Cafe Süssholz – Tanzalarm der Schmetterlinge

Reisende, Durchreisende, Verirrte und ganz besonders die Pfälzer kennen und lieben die Pfalz für den Lebensstil, die Kultur, die Pfälzer Küche und natürlich den, nie um Aufmerksamkeit verlegene Wein sowie ihre facettenreichen Cafés entlang der Weinstraße. Doch anders als beim Wein lassen zahlreiche Cafés das wunderbare Prinzip, das dem Kaffee als Getränk mit verbindendem Geist sehr entspricht und seine Verbindung von Kulturen, Nationen, Religionen und Personen noch weiter unterstreicht, vermissen. Die Liste der angebotenen Kaffeegetränke ist recht überschaubar und selten kreativ. Doch Pfalz wäre nicht Pfalz, wenn sie nicht auch solche Gaststuben kultivierte.

Die Begegnung, der Flirt, zum Plaudern oder auch nur zum Chillen…  Kaffeegenuss gepaart mit Secco, Sekt oder Wein eroberte in den letzten Jahren die Pfalz und ist meist eine gekonnte Inszenierung, die zu beliebten Treffpunkten der intellektuellen Eliten, Künstlern und Lebenskünstlern wurden. 

Es lässt sich genuss-vorzüglich erkennen, dass es doch noch einige, wenn auch noch wenige Kaffeestuben und Genussgärten gibt, die bei der Zubereitung und seinem Genuss immer wieder Neues versuchen, ohne dabei das Wesentliche, den Geschmack außer Acht zu lassen. Ein solches Refugium ist ganz sicher das Café Süssholz, inmitten einer alten Schlossanlage in Blickachse zum Hambacher Schloss: 

Cafe Süssholz – Tanzalarm der Schmetterlinge

In diesem prächtigen Traumgarten mag die Seele gern Platz nehmen.  Alte Apfelbäume nehmen mit ihren kräftigen Ästen gern in den Arm und ein blühender Trompetenbaum gibt den sanften Tonarten wieder ein Zuhause und ein zart-blättriger Gingko fängt dumme Gedanken ein. Hier ist die Wimmelwelt einfach mal ausgesperrt und lässt unseren Sinnen Raum für sanften Kaffeeduft, tanzende Schmetterlinge oder das Liebesgeträller zahlreicher Vögel, welche hier gern zu einem Stell-Dich-ein verweilen. Im Hintergrund zirpt das Mahlwerk der Kaffeemühle, die Augen nehmen kunterbunt-genüsslichen Kuchen wahr und die Sonne streichelt sanft über den Moment. 

Am Abend verwandelt sich die Bühne in eine Tapasbar Lubo, der mallorquinische Koch am Herd zaubert eine kulinarische Blickachse von der Pfalz nach Spanien. Am Wochenende ist ein prächtiges Frühstück Programm.  

Bodenständig und regional aber auch lachend und träumend geht es hier zu… in der liebenswerten Welt des Cafe Süßholz im Weingut Schäffer unterhalb des Hambacher Schlosses.

 

Café Süssholz im Weingut Schäffer – Schlossstraße 100, 67434 NW-Hambach / Telefon: 06321 2859

Die Aromen der Zufriedenheit – Weinkreateur Andreas Schäffer

Urplötzlich ist es still, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, als hätten das touristische Treiben, das Knattern von Traktoren und die ständigen Bewegungen in den Gassen und auf den Straßen den Verkehr, aus Respekt vor der Erhabenheit dieses Ortes, ihre Tätigkeit eingestellt. Hambach nimmt unsere Seele gefangen und hüllt sie in eine laute Stille. Und mittendrin, umgeben von den wildromantischen, jahrhundertalten Mauern in der Schlossstraße im ehemaligen Ökonomiehof von Schloss Geispitz mit seinem zauberhaften Garten- und der Terrassenlandschaft, öffnet Andreas Schäffer sein Hoftor und gibt Einblick in das facettenreiche Handwerk großer Weinkunst. Herzenslaut, offenherzig und sogleich voll im Thema.

