„Sekt-taktisch und perlen-glücklich“ durch die besinnlichen Tage

   Die besten Sekt-Empfehlungen für kluge Genießer

Ob barfuß im Schnee oder mit dicken Stiefeln auf einer blühenden Sommerwiese, ob zu Hause in der Badewanne oder vorm Kamin, gern beim Liebesblick in das zweite Augenpaar und besonders gern nach einer siegreichen Lebensetappe: Wenn es besondere Momente gibt, dann ist mittlerweile Sekt der Charmeur, der unsere Sinne bereichert und dem Ereignis den richtigen Touch gibt. Und ganz sicher lässt sich mit einem erfrischend-perlenden Winzersekt ein ach so anstrengender Alltag verabschieden und unsere Sinne in neue, harmonische Bahnen lenken.

Mal ehrlich: Ich glaube nicht, dass wir bescheiden geworden sind. Wir haben einfach verstanden, dass gute Sekte von deutschen Sektkreateuren den Champagner verdrängt haben, und es ist unseren Sektmachern gelungen, den Franzosen zu zeigen, wie Revolution wirklich funktioniert.

Typisch deutsch ist es sicherlich auch, dass wir so gern und ach so ausschweifend über Dinge und Momente diskutieren und fachsimpeln. Über die Welt im Allgemeinen und über Sekt oder Selters im Besonderen, über Perlen und Dosage, die unterschiedlichen Methoden, Kniffe und Tricks. Ja klar: Wie soll er sein und was ist der große Sekt für ganz viel Genussglücklichkeit? Und natürlich die metaphertheoretische Kardinalfrage: Worauf sollte man beim Sektkauf achten? Grundsätzlich sollte man doch Leib und Leben etwas Gutes tun, damit die Seele Lust hat, darin ihr Bettchen zu bereiten. Und ganz sicher sind hierfür Weichei-Sekten ganz weit weg von „gut“.

Es mag überkandidelt klingen, wenn man noch eines draufsetzt und sagt, dass es kein Sekt von der Billigsorte sein darf, sondern einer mit Pracht und Eleganz.

Bei all den schönen Möglichkeiten und Genusschancen habe ich mich für das gesunde wie auch glückselige Mittelmaß bei besten Qualitäten Pfälzer Weinkreateure entschieden. Es liegt bei 11,00 bis 17,00 Euro. Für diesen Preis bekommt man – wie folgt bewiesen – bereits feinste wie auch aufwändige Handarbeit, welche meist auch nach der Méthode traditionnelle oder Méthode champenoise, der klassischen Gärung in der Flasche, erfolgt. Die Gärung des Sektgrundweines erfolgt im Holzfass oder auch im Tank. Der zweite Gärungsprozess erfolgt dann in der Flasche. Hier wird der Grundwein mit „Liqueur de Tirage“ aus Zucker und Hefe bereichert. Weil nun besondere und hochwertige Sekte einen langen Reifeprozess benötigen, werden die Flaschen für mindestens 12 Monate, mitunter mehrere Jahre, gelagert. Je länger das Hefelager, umso authentischer der Rebsortencharakter. Der Gaumen wird bereichert von edler Würze, zartem Schmelz und einem feinen Prickeln, das durch die Kohlensäure aus der Gärung entsteht.

Bei den Sekten, die nun vor meinem Gaumen stramm wie auch schäumend Parade stehen, sind 24 Monate Hefelager keine Seltenheit. Einige Sektkreateure vertrauen auf die große Kunst ihres Handwerks und lassen den Grundwein 4 bis 6 Jahre auf der Hefe.

Bevor ich einige Top-Sekte empfehle, vorab noch eine kleine Einführung in die große Sektkultur.

