Eine vinologische Rettung vor dem Alltag – Occhio Doro

Es geht heute mal wieder sehr quirlig im Herzen von Frankfurt zu. Konzentriert und geschickt umlaufe ich im Slalomschritt allerlei Gewimmel. Machtergreifende Radfahrer, leicht aggressive Mütter mit Kinderwagen und Handy fordern Vorfahrt ein. Banker und Manager mit einer Handvoll Imbiss hetzen zum nächsten Run auf Gewinn und hier wie auch da versucht der Rest der neuen Generation, die Welt zu retten. Die rauschende Welt der Coffee-to-go-Hektiker wird Stress zum Lebensinhalt.

Meine Rettung vor diesem Alltag der Überlebensindianer ist das Occhio Doro. Also auf in den 7. und rein in eine wahrlich genüssliche Wohlfühlwelt. Hier im toskanischen Restaurant mit Roof-Bar wird der Gast in einen Cocoon gepackt und dazu mit herrlichen Blicken in die Skyline Frankfurts und darüber hinaus bereichert und verwöhnt, zugleich. Kaum angekommen kann ich ausatmen und lasse mich gern von Ivo Buljan und seinem Team mit Aufmerksamkeit und sensibler wie auch wundervoller Servicefreude verwöhnen.

Meine schiere Lust auf einen guten Wein, der meine Sinne in den Genuss justiert und mich in eine innere Ruhe fallen lässt. Stjepan Kubula, einem Sommelier der alten Garde, gelingt es mal wieder, meine Navigation auf Gaumenfreude zu drehen.

Etwas Oliven, feine Artischocken, fluffig, leicht würziges italienisches Baguette sind die Begleiter für einen 23er Aurora Etna Bianco, der sogleich die Farben meiner Welt verändert. Strohgelb mit zart grünlichen Effekten liegt er im Glas. Trocken, frisch-säurebetont, mit salziger Mineralität und Zitrusnoten am Gaumen. Schön! Elegant, präzise, mit vulkanischer Mineralität und mediterraner Frische fasziniert dieser Wein, welcher auf dem Vulkangestein des Ätna wurzelt.

Zur grandiosen Burrata folgt ein leichter & frischer und fruchtbetonter Marangona Lugana 2024 vom Gardasee. In der Nase tummeln sich Noten von Pfirsich, Blutorange, Limone, Wiesenblumen und Mandeln.
Seine feine Säure und der leicht rauchige Unterton von Feuerstein runden den Trinkgenuss ab. Ja … auch hier überzeugt die fachliche Kompetenz von Stjepan.

Wir plaudern und sinnieren über die Welt der Weine, das Leben allgemein, das Dolce Vita und die herrliche Poesie von Weinen in Flaschen, während die Küche feines Gemüse aus der Toskana und einen perfekt auf den Punkt gegrillten Wolfsbarsch geradezu zelebriert. Stjepan dreht mit seiner Weinempfehlung mein vinologisches Fachwissen auf Tiefmast und aufkommenden Sturm. Ein kräftiger 2024er Le Volte dell’Ornellaia, in leuchtendes Rubinrot und einem Hauch Violett gewandet, fließt in mein Glas. Mutig! Das toskanische Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Petit Verdot kommt am Gaumen leicht puristisch, saftig und dennoch mit knackig frischer Beerenfrucht und frischer Säure daher. Saftiger Cassis und Schwarzkirsche – die Frucht spielt mit Nase und Gaumen. Die Tannine sind ultra-fein geschliffen und beinahe schwerelos integriert. Feine Kräuterwürze, gepaart mit feiner Mineralität und dunkler Schokolade, erzählen noch lange nach. Ja! Ich stimme nun unbedingt zu. Dieser Wein ist ein perfekter Partner zu Fisch. Auch wenn z. B. der Chablis von Jean-Paul & Benoit Droin meine Wahl gewesen wäre. Stjepan Kubula ist ganz und gar ein Sommelier mit einer satten Portion Leidenschaft und Gespür für besondere Weine.

