Vergnügliches Improvisationstheater – Dominic Theobald 

„Oh, meine Seele dürstet nach neuer Nahrung – nach bessern Menschen – nach Freundschaft, Anhänglichkeit und Liebe.“  Friedrich Schiller 1774.

Wer in Frankweiler bei Dominic Theobald durch die Tür kommt, wird all dies finden. Eine unverfängliche Willkommenskultur, inmitten dessen Dominic herzlich bisweilen temperamentvoll seine Gäste bekocht, bewirtet und leidenschaftlich unterhält. Manchmal laut, aber nie unklar oder abseits der Bodenplatte. Dominic hantiert leidenschaftlich und stimmgewaltig mit all seinen Töpfen und Pfannen, um seinen Gästen seine ganz eigene Art von Kulinarik zu präsentieren. Er liebt das Improvisationstheater. Mal mit und auch mal ohne Bühne.

Dominic Theobald ist ein echter Pfälzer Bub. Er ist bärig, wandelbar, einzigartig, wuchtig, handzahm, aber sicherlich nicht geschmeidig. Er hat die berühmt-berüchtigte Koch-Schnauze und ist trotz des Geschwätzes über seine Person unentwegt nur er selbst geblieben. Den Boden mag und schätzt er. Die Haftung daran genießt er mit Bravour. Dominic Theobald passt in kein Klischee, in keine Stilrichtung, in keine Gruppe. Er zeichnet unablässig aufs Neue und unermüdlich an neuen Kreationen auf dem Teller. Trotz seiner geballten Leidenschaft arbeitet er mit stilistischer Raffinesse und Perfektion, gepaart mit sensiblem Gespür für Proportionen. Ja … Er mag durchaus auch als eigenbrötlerisch und häufig zu detailversessen betitelt werden … mag sein! Doch mir wird bei jeder Begegnung mit seinem Kochhandwerk klar: Theobald kreiert auf hohem Niveau die ehrliche Aromenkultur. Er lässt uns inmitten der Südpfalz Südfrankreich und auch mal die Toskana schmecken, ohne die Pfälzer Tradition zu verstecken. Wenn er seine Liebe zum Meeresgetier freien Lauf lässt, entsteht unverzüglich die Frage: Wie schafft es dieser Typ, solche Frische vom Mittelmeer in den Hinterhof von Frankweiler zu platzieren? Und wenn es denn mal wieder spät wird, versinkt der Tausendsassa der Kochkunst am Tisch mit seinen Kumpels bei bestem Wein und philosophiert!!!

 

Pfälzer Genuss Fraktion

Frankenburgstrasse 4, 76833 Frankweiler · www.pfaelzer-genuss-fraktion.de

Ein Typ. Ein Original! Maître fromager affIneur Hanns Stähle

Schon der französische Schriftsteller Jean Anthelme Brillat-Savarin erkannte: „Ein Nachtisch ohne Käse gleicht einer Schönen, der ein Auge fehlt.“ 

Wenn auch mit Freiburger Wurzel ausgestattet, ist für mich und ganz sicher für viele seiner Gäste und Kunden Hanns Stähle ein echtes pfälzisches Original. Sein kleiner Laden auf der Weinstraße bietet aller Platz und Genuss für ganz viel Geschwätz und Tratsch und lässt selten wieder los. Über der Tür schmückt das in feiner Handarbeit gefertigte Schild „Kolonialwaren Lambert“ den Ort allerlei bunter Geschehen. Hanns ist Maître fromager affineur. Hanns ist ein Typ und Hanns ist herrlich viel Mensch. Manchmal überrascht er mit Fliege am Hemdkragen und manchmal auch lässig, leger im Shirt. Für Hanns geht es nicht um das Äußere, sondern ganz und gar um die inneren Werte im Menschen wie auch in all seinen Produkten, welche er fein und elegant in seinem Laden präsentiert.

Ich kenne Hanns noch aus seinem wild engagierten Leben in Freiburg. Vor mehr als 40 Jahren zettelte er dort den Kampf für den damals unzulässigen Rohmilchkäse an. Mit gerichtlichem Erfolg und zur Freude vieler Genussjünger war nun Rohmilchkäse en vogue. Er war es auch, welcher erstmals den bekannt-berüchtigten Primeur aus Frankreich in Freiburg einführte und folglich vor 40 Jahren den Wein nach nächtlichem Transport zum Frühstück präsentierte. Ja! Er ist ein guter Charakter, dieser Hanns aus Freiburg!

Bei seiner Tour 2011 durch die Ecken der Südpfalz entdeckte er die leerstehende Metzgerei. Es war seine ganz besondere Art von Liebe auf den ersten Blick. Mit handwerklichem und leidenschaftlichem Geschick entstand sein Laden. Hier gibt es leckeren Käse aus Frankreich, Italien und der Schweiz. Auch Brot, Obst, Gemüse, Wurst und nicht zuletzt Pfälzer Wein bereichern mit ganz viel Geschwätz aus dem Dorf und der Welt.

