Eine puristische Schönheit – Hôtel du Couvent, Nizza

Aufruf zum Boarding. Flug LH1058 nach Nizza. Der frühe Morgen fühlt sich in meinem Körper nicht gerade gut an. Der Kaffee im Pappbecher ist ganz schön weit weg vom typischen Kaffeearoma und löst in mir grausige Assoziationen aus. Die Tageszeitung längst vergriffen. Nur das Werbeblatt des deutschen Parlaments verstreut sich völlig ungeniert im Ständer. Welch Glück, konnte ich einen Fensterplatz ergattern, und sehne mich bereits nach einem Powernapping und den Blicken auf Frankreich. Doch beides finde ich, wenn überhaupt, nur in meinen Tagträumen. Mit viel Gerüttel – Powernapping ade – durchbricht das Flugzeug die fett-grauen Wolken. Frankreich hat den Himmel zugezogen und verbirgt sich unter fetten Wolken.

Service ist hier eine liebenswerte Selbstverständlichkeit „Nous sommes ravis de vous accueillir. Nous ferons tout notre possible pour que cela soit possible, bien sûr…das sie früher in ihrem Zimmer sind“. Chapeau … das nenne ich mal Aufmerksamkeit. Ich bin angekommen in einer puristischen Schönheit. In einem gemütlichen Kokon aus herzlicher Gastfreundschaft, gepaart mit einer Unvoreingenommenheit, die man nur noch selten in der facettenreichen Hotelwelt findet.

Erst kürzlich schrieb ich in einer Kolumne von der Alltagsflucht ins Hotel. Hier, nur 1,5 Stunden von Frankfurt, bekomme ich eine gewaltige Genuss- und Servicekultur geboten. Abtauchen, abschalten, Welten wechseln, neue Blickachsen in sich entdecken und sich einfach mal wieder verwöhnen lassen und das Jetzt mit Blick auf Morgen genießen. Hier ist es fein kultiviert. Das Personal ist ausgezeichnet geschult und dem Gast weitaus näher als so mancher Psychologe. Ganz schnell wird spürbar, wie sich die Seele gemütlich in den Sessel platziert und auf feine Lebensqualität schaltet.

Ad hoc und ohne zu denken habe ich entschieden, meinen Aufenthalt zu verlängern. Der Job, der Auftrag, welcher mir diese Einladung nach Nizza bescherte, darf mal zwei Tage pausieren. An den Spiegel über dem Waschbecken vermerke ich den Hinweis: „Kein Telefon und kein Social-Media-Gedöns.“ Einfach mal ganz weit abtauchen und tief dieses einzigartige Refugium über Nizza einatmen.

Ja, manchmal bin ich so schön bekloppt oder noch ein naives Entdeckungskind, welches die Arme der Mutter sucht, um sich einzukuscheln. Hier wird es mit Fortune zelebriert. Die Zimmer lassen noch immer das historische Kloster erkennen. Die Klänge und auch die Farbgestaltung der Räume fühlen sich als gegeben und sehr harmonisch-stimmig an. Eher puristisch und dennoch fein in Harmonie gekleidet.

Hier findet die laute Welt zu einer demütig schönen Stille. Diese Ruhe wird zum Schlüssel des Hörens und ruft fast unmerklich zum Ausmisten meiner Gehirnwindungen auf und lässt die Zwischentöne des Lebens aufmerksamer hören.

Hier im Hôtel du Couvent bieten 88 Zimmer und Suiten herrlich ruhige Atmosphäre. Ich glaube, dass es eine Psychologie von Raumgestaltung gibt und dass Räume etwas mit uns machen. Hier wurden Räume geschaffen, die etwas Positives tun für die Menschen, die sie nutzen, beleben wie auch erleben.

Ich fühle mich angekommen und auch aufgenommen. Ich denke für niemanden mehr, ich suche auch nicht nach Worten oder sortiere in meinen Gedanken: Ich bin eingenommen von all den angenehmen Seelenschmeicheleien, die wie die Morgensonne am Morgen in die prächtigen Hoflandschaften schleicht.

Und es ist purer Genuss … einfach wohlig in der zu sitzen und den wenigen Wolken am Himmel Nummern zuzuordnen.