Ein intensiver Geschmack wie auch ein opulentes Bukett werden letztlich über den längeren Kontakt mit dem „Liqueur de Tirage“ erreicht. Beim abschließenden Degorgieren – eine alte Bezeichnung für Enthefen – wird der entstandene Hefepfropfen entfernt, ohne dass der Sekt die Flasche verlässt. Man unterscheidet zwischen Kalt- und Warmdegorgieren. Beim Kaltdegorgieren wird die abgerüttelte Hefe im Flaschenhals eingefroren, indem die Flaschen kopfüber in ein Eisbad gesteckt werden. Anschließend kann die Flasche zum Öffnen umgedreht werden, ohne dass das Hefedepot den Sekt wieder eintrübt. Beim Öffnen des Kronkorkens wird der Hefe-Eis-Pfropfen durch den Gasinnendruck herausgeschleudert. Die Technik bietet mittlerweile vollautomatisierte Lösungen mit hohen Stundenleistungen an. Da beim Degorgieren immer auch ein wenig Schaumwein verloren geht, wird die Flasche mit der Dosage (franz.: liqueur d’expédition) wieder aufgefüllt. Mit dieser kann zugleich der Süßegrad des Schaumweines bestimmt werden.

Die Dosage besteht aus einem Gemisch aus Wein und Zuckersirup. Verzichtet wird auf die Dosage bei sogenannten Zero-Dosage, pas dosé und brut nature, die dann einen Restzuckeranteil von weniger als 3 g/l aufweisen.

Beim Warmdegorgieren (frz. dégorgement à la volée) wird das Hefedepot nicht eingefroren, die Flasche muss kopfüber geöffnet werden: Geschick und Schnelligkeit ermöglichen das manuelle Warmdegorgieren.

Bei einigen Weingütern werden die Flaschen auf Rüttelpulte – heute meist mechanisch – gebracht und in einem komplizierten Verfahren über Wochen gedreht und in immer steilere Winkel gebracht, bis letztlich die Flaschen auf dem Kopf stehen. Beim Rütteln setzen sich die Trübstoffe ab und der Sekt bekommt seinen kristallklaren Glanz. Und zum großen Finale bekommt der Sekt seine Dossage: ein Likör aus reifen edelsüßen Rieslingen oder fruchtigem Burgunder.

Und nun meine ganz besondere Empfehlung bester Sekte aus kreativ-pfälzer Hand:

Chef de Cave – Rosé Brut / Weingut Frank Kayser

Dieser Sekt gefällt bereits im Glas mit seinem fein-rosa Farbton, seinen tanzenden Bläschen und seinen eleganten Aromen von Erdbeeren und Rosenblättern. Frank Kayser versteht die Kunst für beste Sekte, welche sich gern elegant auf den großen Bühnen präsentieren und so manchen Champagner nonchalant verdrängen.  Ein Sekt, hergestellt in traditioneller Flaschengärung (Champagner-Methode) aus den Rebsorten Spätburgunder, Weißburgunder und Grauburgunder. Degorgiert wurde er nach 2 Jahren in der Flasche, um ihn weich werden zu lassen, damit er auch mit geringer Dosage auskommt und zu begeistern weiß. Auch die Aromatik überzeugt. Zarte Erdbeeraromen, eine Nuance Rosenblätter dazu, seine feine Perlage, die den Gaumen sehr weich umschmeichelt.

Sina und Frank Kayser sind liebenswerte Gastgeber mit verdammt viel Herz und Lebensfreude. Sie gestalten nicht nur ihr historisches Hofgut von 1575, sondern auch exzellente Bio-Weine, Schaum- und Perlwein aus traditionellen Rebsorten im Einklang mit der Natur.

