in vielen Dingen außergewöhnlich. Außergewöhnlich besonders. Direkt an dem Flüsschen Weschnitz lässt es sich ganz genüsslich verweilen. Und wenn einem danach ist, wandert man ein wenig im klaren Wasser zwischen Steinen und den eigenen Gedanken.

Das Ambiente ist irgendwo zwischen klassischem Biergarten, Biergarten-Mobiliar und upgecycelten Unikaten einer Mühle und Lichterketten versprühen einen heimeligen Charme. Viele grüne Nischen machen den Außenbereich besonders lauschig.

Das Essen ist köstlich, regional und bodenständig. Die Brotzeit mit Vollkornbrot und Rohkostsalat ist ein Genuss. Der MühlenGarten-Teller mit Schafskäse ist eine leichte Verführung und das Kalbsschnitzel geradezu ein Muss. Neben klassischen Spritz-Getränken, Bier, Wein und verschiedenen hausgemachten Limonaden gibt es auch außergewöhnlichere Drinks. Genuss pur an einem lauen Abend.

Fuchs’che Mühle, Birkenauer Talstraße 10, 69469 Weinheim

Bergstraße. Die genüssliche Nicht-Perfektion von Wein – Weinhändler Henning Seeger

Diese kleine Biene mit ihrer überdimensionierten Weinkiste auf dem Rücken knattert durch Weinheims Gassen, ganz so, als seien es die engen Gassen einer lebendig-lauten Stadt Italiens. Henning Seeger ist der splienig-leidenschaftliche Geist dieser niedlichen Piaggio-Ape. Ja… es ist die Begegnung mit zwei naiven Nicht-Perfektionisten, die sich gefunden haben. Henning ist Genuss- und auch mal gern Freigeist. Definitiv ist er Weinentdecker, Weinerklärer, ein liebenswert-entspannter Zeitgenosse und Weinhändler.

Wer dem zweifachen Familienvater begegnet, ordnet ihn eher in der Welt der Philosophen und Denker ein als in jener mit hoher Beschleunigung. Seine Kunden beliefert er geduldig, gepaart mit einem Touch Dolce Vita und einer quirrligen 3,5 PS-starken Piaggio-Ape, deren Beschleunigung nicht mit der Stoppuhr, sondern mit dem Kalender gemessen wird. Ein ideales Gefährt für Henning Seeger, denn so kann er sich ganz seinen Gedanken und Ideen widmen. Routiniert kurvt er durch schmale Gassen und winkelige Wege der Bergstraße. Parkt mal auf einem Platz oder im Gewimmel eines Marktgeschehens, packt seine Weintheke aus und philosophiert mit Weingenießer über die fabelhaft-schöne Welt der Weine. Und so mancher stellt mal wieder fest, dass Beratung mit viel Herzblut, gepaart mit authentischer Leidenschaft und reichlich Muße in seiner DNA steckt.

Stetig neu befindet er sich auf Entdeckungsreisen nach kreativen Weinmachern, die für naturnahes und kompromissloses Qualitätsstreben stehen und sich weit weg von Mainstream-Bubbles ihren Weinen und Sekten mit viel Charakter und Tiefe bewegen. Wein ist eben nicht gleich Wein.

Klar! Wein soll schmecken. Doch auch klar soll sein, dass Wein nachhaltig, authentisch und ehrlich schmeckt und seinen Charakter in der Nase wie auch am Gaumen widerspiegelt. Tutti- Frutti- Weine gibt es an anderen Orten, meist fernab von Seegers Weinheim.

Für Henning Seeger ist es eine gelebte Selbstverständlichkeit, dass er Weinkreateure persönlich und sorgfältig in deren Wirken entdecken und verstehen kann, denn er verkauft letztlich auch eine satte Portion Ehrlichkeit und schafft hierüber Vertrauen. Letztlich gibt das Vertrauen dem Gespräch über Wein mehr Stoff als der Geist. Bei Hennig Seeger ist jede Begegnung mit Wein sehr geistreich und so wahnsinnig lebensnah. Seine Erfahrung, seine Leidenschaft und dieses ganz besondere Gefühl von Genuss gibt er gerne weiter, damit die nächste Begegnung nicht allzu fern ist.

Übrigens: In ihrer statusfreien Niedlichkeit und naiven Nicht-Perfektion ist die Paggio-Ape eine Parodie auf unser ernsthaftes Leben und in der Welt des Verkehrs eines der letzten echten Abenteuer.

Weinhandlung WINEheim / Lindenstraße 5, 69469 Weinheim / 0178 233 288 1

http://wineheim.com