Ob im Restaurant oder an der Bar. Die Augen weit auf Achtsamkeit gerichtet. Nicht stört oder ist unnötig. Der Augenblick wird zum Serienblick. Der Service beherrscht eine sehr angenehme Servicekultur und gestaltet für seine Gäste atmosphärisch sehr schöne Momente. Ob Fisch, Fleisch oder Gemüse … die Küche begeistert mit frischen, regionalen Produkten und sehr spannender Aromatik. Alles etwas puristisch, doch sehr authentisch und geschmacksintensiv.

Und zum Abschied … Fein-klösterliche Brotkultur

Im Hôtel du Convent wird in der eigenen Brotmanufaktur auch ein prächtiges Brot mit frischen Gartenkräutern gebacken. In wahrer Klostertradition wird das Mehl im Kloster frisch gemahlen und aus verschiedenen alten Getreidesorten bester Qualität aus der Region hergestellt. Auch der Teig und die Hefe werden hier selbst hergestellt. Das Brot erzählt eine Geschichte und regt ungemein all unsere Geister an. Dazu feines Olivenöl, eine Brise Côte d’Azur und einen schönen Wein. La vie est belle !

Hotel du Convent / 1 rue Honoré Ugo, 06300 Nice, France
www.hotelducouvent.com
+33 (0)4 12 05 55 60

Das Leben lieben und leben – Hotel Arev, Saint-Tropez

Am Ende einer langen Radtour mit Freunden habe ich ihn entdeckt. Den Ort, der Zeit und Schmerzen ins Nirvana schickt. Bereits bei der ersten Begegnung meiner Füße mit dem Pool wurde mir bewusst, dass hier die Welt eine völlig andere Definition hat. 

Nur wenige Minuten vom Strand und Zentrum Saint-Tropez entfernt haben die Kreateure des Boutiquehotels Arev einen Ort geschaffen, welcher so anders als üblich ist. Inmitten einer üppigen und duftenden Gartenlandschaft wurde das Laissez-faire der Côte d’Azur neu interpretiert. Abseits, sehr ruhig und dennoch mittendrin. Nicht abgehoben, jedoch in feine Annehmlichkeiten gekleidet, wurde 2024 dieses 35-Zimmer-Resort eröffnet. Alles chic und fein konzipiert. Die Zimmer wurden um den Place des Oliviers als sozialen Mittelpunkt, Spa- und Sportangebote sowie ein Restaurant- und Strandkonzept, das Lifestyle mit Eleganz verbindet, gruppiert.

Hier geht es weniger um das Einchecken als vielmehr um ein Willkommen zu Hause, mit freundlich-engagiertem Personal, das sich ganz rasch wie alte Freunde anfühlt und unaufdringlich Wünsche erkennt.

Wer sich auf das Arev einlässt, wird eine neue Form von zeitlosem Luxus, bereichert mit traditioneller Handwerkskunst, fühlen. Hier wird sehr darauf geachtet, dass der Gast die Dienstleistungen des Hotels wie auch im Restaurant persönlich, einzigartig und maßgeschneidert präsentiert bekommt. Hier verliert Zeit ihre Bedeutung. Hier wird man neu auf diese Dinge justiert, welche wirklich wichtig sind.

Und natürlich … ja, lässig und unbedingt famos, die Poollandschaft mit Poolbar. Wozu das Hotel verlassen? Wozu in den achso wichtigen Strandanlagen der Côte d’Azur versinken? Hier lässt es sich vorzüglich Gedanken jonglieren und prächtig entspannen. Die Pool-Lounge überrascht und begeistert zugleich mit Cocktails und frischer lokaler Kulinarik. Hier wird einem bewusst, dass das Leben dort draußen und dort hinten im weltlichen Alltag nicht einfach und teilweise auch bizarr ist. Es ist kein einfaches Leben, aber jemand muss es ja leben!

Hier im Arev lässt es sich vorzüglich vom Wahnsinn dieser Welt abtauchen. Hier vergisst man das Gebimmel und das Gezeter des Alltags. In der Tat ist dieses Boutique-Hotel mit all seinen Annehmlichkeiten beinahe so fabelhaft wie deren Gäste selbst. Hier werden neue Farben und Momente erzeugt. Eine feine Magie der Gastfreundschaft inbegriffen. Auch unsere Fahrräder wurden bestens versorgt. 