Andreas Schäffer liebt jeden Aspekt des Weinbaus und genießt all die kunterbunten Begegnungen und Momente in der Natur, im Weinberg, auf den herrlichen Weinbergterrassen hinter seinem Weingut und im Keller. Er hat die Fähigkeit, vorauszusehen, wohin sich die Weinwirtschaft entwickelt und sein Weingut für das Wachstum zu positionieren. Aber die Rollen, die er am meisten genießt, sind die Momente mit seiner Lebenspartnerin Bernadette Feiler, mit seinem Sohn Johannes und mit lieben Freunden. Letztlich sind es die glücklichen Momente, die wir gemeinsam leben und macht, besonders inmitten des Glücksortes Hambach mit Blick zum Hambacher Schloss, das Leben so ungemein lebenswert.  Zu all diesem Glück gehören sicherlich auch die Lagen, in welchen die Reben des Familienbetriebs stehen. 

Oberhalb seines Schlossgutes sind es die warmen Buntsandstein-Lagen, die dem Wein fruchtige Aromen wie Pfirsich, Birne oder Apfel geben und den Gaumen mit einer feinen Meersalznote kitzeln. Im Schiefer unterhalb des Alten Schulhauses in Hambach wurzeln die Rieslinge und geben ihnen eine sehr intensive, mineralische Struktur. 

Entlang der sonnigen Lagen, südlich von Hambach, thronen auf  Sand- und sandigem Lehmboden die Spätburgunder- und Syrah-Reben, welche im Tertiär vor ca. 25 Millionen Jahren entstanden. Ausgangsmaterial dieses Bodens sind Meeresablagerungen, welche dem Wein ein opulentes Bukett mit feiner Frucht und deutlicher Würze verleihen und für komplexe wie auch maskuline Weine stehen.

Andreas Schäffer ist kein Freund von halben oder unklaren Sachen. Das Potenzial, das er in seinen Weinbergen sieht, bringt er ohne Kompromisse zu hundert Prozent in die Flasche und lässt es zu, dass jeder Wein seinen eigenen Charakter entfalten kann und somit seine Herkunft spüren lässt. Schließlich ist Wein ganz klar ein Naturprodukt und er sollte niemals verheimlichen, wo er herkommt.

Unterhalb des optimalen Reifegrads will er keine Trauben lesen, weshalb seine Weine auch gern durch Üppigkeit und Kraft aus dem üblichen Rahmen fallen.

Natürlich findet er auch im Keller seine Glücksmomente. Die Schwierigkeit besteht nicht darin, dass es keine schönen Wirklichkeiten beim Wein gibt, sondern darin, dass so wenige von uns sie erkennen, wenn wir ihnen begegnen. Und… mit einem charmanten Augenschlag macht er seinen Mitmenschen klar, dass es ihm sehr am Herzen liegt. ungewöhnliche Weine zu machen, die nonchalant die Seele berühren und haften bleiben. 

Was ihn erfüllt, ihn antreibt? Das Gefühl, was ganz Eigenes und Besonderes zu machen, zutiefst regional verwurzelt zu sein und lauter Aromen und Glücksmomente seiner Heimat zu sammeln. 

Und… gern nimmt er sich die Zeit und setzt sich im Garten unter den Trompetenbaum, genießt einen ehrlich-authentischen Wein,  sinniert über die Facetten des Glücks, beobachtet mit seinen wachen Seelenaugen den lebenswerten Mikrokosmos um sich herum und ist einfach mal… satt zufrieden.

Weingut Andreas Schäffer / Schlossstraße 100, 67434 Neustadt an der Weinstraße / 06321 2859  / http://www.schaefferwein.de

Vielen Dank an Anne Schütz für die Fotos in diesem Beitrag

Pfalz. Jürgen Krebs! Wie der Mensch so sein Wein. Ganz viel Charakter eben!

Yeap! Das ist ein wahrer Charakter, welcher in unmittelbarer Nähe zum historischen Stadttor des idyllischen Winzerortes Freinsheim sein Unwesen treibt. Verdammt bodenständig, brutal ehrlich und jederzeit strahlt seine Lebensfreude auf sein Umfeld ab.