Noch heute ist der Rohmilchkäse Stähles große Leidenschaft. Gern referiert der nun 76-Jährige in seinen Kursen oder bei Wein-Käse-Proben hierüber. Es ist eine definitive Bereicherung, Hanns Stähle zu begegnen und all sein fundiertes Wissen aufzusaugen. Ich hoffe sehr, dass Hans Burrweiler der Region und auch der Welt noch lange erhalten bleibt.

Hauptstraße 31  · 76835 Burrweiler ·  +49 (0) 63 45  95 46 062 www.kolonialwaren-lambert.de

Das Leiden mit der Leidenschaft – Karl-Emil Kuntz

Den berühmten wie auch berüchtigten Stern trug Karl-Emil Kuntz mit Stolz und hoher Würde. Er ist kein Typ, welcher laut über seine Kochkunst sprach, sondern präsentierte seine kreative wie auch leidenschaftliche Kochkunst dem Gast mit einer besonderen Note, Charme und einer feinen Nuance Demut auf den Tellern. Für seine Gourmetküche war er seit Jahrzehnten in allen Restaurantführern eine feste Größe mit hohen Bewertungen. In seinem zweiten Restaurant im Hause, der „Pfälzer Stube“, widmete er sich vor allem einer brillant optimierten Regionalküche.

2018 hängte Karl-Emil die Schürze an den Haken und übergab die feinsortierten Löffel und Töpfe an seine Tochter Erika Kuntz und Ihrem Mann Fabio Daneluzz

Nach dem Tod seiner Mutter entdeckte der Achtjährige rasch in der Welt des Kochens und lernte unter den staunenden Augen einer Freundin seiner Mutter, wie man ein gutes Cordon bleu macht. Folglich stand er bereits früh mit herzlicher Leidenschaft am Herd und an der Spüle und half besonders an den Wochenenden im damaligen Ausflugslokal wie auch in der eigenen Landwirtschaft aus.

Bodenständige, ehrliche und saisonale Küche war schon immer ein Herzensthema von Karl-Emil. Schließlich wurde er dazu erzogen, dass nur mit frischen Produkten und besonders aus dem eigenen Garten gearbeitet wird. Diese ganz besondere Art einer authentischen Regionalküche und seiner brillant optimierten Kochkunst belohnte Michelin bereits 1986 mit einem Stern, welchen er über 30 Jahre, mit viel öffentlicher Wertschätzung, verteidigte.

Karl-Emil Kuntz sagte einmal: „Unser Beruf ist, genau wie bei einem Pfarrer oder einem Handwerker. Der Beruf muss mit Leidenschaft und Berufung ausgeübt werden“.  Man braucht immer das nötige Herzblut, egal, was man macht. „Gepaart mit etwas Geschick kann es dann nur zum Erfolg kommen.“

Legendär war seine ganz eigene Interpretation vom „Pfälzer Lieblingsgericht“: eine deftige Kombination aus Saumagen, Bratwurst, Leberknödeln, Sauerkraut und Kartoffelpüree. Hier bewies Kuntz, dass er ein unglaubliches Gefühl für die Balance der Zutaten hat. Gemeinsam mit seinem eingeschworenen 17-köpfigen Team vermischte er Feines mit besonderen Aromen der Welt. 

Bei Karl-Emil Kuntz hatte der Gast immer Vorrang, schließlich ist er es, der das Team bezahlt. Diese Philosophie gab er auch immer seinen Mitarbeitern mit. 

„Egal, was passiert: Der Gast muss zufrieden unser Haus verlassen“

Konsequent, stilsicher und… mit Tiefgang

Georg Meier klingt weit mehr als nur deutsch – ein Name, der in der Weinszene Klang und Farbe hat, denn wo auch immer ich unterwegs war in der Pfalz wie auch im Fachhandel und auf den Namen Georg Meier zu sprechen kam, merkte man die leicht bewundernd hochgezogenen Augenbrauen. Ein Name, der auf fünf Generationen bis zum Jahre 1885 zurückblickt. Herkunft gepaart mit Tradition ist bodenständig und verpflichtet zugleich. Nicht erst seit seiner Übernahme des elterlichen Betriebes 2005 lebt Georg diese Verpflichtung mit herzlich viel Leidenschaft und einer satten Spur Familiensinn.  