Weingut Kayser / Rhodt unter Rietburg / www.kayser-wein.de

Pinot Rose´ brut / Weingut Peter Seelos

Der Peter hat einfach Glück. Beide Töchter wurden vom Weinfieber erfasst und gestalten nun mit viel Leidenschaft besondere Weine wie auch Sekte. Mit viel Geduld und Feingefühl gestaltet Rebecca Seelos hochwertigen Sekt. Ein besonderes Ereignis ist der St. Laurent Rosé, welcher 24 Monate Hefelager genoss und anschließend in kleinen Chargen degorgiert wurde. Somit bekommt der Sekt seine Zeit zur Entwicklung auf der Hefe und gewinnt eine besonders elegante Cremigkeit, ohne an Frische zu verlieren. Chapeau! Ein wahrlich hochfein-reinrassiger Rosé-Sekt mit ganz viel Lust und Laune auf mehr. Und allzu natürlich kommt er vornehm-elegant dank seiner feinen Würze daher und berauscht geradezu mit seiner fruchtigsüßen, herrlich duftenden Aromatik von saftigen Erdbeeren und hellen Beeren. Seine feine Perlage und schöne Säure machen diesen Sekt zu einem Genuss. Rebecca Seelos – jung, lebendig und sehr kreativ – gelingt es, im Zusammenspiel mit ihrem Vater prächtige Weine mit verdichteter Mineralität zu kreieren, ohne die Bodenhaftung zu verlieren.

Weingut Seelos / Rhodt unter Rietburg  / www.weingut Seelos.de

Sekt Pinot Meunier Rosé brut / Weingut Bernhard Koch

Bernhard und sein Sohn Alexander gestalten ihren Sekt in feinster wie auch aufwändiger Handarbeit, welche nach der Methode „traditionelle“ oder „„Méthode champenoise“ der klassischen Gärung in der Flasche erfolgt. Die Gärung des Sektgrundweines erfolgt im Holzfass oder auch im Tank. Der zweite Gärungsprozess erfolgt dann in der Flasche. So soll es eben sein und so lässt sich der fein perlende Rosé genießen. Die intensive Rosé-Farbe, die leicht ins Pinke geht, kitzelt die Nase mit einer feinen Hefenote, welche eine wunderbare rotbeerige Aromatik mit einem zarten Touch an getrockneten Cranberries und Himbeeren erkennen lässt.

Bernhard Koch sammelte auf vielen Auslandsreisen in Weinanbaugebieten wertvolle Erfahrungen. Seit einer Reise in die Champagne 1982 gilt eine seiner Leidenschaften dem Sektmachen – und daraus eben entstand das langfristige, große Engagement für Sekte. Ohnehin sind die Kochs für verdammt verblüffende Qualitäten bekannt. So überzeugen sie insbesondere mit Weinen der Réserve- und Grand-Réserve-Linie.

Spätburgunder Rosé extra brut / Weingut Bergdolt

Wer sich gern den „Großen Sekten“ hingibt sollte unbedingt auch bei Carolin Bergdolt in der ehemaligen Kloster Dependance St. Lamprecht in Duttweiler einen Stopp einlegen. Caro kreiert mit ihrem Vater Rainer eine prächtige Palette von außergewöhnlichen Sekten.

Der Spätburgunder Rosé extra brut durfte sich 34 Monate auf dem Hefelager ausruhen, bevor er degorgiert wurde. Im Glas gefällt sein Schimmern in zart-rosa. Die Nase wird bereichert mit einer kräftigen Note roter Beerenfrüchte, gepaart mit Himbeere. Im Gaumen folgt ein leicht cremiger Touch von Brioche. Eine vorzügliche Ansprache für all meine Sinne. Heiter und transparent im Aroma, trocken aber dennoch fruchtbetont im Geschmack. Gut integriertes Mousseux. Ganz feine, harmonische Säureadern unterstreichen den jugendlich-frischen Charme. 30 Monate Hefelager geben dem Sekt eine feine Perlage. Für Caro Bergdolt, die mit ihren Sekten in jedem Jahr große Preise einfängt, darf es gern noch einige Monate mehr sein. So sind sie eben, die Sektkünstler im Weingut Bergdolt Klostergut St. Lamprecht.

Weingut Bergdolt Klostergut St. Lamprecht / www.weingut-bergdolt.de

Lasst uns das Jahr so beenden, wie wir es verdient haben, und das Neue beginnen, wie wir es uns wünschen. Farbe, Genuss und die Perlen sollen stimmen.