Zum Dessert kann es auch mal ein Rosé von Valtènesi sein. Der 24er CàMaiol Roseri aus der Lombardei nimmt sehr rasch meine Nase gefangen. Ein spannendes Aromenbild nach Rosenknospen, daneben Pfirsichblüten, rote Johannisbeeren und Litschi. Sanft und gleichermaßen trocken am Gaumen überzeugt er durch seine schöne Struktur und sein aromatisches Finish. Oder doch lieber eine Auslese … Hier wird der Sommelier nun ganz und gar auch Verführer. Und klar … Mit dem Blick in die nächtlich glitzernde Skyline lässt die Auslese einen wundervollen vinologischen Abend sehr harmonisch ausklingen.

Für das leidenschaftliche Team im Occhio Doro bin ich Gast und Mensch zugleich. Für Könige fehlt ihnen hier der Palast. Gern geht man mit seinen Gästen eine stimmige wie auch harmonische Verbindung ein und geht fürsorglich als auch mit Freude auf deren Wünsche ein. Ja! Ich bin sehr gerne Gast und Mensch hier im 7’ten.

 

Occhio d’Oro / „Flemings Selection Hotel Frankfurt-City / Eschenheimer Tor 2, 60318 Frankfurt / http://+49 (0) 69 989 72 85 00

Ein schönes Stück Dolce Vita – A Tavola, Frankfurt

Stopp!! Nicht gleich den unsortierten Salat vor die Geschmacksnerven schieben und völlig gedankenlos die grün-bunten Prachtexemplare feiner Landarbeit in den Magen befördern. Gehen Sie doch mal in Geschmacksmeditation. Versuchen Sie doch mal, in Ruhe und Sorgfalt die natürlichen Aromen Ihres Salatgewusels zu „erschmecken“. Und? Wie? Hat kein Geschmack? Ja, warum zahlen Sie denn für geschmacksarme Gartenkunst – eben keine Kunst. Eher Mist. Bei Schokolade, Eis oder Bonbons kaufen Sie doch auch nach Geschmack.

Spätestens bei Salat endet die Freundschaft und beginnt mitunter das Menü. Für mich sind der Berliner Sternekoch Nikodemus Berger oder Falk Richter im Kiedricher Hotel Wald.Weit geniale Geschmacksgurus, welche die feine Klaviatur der natürlichen Aromen vorzüglich spielen und in mir eine ganze Bandbreite von Aha-Effekten im Gaumen und Kopf hinterlassen haben, unter welchen nun Frankfurts Gastronomie leiden muss. In knapp vier Wochen habe ich Frankfurts Gastronomie ins Kräuter- und Salatgewissen geschaut. Hochpreisige Gourmetküche habe ich mal links liegen gelassen. Überzeugt hat mich besonders das in Szene gesetzte Restaurant „a tavola“. Wobei ich das Lokal auch als ein „L‘Aperitivo“ einstufen möchte. „A tavola“ ist ein Treffpunkt von Freunden oder für Business, um beim Lieblingsgetränk vom Arbeitstag abzuschalten und den schönsten Seiten des Lebens die volle Aufmerksamkeit zu widmen.

Unmittelbar am Schweizer Platz gelegen haben die Inspiratoren mit viel Liebe zum Detail, einer gehörigen Portion Design und einer großzügigen Spur italienischer Tradition mit dem „a tavola“ ein Ausnahmeprodukt geschaffen. Fernab von Rom, aber dennoch gefühlt mittendrin: das römische Dolce Vita. Hier ist mal die alte Schullandkarte ohne Rahmen als Wandkultur oder dort hängen schräge Stühle an der Decke. Jeder dekorative Aha-Effekt gehört ebenso zum Stil des Hauses wie auch die Aha-Effekte der ungekünstelt ehrlichen Speisen.

Hier zaubert das Team schöne Momente, gepaart mit perfekt-freundlicher italienischer Tradition. Und … ein guter Aperitivo italienischer Art wird mitunter mit klassischen „Fingerfood-Häppchen“ (Antipasti italiano) serviert. Beste Qualität und Güte lassen sich auch bei der Pasta oder den unterschiedlichen Salatvariationen erschmecken. Mein Tipp: Insalata Scampi und/oder die Pizza Vegetaria. Im Hintergrund, aber im Blickwinkel, wirbelt der Pizzaiolo den Teig, bevor er in aromatischer Qualität belegt und in den Steinofen zur perfekten Pizza wird.

 

Diesterwegstraße 4, 60594 Frankfurt am Main