Die letzten Trauben sind längst gelesen und bereits im wohligen Hefebett angekommen. Leichter Oktobernebel macht sich in den Gassen breit und trübt ein wenig so manche Stimmung ein. Es ist auch eine gute Zeit, um innezuhalten, Gedanken zu fangen, Ideen zu gestalten und über das Vergangene wie auch über die Zukunft nachzudenken.
Nachdenken auch über die auffällige Bandbreite bei den Weinpreisen, denn erst kürzlich lag beim Discounter in meiner Hand ein 2023er Sauvignon Blanc aus Edesheim. 2,99 Euro für 0,75 Liter. Die Lage ist mir gut bekannt. Folglich wurden die Augen groß, die Nase gierig und die ersten Sinnesfalten auf meiner Stirn traten deutlich zum Vorschein. Warum ist dieser Wein für 2,99 Euro zu haben, während ein anderer aus demselben Anbaugebiet und derselben Traubensorte ein Vielfaches kostet?
Um dies zu verstehen, möchte ich ein paar Fakten auf den „Tisch“ packen: Um einen sehr günstigen Wein zu erzeugen, müssen die Produktionskosten pro Liter so niedrig wie nur möglich liegen.
Das bedeutet günstige Zukäufe von Fassweinproduzenten im In- wie auch im Ausland oder flache Weinberge, in denen die Bewirtschaftung, wie der Rebschnitt und die Weinbergspflege wie auch die Lese, vollständig mechanisiert werden. In diesem Fall kommt man mit etwa 200 Arbeitsstunden pro Hektar und Jahr aus. Ein Ertrag von rund 10 000 Litern pro Hektar und Jahr erlaubt gerade noch einen trinkbaren Wein. Bei Fassweinpreisen von etwa 80 Cent pro Liter ist es durchaus möglich, Geld zu verdienen. Jedoch, um seinen gesamten Lebensunterhalt damit zu bestreiten, braucht man eine beachtliche Rebfläche und muss alles gut im Griff haben. So entstehen die billigen Weine im Supermarkt- und Discounterregal.
Hingegen müssen Weinmacher von sehr charaktervollen, hochwertigen Weinen nicht nur über entsprechendes Wissen verfügen und reichlich Erfahrung und eine sensible Nase mitbringen, sondern auch sehr viel Handarbeit investieren, um ihr Ziel zu erreichen.
Bereits die selektive und ertragsreduzierte Weinlese per Hand kann hier über 200 Arbeitsstunden pro Hektar beanspruchen und die gesamte Bewirtschaftung kann auch über 1000 Arbeitsstunden pro Hektar und Jahr hinausgehen. Bei Bioweinen setzen Weinmacher auf meist teurere natürliche Hilfsmittel und verzichten gänzlich auf Chemie. Auch im Keller ist sensible Handarbeit gefordert. Hier verbannen Winzer Stabilisierungs- und Schönungsmittelchen und verbringen den Tag gern im Keller, denn hochwertige wie auch natürliche Weine benötigen wesentlich mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung, damit ihre Eleganz auch auf großen Bühnen gewinnt.
All dieser Aufwand ist ganz sicher nicht zum Mindestlohn verfügbar. Und somit wird ganz schnell klar, dass Weine mit ganz viel Lebenskultur entsprechend teurer sind als das im Discounter Angebotene.
Ja klar werden nun die Fragen aufkommen, wie günstig ein gut schmeckender Wein mit echtem Charakter sein darf. Bei vielen Weingütern in der Pfalz und insbesondere in der Südpfalz lassen sich solch gehobene Qualitäten häufig bereits ab 7,90 Euro finden. Für mich ist dies ein günstiger Einstieg in ein Stück mehr Lebensgenuss.

