Stefan Dorst – Der Weinmacher, der der Unruhe auf der Nase tanzt

Es ist ein – fast heiliges – Kabinett größer wie auch besonderer Weine. Die Regale erinnern an eine längst vergessene Zeit, als noch die Droschken vor der Ladentür parkten. Auf den teils verbogenen Regalböden drängelt sich ein Quer durch die schönsten Weinlagen dieser Welt. Nicht Oberflächliches und ein Stück mehr… ach ne… ein großes Stück mehr als nur jene ordentlichen Weine, die wir in allerlei Handelsmärkten und Plattformen finden. Hier im Weinladen am kleinen Platz, inmitten der Landauer Altstadt, ist eine herrliche, leicht romantische, Genusslandschaft inszeniert. Hier lässt es sich vorzüglich durch die Handschriften besonderer Weinmacher probieren. Mittendrin… Stefan Dorst. Ein wurzelfestes Pfälzer Gewächs, weit weg von Unruhe und definitiv ein spannender Zeitgeist.

Er ist Weinmacher, Weinberater, Weltreisender, Weinhändler, Philosoph, Aufklärer, Koch und letztlich …ein liebenswerter Haudegen gepaart mit 40 Jahren Erfahrungen im Weinberg und im Keller. Er ist auch ein Denker, der danach strebt, Antworten auf grundlegende (Sinn-)Fragen über die Welt im Allgemeinen und die Weinwelt im Feinen, über die Weinmacher und deren Verhältnis zu der Naturlandschaft zu finden. Gern wandert er durch die Welt um zu helfen und zu verstehen. Gerade gestaltet er Wein in Spanien. Zuvor…mehr als 15 Jahre … kreierte er Weine in Südafrika. Beschäftigte sich intensiv mit der Rebsorte Pinotage und setzte fortan in der Pfalz all sein Wissen im Weinberg und im Keller um. 

Stefan Dorst ist aber auch Gutmensch und „Entwicklungshelfer“. Er zeigt einer Handvoll junger Winzer neue Blickrichtungen und Denkstrukturen auf. Führt sie weg von der Oberflächlichkeit, dem viel beworbenen Mainstream und der Tutti-Frutti Weinwelt hin zu mehr Klarheit, Bodenständigkeit und an die Wurzeln der Natur. 

Achtsam begegnet Stefan Dorst den Trauben im Weinberg und sorgt ich sehr um ein harmonisches Verhältnis. Sensibel blickt er in die Böden, fühlt die Trauben und deren Beeren…denn letztlich ist doch die Traubenqualität entscheidend. Daher ist auch eine frühzeitige Reduzierung am Weinstock sinnig wie auch sehr wichtig, damit die Kraft des Terroir den Trauben mehr Volumen und mehr Persönlichkeit gibt. Dazu eine achtsame Lese. Nur so gelangen die guten Trauben in den Keller und später auf die Flasche.

Klar hat er Verständnis für die Vielzahl von Ängsten, welche gerade in den heftigen Regenphasen den Winzer erfassen. Ernteausfall durch Krankheiten kann und mag sich kein Winzer leisten. Gleichzeitig gibt er zu Bedenken, dass ein richtig guter Wein nur dann entstehen kann, wenn man dem Naturprodukt seine Natürlichkeit lässt. Also weit weg von Herbiziden, zusätzlichen Schönungsmitteln wie Aromenenzymen, oder Tanninen. 

Große Weine entstehen mit reichlich Zeit und unbändiger Geduld. Nur so können sie sich entwickeln. 

Mit einem sanften Lächeln erzählt Stefan Dorst auch davon, dass Weine Fürsorge wie auch Führung benötigen. Ganz schnell kann ein Pinot Noir eine launische Diva und ungenießbar werden. Ein Riesling hingegen wird schnell erwachsen und möchte nicht mehr gehätschelt werden. 