Arev / 8 Chem. des Vendanges, 83990 Saint-Tropez, Frankreich

Provence: Die Kunst der Genusskünste – Hotel „la colombe d’or“

Das Café-Hôtel „La Colombe d’Or“, Saint-Paul-de-Vence – ist „der“ romantische Vergnügungsort der Künstlerseelen!

Etwas entrückt, aber fern von verborgen. 12 Kilometer nördlich von Nizza und nur wenige Kilometer von den Traumstränden der Côte d’Azur, gefüllt mit malerischen Gassen, einer gut erhaltenen, jahrhundertealten Befestigungsanlage und allerlei bunt lackierten Fensterläden, verzaubert das Berg- und Künstlerdorf Saint-Paul-de-Vence weit ab von der Moderne, aber mit reichlich Blickachsen in die Ferne. Definitiv ist Saint-Paul-de-Vence eines der hübschesten Bergdörfer im Hinterland der Côte, welches es bei jeder Begegnung versteht, zu verzaubern. Mittendrin die traumhafte Krönung des Laissez-faire der Côte d’Azur, das Café „La Colombe d’Or“ mit seiner merklich kunstgefüllten Atmosphäre. Es ist Café, Restaurant, Hotel, Kunststätte und Seelenfänger zugleich. Hier sind die Wände voll mit Kunstwerken, für die so mancher Kunstliebhaber und Galerist wohl morden würde. Hier lebt Geschichte wie auch der Glanz der Provence.

Noch heute erinnert ein Schild am Eingang an die große Gastfreundschaft: „Ici on longe à cheval, pied ou en peinture“ (Logi für Pferde, Wanderer und Maler).

Dass der ehemalige Eigentümer Paul Roux – die Beerdigung Roux’ war eine der wenigen, an denen der Künstler je teilnahm – nicht nur kultivierter Gastgeber war, sondern selbst auch Künstler, Kunstfreund und auch Schüler seines Gastes Pablo Picasso. Noch heute hängen einige seiner Bilder im Hotel. Nicht nur die Wände sind mit Kunstwerken bereichert … auch im Restaurant und unbedingt im Hotel gibt es zahlreiche spannende Begegnungen mit allen Facetten der Kunst. Man spürt im Dekor die Leichtigkeit und die Kreativität, welche hier nonchalant gelebt wurde und noch immer wird. So wie es Picasso gelungen ist einen alten Fernsehständer in die Skulptur eines Pferdes zu verwandeln, hat Familie Roux aus einem dörflichen Haus ein mit Kunst gefülltes Wunderland gemacht. Unmittelbar nach Betreten des Hauses spürt man sofort die verführerisch avantgardistische und beruhigend provenzalische Atmosphäre, welche zunächst auch architektonisch irreführend ist, denn es will mir einfach nicht gelingen, es in einen Stil einzuordnen. Facettenreich spiegelt es unterschiedliche Charaktere, mal Villa, mal Cortage und auch mal Kloster: Auf historischen Gewölben sammeln sich allerlei kunterbunte Korridore und eine Vielzahl teils romantisch-mystischer Terrassen, allesamt mit groben Steinplatten ausgelegt, welche mühsam aus einer verfallenen Burg in der hinteren Provence abgetragen und hier sorgsam verlegt wurden.

Das Gästebuch ist nicht nur Kunst … es ist besonders viel Kultur- und Erinnerungsgut an seine Gäste. Hier haben sich Picasso, Matisse, Chagall und Christo, aber auch Madonna, Robert de Niro, Sophie Marceau, Michael Caine und Alfred Hitchcock verewigt. Selbst Winston Churchill und Barack Obama philosophierten hier schon über Kunst, Geist und die Welt.

Paul Roux war in der Künstlerszene tief verwurzelt; vor allem mit Malern war er eng befreundet. Er zögerte nicht, wenn bekannte Maler ihr Essen und die Unterkunft bei ihm mit Gemälden bezahlen wollten.

Das „La Colombe d’Or“ wurde ein Treffpunkt der Künstlerszene und somit wird klar, warum die Wände noch heute voll von Kunst bekannter Maler hängen. Hier wurde nie mit Blutgeld, sondern meist mit Kunst bezahlt. Ich hinterließ einige Euro und viel Dankbarkeit.

La Colombe d’Or Hotel and Restaurant / Place du Général de Gaulle, 06570 Saint-Paul-de-Vence, Frankreich