„Qualität kommt vom Quälen“

Windstill ist es hier oben selten, denn auf dem Michelsberg, zwischen Burrweiler und Weyher gelegen, weht stets eine frische Prise aus dem Modenbachtal, umschmeichelt die Weinreben und verhilft ihnen so zu einer langsameren Reife. Hier auf Buntsandstein und Blauschiefer wurzeln die besten Rieslingreben von Georg Meier. Diese besonderen Gesteinsarten verleihen dem Wein sehr charaktervolle, mineralische Noten. Doch erfordert gerade diese sonnige Hanglage auch feine und teils quälende wie auch achtsame Handarbeit. Mit einem zaghaften Lächeln verweist er darauf, dass er jeden Rebstock mit all seinen Schwächen und Stärken kennt. Georgs Leitsatz „Qualität kommt vom Quälen“ wird bei all den Begegnungen mit ihm spürbar. Aber auch die Granit- und Rotliegend-Böden im Burrweiler Altenforst stehen für straffe, puristische und mineralisch unterfütterte Rieslinge, die zu Georgs Spezialität zählen. Mit sensibler, konsequenter, Handarbeit im Weinberg wie auch im Keller gelingen ihm prächtige Weine mit Tiefgang und opulentem Charakter. Sein Augenmerk gilt dem Riesling und den weißen Burgundersorten ebenso wie dem Spätburgunder, Merlot und Cabernet Sauvignon. All seine Weine sind individuell gestaltet: Rieslinge filigran, weiße Burgunder mit Kraft, die Rotweine mit Körper und Power.

Verantwortung mit einer schmeichelnden Portion Charme und einer klaren Zieldefinition kann er gut. Georg ist geerdet und weiß mit den Grenzen und Herausforderungen einer lebendig-gesunden Natur wie auch dem Klimawandel umzugehen.  Gerade draußen im Weinberg ist die uneingeschränkte Achtsamkeit mit der Natur elementar. Ebenso wie sein gelebter Feingeist für Familie und beste Freunde. Ein guter Typ eben!

Weingut Meier / Hübühl 9, 76835 Weyher in der Pfalz / 0 63 23 988 599 / https://wein-meier.de

Ja… ist denn schon Wein „achten“? Die neuen 20er Weine

Da liegt er nun im Glas… der erste Tropfen des neuen Jahrgangs 2020!

Zweifelsohne… der neue Jahrgang 2020 wird ein Großer werden. Es war ein Jahrgang, welcher fast das gesamte Wetterorchester auf die Bühnen der Natur ertönen ließ. Die frühe Traubenreife, die frühe Ernte und die zickigen Kapriolen von Madame Corona zerrten an allerlei Nerven. Da wackelten selbst die Rüttelpulte mancher Kellerei unrhythmisch durcheinander. Folglich war 2020 auch von starker Ungewissheit geprägt. Doch im Finale wurden die Weinmacher der Pfalz mit sonnigem Herbstwetter und kerngesunden, aromatischen Trauben entschädigt und brachten sodann doch noch wunderbar-prächtige Qualitäten und ordentliche Mengen hervor. Spätestens, wenn der erste Tropfen ins Glas fließt und unsere Sinne einnimmt, werden wir erschmecken, dass uns dieses Jahr große Genussfreude in die Seele spült.

Seit Beginn November füllen einige Winzer den neuen Jahrgang auf die Flasche und stellen diese auch völlig ungeniert und voller Zuversicht in den Verkauf. Was Winzer aus Neuseeland oder Südafrika uns bereits im Oktober auftischen, schaffen Pfälzer Weinmacher in höheren Qualitäten ebenfalls. Wetten!

Bereits bei den ersten Proben konnte ich feststellen, dass das Zusammenspiel von sensibler Handwerkskunst im Weinberg wie auch im Keller gepaart mit einer satten Portion Fachwissen, der nötigen Intuition und viel Achtsamkeit ausgezeichnete Qualitäten hervorbrachte.
Es ist gerade in der Pfalz zu erwarten, dass der Jahrgang 2020 Weine mit einer ganz klaren, sehr ausgeprägten Sorten- und Lagencharakteristik sowie angenehmer Säure erzeugt.

Meine Empfehlungen der „ersten Wilden 20er“:

Rivera 2020 trocken von Gerhard Schwarztrauber, Mußbach

Ein frisch-fruchtiger Cuvee aus Riesling und Sauvignon blanc, erinnert an gelbe Früchte wie Mirabelle und Mango sowie einen Touch Orange. Seine leichte Mineralität weckt Träume von Sonne, Strand und einem mehr von Meer.

2020 Sauvignon blanc trocken von Marius Meyer, Rhodt

Die Nase wird sofort eingefangen mit Aromen von Stachelbeere, grüner Paprika und Ananas. Im Mund zeigt er eine frisch-wilde Säure und einen guten Zug am Gaumen. Im Abgang werden die Sinne sanft von frischer Banane gestreichelt.

Sauvignon Blanc trocken 2020 von Lucas Kesselring

Auch bei diesem Wein wird die Nase von wild-fruchtigen Aromen wie Stachelbeeren, Paprika und einem Touch Kiwi bereichert. Ein frischer, bodenständiger Wein mit ganz viel Potential.