All das geballte Wissen, seine Fülle an Ideen, eine brachial-liebenswerte Experimentierfreude und seine Handschrift bringt er auch in das Projekt „Dorst und Consorten“ ein.  In engagierter Zusammenarbeit mit einer kreativ-jungen Auswahl von geschätzten Pfälzer Weinmachern entsteht eine feine Auslese markanter, konsequenter und definitiv nicht konventioneller Weine für jene Weingenießer die einen außergewöhnlichen Geschmack lieben. Mit den Consorten Stefan Bietighöfer, Michael Naab, Johannes Bachtler, Georg Meier, Kai Fest,  Andreas Siben sowie Hannes Bergdoll und einer satten Portion Spiellaune bringt er außergewöhnliche aber auch charakterstarke Weine auf die Flasche, welche vinelogische Ausrufezeichen setzen. 

Sicher bin ich mir auch, dass Stefan gedanklich wieder ein paar Meter weiter ist und bereits sein nächstes Projekt in Planung hat. Und… ich bin mir auch sicher, dass er kein Unruhegeist ist.

https://weinhandlung-am-kleinen-platz.de

Bergstraße. Die genüssliche Nicht-Perfektion von Wein – Weinhändler Henning Seeger

Diese kleine Biene mit ihrer überdimensionierten Weinkiste auf dem Rücken knattert durch Weinheims Gassen, ganz so, als seien es die engen Gassen einer lebendig-lauten Stadt Italiens. Henning Seeger ist der splienig-leidenschaftliche Geist dieser niedlichen Piaggio-Ape. Ja… es ist die Begegnung mit zwei naiven Nicht-Perfektionisten, die sich gefunden haben. Henning ist Genuss- und auch mal gern Freigeist. Definitiv ist er Weinentdecker, Weinerklärer, ein liebenswert-entspannter Zeitgenosse und Weinhändler.

Wer dem zweifachen Familienvater begegnet, ordnet ihn eher in der Welt der Philosophen und Denker ein als in jener mit hoher Beschleunigung. Seine Kunden beliefert er geduldig, gepaart mit einem Touch Dolce Vita und einer quirrligen 3,5 PS-starken Piaggio-Ape, deren Beschleunigung nicht mit der Stoppuhr, sondern mit dem Kalender gemessen wird. Ein ideales Gefährt für Henning Seeger, denn so kann er sich ganz seinen Gedanken und Ideen widmen. Routiniert kurvt er durch schmale Gassen und winkelige Wege der Bergstraße. Parkt mal auf einem Platz oder im Gewimmel eines Marktgeschehens, packt seine Weintheke aus und philosophiert mit Weingenießer über die fabelhaft-schöne Welt der Weine. Und so mancher stellt mal wieder fest, dass Beratung mit viel Herzblut, gepaart mit authentischer Leidenschaft und reichlich Muße in seiner DNA steckt.

Stetig neu befindet er sich auf Entdeckungsreisen nach kreativen Weinmachern, die für naturnahes und kompromissloses Qualitätsstreben stehen und sich weit weg von Mainstream-Bubbles ihren Weinen und Sekten mit viel Charakter und Tiefe bewegen. Wein ist eben nicht gleich Wein.

Klar! Wein soll schmecken. Doch auch klar soll sein, dass Wein nachhaltig, authentisch und ehrlich schmeckt und seinen Charakter in der Nase wie auch am Gaumen widerspiegelt. Tutti- Frutti- Weine gibt es an anderen Orten, meist fernab von Seegers Weinheim.

Für Henning Seeger ist es eine gelebte Selbstverständlichkeit, dass er Weinkreateure persönlich und sorgfältig in deren Wirken entdecken und verstehen kann, denn er verkauft letztlich auch eine satte Portion Ehrlichkeit und schafft hierüber Vertrauen. Letztlich gibt das Vertrauen dem Gespräch über Wein mehr Stoff als der Geist. Bei Hennig Seeger ist jede Begegnung mit Wein sehr geistreich und so wahnsinnig lebensnah. Seine Erfahrung, seine Leidenschaft und dieses ganz besondere Gefühl von Genuss gibt er gerne weiter, damit die nächste Begegnung nicht allzu fern ist.