Jürgen Krebs passt in keine der üblichen Schubladen. Eine solche müsste ohnehin dem Einmeterneunzig-Mann angepasst werden und könnte nie verschlossen sein. So wie der Typ so seine Weine. Reich an Ausdruck, Lebendigkeit und großem Charakter. Nicht Brachialgewalt sondern Sanftmut und Geduld sind in seinem Weine spürbar. Seine Prägung und seine unverkennbare Leidenschaft wurden ihm sicherlich in die Wiege gelegt. Seine Inspiration und die Sensibilität zum Handwerk im Weinbau stählte er bei den VDP-Größen Knipser und Kuhn. Er nennt es allzu gerne „Laumersheimer Gehirnwäsche“, die ihm dort widerfahren ist. Seit 2008 führt er kontinuierlich und mit ganz viel Liebe zum Wein seine Produkte auf die Weltbühne ohne sich selbst ins Rampenlicht zu bringen. Schließlich trägt der Wein das feine Kleid. All seine Weine überzeugen durch inhaltliche Kraft, Dichte und Aussage. Sie erzählen von Hitze, Kälte, Sturm und Regen, von Natur und von den Menschen, die an seiner Entstehung beteiligt sind. Der Großteil seiner 22 Hektar Rebfläche liegen in den weltbekannten Lagen: Freinsheimer Musikantenbuckel und Oschelskopf sowie Herxheimer Honigsack. Die Böden sind geprägt von Löss, Lehm, Sand und Kalk. Er hegt und pflegt seine Reben sorgsam. Schließlich sind ein kurzer Rebschnitt, intensive Laubarbeit, strenge Ertragskontrolle, intensive Selektion und ein erfahrenes Auge für die eigenen Weinstöcke sind unerlässlich für seinen hohen Qualitätsanspruch.

Besonders imponiert haben mir der 2017 Freinsheimer Oschelskopf Riesling auf dem mittleren Gross trocken, welcher mit fein-fruchtiger Note meine Nase verzückt. Eine Spur Honigmelone gepaart mit Ananas und Orangenblüte nimmt den Gaumen vollmundig ein und lässt ein wenig die 7,5 % Säure bei einem Restzucker von nur 1,0 g spüren bevor weiße Johannisbeere die Harmonie ins Spiel bringt.
Unbedingt auch ein Genuss: Der 2015 Viognier. Dieser Wein begeistert durch seine ausgeprägte florale Note, erinnernd an Veilchen und Maiglöckchen. Am Gaumen präsentiert er sich sehr komplex mit Anklängen von gelben Steinfrüchten und einem Hauch Lavendel. Hinzu kommt eine schmeichelnde Säure, die dem Wein eine gewisse Crémigkeit verleiht, ihn jedoch keinesfalls langweilig erscheinen lässt. 

Und dann…. der 2019 Herxheimer Honigsack Riesling trocken, welcher die Sinne sogleich mit einem würzig-mineralischen Duft mit saftiger Frucht aus Mirabelle und gelben Äpfeln bereichert. Im Gaumen kommt er zunächst zart mit saftig-reifem Fruchtkörper daher und bringt dann sogleich seine 8 g/l Säure und einem Restzucker von 1,0 g ins Spiel.

Die Leidenschaft der Familie Krebs, Reben zu pflegen, reicht über Generationen zurück. Ihre fast 100-jährige Geschichte führen sie mit dem Ziel, eine Balance zwischen Tradition und Moderne zu schaffen, fort. Nicht Effekthascherei und Marketingtrends, sondern handwerkliches Können und behutsamer Umgang mit der Natur stehen im Zentrum ihres Handelns. Für Jürgen Krebs ist die Welt hektisch genug. Seinen Weinen möchte er die notwendige Zeit zum Reifen geben. Der Weinkeller ist der Ort der Weinentstehung und der Reifephase, in der die Weine die nötige Zeit bekommen um ihrer Persönlichkeit vollen Ausdruck zu verleihen. Das Zusammenspiel von Erfahrung und Innovation lässt Weine entstehen, die mit ihrer unverwechselbaren Komplexität und Eleganz das Kleinklima und den Boden der Weinregion Freinsheim widerspiegeln. Damit schafft Jürgen Krebs jenseits technischer Produkte ein unverwechselbares und lebendiges Kulturgut.

 

Weingut Jürgen Krebs / Großkarlbacher Straße 10, 67251 Freinsheim / 06353 3149

https://www.weingut-krebs.eu