Übrigens: In ihrer statusfreien Niedlichkeit und naiven Nicht-Perfektion ist die Paggio-Ape eine Parodie auf unser ernsthaftes Leben und in der Welt des Verkehrs eines der letzten echten Abenteuer.

Weinhandlung WINEheim / Lindenstraße 5, 69469 Weinheim / 0178 233 288 1

http://wineheim.com

 

Bergstraße. Herrschaftszeit… der Gaiberg bebt – Brand’s Weinladen

Herrschaftszeiten… was für ein geiler Weinladen mit ganz viel Lebendigkeit und Lebensfreude! Bereits vorab sei erwähnt, dass der Ausruf „Herrschaftszeiten“ nichts mit Herrschaftszeit zu tun hat sondern heißt „Herr schau auf’d Seitn“ ,was bedeutet, dass der Herrgott weg sehen soll. Also „Herr schau auf die Seite“. 

Hier am Brand’s Weinladen inmitten von Gaiberg… 340 m über Heidelberg und unmittelbar am Rande schöner Weinlagen der Bergstraße stehen die Leut auf der Gass und halten sich fest an einem … mindestens… Glas Wein. Hier bei Natascha und Lars Brand sind die Leut gern Freund und Gast zugleich und immer auf Augenhöhe mit einer charmanten Auswahl guter Weine, leckeren Kaffeekompositionen und kleinen, köstlichen, Hand- und Gaumenschmeichlern. Klar, dass hier der Herrgott bewusst wegschaut, denn hier hat sich das Laissez -faire mit dem Weingott vereint. 

Seit 2014 betreiben die Brands eine kleine und stylisch-feine Weinhandlung. Ihr Sortiment ist ebenso außergewöhnlich wie sie selbstverständlich. Starke Typen mit großer Qualität zu einem fair-gesunden Preis-Leistungs-Verhältnis sind ihr Programm. Der aufstrebende Weinkreateur Sebastian Menges aus Rauenberg lehnt hier charmant am Grandsigneuer des Bioanbaus Gerhard Schwarztrauber aus der Pfalz. Von beiden begeistert der Chardonnay und Auxerrois ebenso wie der fein schmelzige  Chardonnay von Jungtalent und Weinmacher Johannes Balzhäuser aus Rheinhessen. 

Mittendrin dann auch mal ein fleischig-opulenter Rioja von Olmaza. Warm und sanft nach dunklen Beeren mit einem Hauch Kakao in der Nase. Ein solcher Wein lädt ein zur Gemütlichkeit und steht ganz nah an seinem Kollegen, dem „Miraflors Rouge“ von Lafage aus Frankreich, welcher zart nach Kirschen und Brombeeren in der Nase gepaart mit taufrischem, frühmorgendlichem Waldboden, duftet. 

Die Regale sind bunt gefüllt mit Besonderheiten aus der Region, Pfalz, Rheinhessen und natürlich auch Italien, Frankreich, Portugal oder auch Spanien. 

Klar! Auf Besonderheiten legen die Brands viel Wert und präsentieren verdammt gern, was sie selbst begeistert und inspiriert.

Inspirationen und tolle Gespräche, inmitten einer lebensfrohen Gemeinschaft, über Wein, die Welt und Geistreiches, mal mit schönen Klängen oder Gesang, mal am Piano oder an der Gitarre… bei Brands brennen die sinnlichen Momente wieder auf. 

Nicht selten stehen beide Arm in Arm mit dem Glück auf der Stirn und einem Glas besten Sektes von Johannes Raumland inmitten ihrer Gästeschar und prosten auf das, was längst geschah und gern noch einmal… mit ein wenig Blubber mehr geschehen darf.

Die Brands… sind wie sie sind… ein prächtiges Stück Weinladen mit schönen Erlebnissen nahe am Leichtsinn. Und der Herrgott schaut gern darüber hinweg.

Brand’s Weinladen / Hauptstraße 17, 69251 Gaiberg / 06223 4259123

https://brandsweinladen.de